Der Mensch glaubt, nichts Menschliches sei ihm fremd

Wieder werden die Medien wg. nachlässiger Recherche angezählt. Es ist ermüdend, wenngleich auch nicht völlig unberechtigt. Aber Hallo! Es gibt jetzt das Internet und die Art und Weise, in der wir mit „Informationen“ umgehen, hat sich grundlegend geändert. Einfach ausgedrückt, wir erwarten, dass alles blitzschnell geht. Das hat aber seine Tücken, und das sollten wir wissen.

Der schnelle, nicht der gründliche Vogel fängt den Wurm. Und auch das wissen wir. Im Übrigen haben m.E. Blogs und soziale Netzwerke an der Gesamtentwicklung einen großen Anteil – auch wenn manche Blogger das durch ihre Permanentkritik an den „Leitmedien“ rundweg leugnen.

Cui Bono

Jeder, der sich mit den Zusammenhängen um die Islamistenmobs der letzten Jahre ein bisschen beschäftigt hat, könnte wissen, was abgelaufen ist.  Die Hintergründe zum damaligen Zoff um die „dänischen“ Mohammed-Karikaturen sind bekannt. Heute kann man sie sogar in der Wikipedia nachlesen. Wie gesagt — jeder könnte die Hintergründe kennen und sich seine Gedanken dazu machen.

Gehen wir also davon aus, dass es böse Muslime gibt, die agitieren und Menschen gegeneinander ausspielen. In vielen Ländern gibt es latente Vorbehalte gegen den Westen, die USA und Israel. Die Agitatoren drücken imaginäre Knöpfe und schauen was passiert. Passiert nichts, legen sie nach bis was passiert. Die Bilder sehen wir im Fernsehen und sie verstören uns. Das ist die Absicht.

Es ist abscheulich, auf den Gefühlen anderer Menschen herumzutrampeln – auch wenn es „nur“ religiöse Gefühle sind. Aber Religion geht im Internet gar nicht mehr. Religion ist der Ursprung für alles Böse. Das ist soooo populär!

Halten wir also fest: die gewalttätigen Demonstrationen wurden von Muslimen, die ein Interesse daran haben, inszeniert. Aber was tun wir nun mit dieser Erkenntnis? Ändern wir unser Verhalten, weil unsere liberalen Vorstellungen inkompatibel mit denen anderer Menschen auf der Erde sind? Geht es wirklich darum, wie die französische Regierung meint, dass jetzt ein schlechter Zeitpunkt für weitere Provokationen Mohammed-Karikaturen wäre? Die Mahnung: „Jetzt keine weiteren Provokationen“ kann ich ja verstehen. Aber in 20 Ländern die Botschaften und Schulen zu schließen, weil man um Leib und Leben der Menschen dort fürchten muss? Das wirkt übertrieben. Viele finden außerdem, das wäre ein falsches Signal. Warten religiöse Fanatiker auf einen beliebigen Auslöser, so werden sie durch diesen Aktionismus natürlich eher bestärkt, auch in Zukunft beim geringsten Anlass in bekannter Art und Weise zu reagieren.

Verantwortliche

In Pakistan hat die Regierung gerade den morgigen Freitag als Feiertag ausgerufen. Die Regierung will dem Volk Gelegenheit geben, gegen den Westen zu demonstrieren. Wofür spricht die Handlung der pakistanischen Regierung? Die Behörden mahnen zur „Besonnenheit“ und die Radikalen wollen das wohl eher nicht. 🙁 Wofür sind wir? Wählen wir aus „pragmatischen“ Gründen den Verzicht auf Satire, weil diese vielleicht die Gefühle anderer Menschen verletzten könnte oder stehen wir zu unseren über die Jahrhunderte erkämpften Freiheiten?

Wichtig wäre im Augenblick die unmissverständliche und ganz offene Unterstützung der Regierungen und muslimischen Führer in den Ländern, in denen derzeit der Mob tobt. Aber die kommt offensichtlich nicht. Die wenigen Aufrufe klingen halbherzig und werden wahrscheinlich weder in den betreffenden Ländern noch im Westen ernst genommen.

About the Author

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 65 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

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