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Arrogante Presse trifft auf scheinkritische Öffentlichkeit

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Das ist nun keine Überraschung, dass die FAZ im Fall der Hexenjagd auf den Ex-Bundespräsidenten, Christian Wulff, aber auch nicht den geringsten Grund für eine selbstkritische Reflexion sieht! Springer, Spiegel und FAZ haben, bewegt durch wen oder was auch immer, eine erfolgreiche Kampagne vorzuweisen. Nichts dürfte … weiterlesen



Das ist nun keine Überraschung, dass die FAZ im Fall der Hexenjagd auf den Ex-Bundespräsidenten, Christian Wulff, aber auch nicht den geringsten Grund für eine selbstkritische Reflexion sieht!

Springer, Spiegel und FAZ haben, bewegt durch wen oder was auch immer, eine erfolgreiche Kampagne vorzuweisen. Nichts dürfte sie zu dem abwegigen Gedanken veranlassen, dass das alles falsch gewesen sein könnte – jedenfalls so, wie es betrieben wurde.

Der Verriss der gestrigen ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ von FAZ-Autor, Michael Hanfeld, war erwartbar. Er konnte nicht widerstehen, dem ZDF bzw. dem „öffentlich-rechtlichen Fernsehen“ einen Schlag in die Fresse mitzugeben. Das kommt im Internet schließlich immer gut.

Herr Manfeld arbeitet sich an Prantl von der Süddeutschen Zeitung und am ZDF ab, weil ihm sowohl das Thema der Sendung als insbesondere Prantl in seiner in der Tat unangenehm besserwisserischen Art offenbar tierisch auf den Wecker gegangen ist.

Ich hätte mir von Herrn Manfeld lieber wenigstens ein Wort darüber gewünscht, dass diese Art von Journalismus nicht das Gelbe vom Ei war und dass man das besser nicht wiederholen sollte. Vielleicht hätte Herr Schirrmacher diese Größe besessen. Herr Manfeld hat sie nicht!

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Es war eine von ein paar kleinen, aber aufschlussreichen Szenen, die erahnen ließen, dass es nicht nur nicht leicht ist, Christian Wulff zu sein, sondern auch, ihm durchgängig mit solch kaum gebremstem Wohlwollen zu assistieren, wie es hier seitens Prantls und Vollmers geschah. Ob man denn unbedingt „supertoll“ sagen müsse, fragte Letztere mit sanftem Tadel, während Prantl die Kriegsrhetorik monierte. LINK
Christian Wulff bei Maybrit Illner – SPIEGEL ONLINE
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Die seit dem Rücktritt erstaunlich meinungslose Bevölkerung des Internets war zuerst mit Verve dabei – wie immer – gierend nach Sensationen oder Klatsch aller Art und prustete mit dem größten Vergnügen überwiegend Dreck und Verdächtigung in die Welt. Kostet ja alles nix und die Opfer dieses Hasses können sich ja wirklich nicht wehren. In diesem Bewusstsein sind alle Grenzen aufgehoben.

Die Art und Weise, wie Herr Diekmann sich „gewehrt“ hat, ist bezeichnend. Indes, es interessiert die Leute nicht mehr. Das Thema ist einfach durch!

Längst ist der Stein des moralischen Anstoßes beiseite geräumt, und wir sind Weltmeister. Das sind wir gern! Wir wollen bewundert und geliebt werden. Für uns das Beste und für die, die uns auf den Sack gehen – und wenn es nur der Job, die Stellung oder auch die Dauerpräsenz in den Medien ist, der Pranger. Lebten wir im Mittelalter, es würde Blut fließen.

Mal gucken, wie lange es anhält, bis die nächste Indiskretion eine weitere Attacke auf einen Politiker (oder wen auch immer) lostritt.

Ich fürchte, die postdemokratische Ära ist nicht mehr fern.

Dann könnte auch der letzte Dauerempörte und wir ach so kritischen Internetkonsumenten begreifen, wie „demokratieförderlich“ sich diese (fast schon normal gewordenen) Exzesse auswirken.

Ich spreche von einer großen Vertrauenskrise. Kaum eine Institution genießt noch unser Vertrauen – von Personen erst gar nicht zu reden.

Ungeheuer eindeutig – die Meinung „der deutschen Medien“. Alles andere wäre einfach zu viel verlangt.

Wulff hat seine Sache dankenswerterweise in einem Buch thematisiert. Dafür gebührt ihm Dank. Stattdessen tun die Medien aber lieber so, als hätte der Mann keine anderen Beweggründe, als den beratungsresistenten Rechthaber zu geben. Er hat dazu etwas anderes gesagt. Ganz klar und unmissverständlich. Aber das will keiner hören.

Die Entwicklung lässt sich nicht auf die im Internet so gern verspotteten „Qualitätsmedien“ beschränken, sondern sie ist nicht zuletzt durch das Internet und den dort grassierenden Wahnsinn in abartiger Geschwindigkeit beschleunigt worden.

Mal gucken, was daraus noch entstehen wird. Ich persönlich bin ganz sicher: Es ist nichts Gutes!









Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

2 Gedanken zu „Arrogante Presse trifft auf scheinkritische Öffentlichkeit“

  1. In meinen Augen ein sehr guter Artikel mit reichlich Blutdruck. Enthält viele Wahrheiten, die leider keiner hören will. Das ist schade.

  2. Danke für deinen Kommentar. Ja, mich regt die Sache auf. Deshalb nochmal ein Artikel zum Thema – auch wenn es leider kaum mehr einen interessiert. Ich nehme mein hartes Schicksal eines Bloggers mit den falschen Themen wie ein Mann. Manchmal. 🙂

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