„Immer zu mißtrauen, ist Irrtum, wie immer zu trauen.“ (J.W. v. Goethe)

Das Internet, der einzig wahre Platz für Informations- und Meinungsfreiheit. Dort machen sich derzeit viele Gedanken über die Qualität unserer Medien. Eine Geschichte, die man streng genommen zu allen Zeiten, auch vor dem Internet, hätte als völlig normal betrachten können. 

Die zentrale Frage jedoch, wie gut unsere Antennen für Desinformation und Propaganda in Zeiten wie diesen wirklich sein müssen, bleibt für mich weiter unbeantwortet.

Stattdessen werden wir mit zum Teil sehr eigenwilligen Schlussfolgerungen und mit Behauptungen konfrontiert, die im Zweifel ebenso wenig belegt werden, wie die der propagandistischen Gegenseite. Diese Gemengelage facht unsere ohnehin schon vorhandene Skepsis und unser Misstrauen weiter an. Keine Institution bleibt verschont – keine staatliche und keine privatwirtschaftliche.

Wir hatten uns vor nicht allzu langer Zeit eingebildet, dass ein praktisch unbegrenzter Zugang zu Informationen (Internet) eine Chance zur Entwicklung der Demokratie sein würde. Und wenn das glatte Gegenteil der Fall wäre? Machiavelli mal auf anders sozusagen.

Kritisch finde ich, dass fragwürdige Persönlichkeiten darin für sich und „ihre Sache“ eine Chance erkannt haben und diese augenscheinlich auch einigermaßen erfolgreich wahrnehmen. Jeder mag sich von der Lage sein eigenes Bild machen. Die Informationen dazu sind allen zugänglich.

Die öffentlich-rechtlichen Medien werden als „Staatsfunk“ verunglimpft. Schizophrenerweise werden häufig zum Beleg Berichte aus genau diesen Medien verlinkt. Das finde ich dumm und witzig zugleich.

In der Satire-Sendung „Die Anstalt“, ZDF, gab es letzte Woche einen interessanten Überblick über die Beteiligung führender deutscher Journalisten in transatlantischen Institutionen (wie z.B. der „Münchener Sicherheitskonferenz„). Von Josef Joffe, Mitherausgeber „Die Zeit“, war mir schon bekannt, dass der Mann ein engagierter Transatlantiker ist. Auch Helmut Schmidt ist ausgewiesener Transatlantiker mit etwas differenzierteren Ansichten zu Russland (wie übrigens jeder wissen kann). Jochen Bittners, „Die Zeit“, transatantisches Engagement ist nicht weniger unbekannt (Wikipedia). Eigentlich verfügen wir über die hier preisgegebenen Informationen. Selbst wenn wir „nur“ Wikipedia bemühen. Man muss sie halt nur in den richtigen Kontext stellen. Dann ist es Satire?!

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Jeder kann sich vorstellen, dass renommierte Journalisten für Interessenvertreter aller Art hochinteressant sind. Auch uns normalen Bürgerinnen und Bürger ist hinlänglich bekannt, wie wichtig heutzutage persönliche und berufliche Netzwerke sind. Wir selbst gründen und pflegen unsere Netzwerke nach verschiedenen und häufig durchaus egoistischen Motiven. Ich muss das sicher nicht näher erläutern. Speziell im Umfeld der Politik gibt es dafür den ins Gerede gekommenen Begriff Lobbyismus.

Wie stark nehmen die Damen und Herren der Medien Einfluss auf die öffentliche Meinung? Wenn Claus Kleber, Heute Journal, durch sein tolles Studio schlendert und uns im Brustton der Überzeugung die schweren Verfehlungen Russlands offenbart, tut er das vielleicht nur deshalb, weil er durch einen transatlantischen Thinktank indoktriniert wurde und einen klaren Desinformationsauftrag erhalten hat? Wurde er sogar dafür bezahlt? Wie weit gehen unsere Mutmaßungen? Dass ein Mensch seinen politischen Überzeugungen folgt ist aber doch nicht so abwegig, wie es den Anschein erwecken soll.

Information vor Meinung

Klingt gut und doch gibt es die Seite 3 oder 4 in unseren Zeitungen schon ziemlich lange. Dort wird Meinung gemacht. Die Tagesschau und Heute geben einen Abriss übers Zeitgeschehen – die Nachrichten. Tagesthemen und Heute Journal enthalten im Vergleich einen hohen Meinungsanteil. Und ja, ich denke, wir brauchen Kommentierungen von Nachrichten auch heute. Und zwar nicht nur, weil die von mir getroffene Unterscheidung nicht mehr so klar vorhanden ist. Zum einen, glaube ich, ist der „Meinungsanteil“ stark gewachsen und zum anderen ist die Abgrenzung, wenn es diese wirklich je gegeben hat, nicht deutlich genug.

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Früher gab es einzelne Fernsehsendungen, die stark polarisiert haben. Ich denke an Magazine wie „Monitor“ oder das „ZDF-Magazin“. Auch heute gibt es politische Magazine, die dem linken oder liberalen und andere, die eher dem konservativen Lager zugeschrieben werden können. Aber die Bedeutung des Mediums hat sich verändert. Polarisierung in dem Sinne ist nicht mehr so stark ausgeprägt.

Statistik: Anteil der Internetnutzer in Deutschland von 2001 bis 2013 | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Ca. 76% der Deutschen nutzen das Internet. Trotzdem findet die GroKo immer noch Unterstützung in der Bevölkerung (Deutschlandtrend März 2014). Trotz ihres kritikwürdigen Verhaltens zum NSA-Skandal. Ich bin froh, dass eine Differenz zum Internet auszumachen ist. Die wird nicht von Politikern und auch nicht von Medienmachern kreiert. Merkels Durchregieren hat für manche etwas Bedrohliches, für die Mehrheit der Menschen in Deutschland signalisiert die Konstellation in erster Linie Kontinuität und Sicherheit.

Keiner weiß, wie stark die Unzufriedenheit mit unseren Parteien, Medien und unseren Institutionen allgemein, weiter anwachsen und wie dies die Demokratie beschädigen wird. Wenn sich rechte und linke Demagogen zusammen tun und glauben im Windschatten einer schweren politischen Krise ihre Chance ergreifen zu können, werde ich unruhig.

Man kann nur versuchen, nicht selbst der Versuchung zu erliegen, allen anderen alles Schlechte zuzuschreiben und die eigene Meinung immer ein bisschen zu stark auf Wirkung im Internet zu tunen. Das Internet hat jedes Misstrauen verdient!

*) Den Titel meines Beitrages habe ich von Johan Wolfgang von Goethe geklaut!

Foto von: EnglandCC BY-NC-SA 2.0





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