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Wetten, dass die Zahl der Petitionszeichner heute noch gewaltig ansteigt!

Georg Diez beschreibt in seiner Spiegel-Kolumne «Der Pesthauch des Konformismus» worum es den Zeichnern der unsäglichen Petition in Wirklichkeit ging. Er wird dafür überbordend gelobt. …

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Georg Diez beschreibt in seiner Spiegel-Kolumne «Der Pesthauch des Konformismus» worum es den Zeichnern der unsäglichen Petition in Wirklichkeit ging. Er wird dafür überbordend gelobt. Und zwar auch von Leuten, die seine Kommentare ansonsten nicht immer zu schätzen wissen. Muss mir das zudenken geben? Nee, überhaupt nicht! Im Gegenteil.

Das hinter der Petition zum Vorschein kommende Anliegen der Zeichner war von Anfang an das, was mich daran am meisten aufgeregt hat. Der Petitionstitel heißt: «Raus mit Markus Lanz aus meinem Rundfunkbeitrag!» Im Text wird unmissverständlich der Rausschmiss von Markus Lanz gefordert («Ich fordere das ZDF daher auf sich von Markus Lanz zu trennen) und nicht eine «Demokratisierung des ZDF». Was soll also dieses intellektuelle Geseier? Aber es ist natürlich ganz einfach: Mit dieser Form des Protestes erreicht man mehr Leute und das schnell.

Menschliches Fehlverhalten eignet sich für Agitationen aller Art offenbar besser als die Quälerei der Zuschauer durch Institutionen wie das ZDF. Das sieht man schön am aktuellen Beispiel des ADAC. Deren Präsident, Herr Meyer, als vielleicht illegaler Nutzer der ADAC-Rettungshubschrauber lässt sich für die Skandalisierung viel besser nutzen als eine allgemeine Attacke auf den ADAC als Institution. Auch Herrn Dudenhöffers Einlassungen ändern daran nichts.

Der Auftrag des ÖR Rundfunks lautet lt. Staatsvertrag:

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§ 11 Auftrag
(1) Auftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist, durch die Herstellung und Verbreitung ihrer Angebote als Medium und Faktor des Prozesses freier individueller und öffentlicher Meinungsbildung zu wirken und dadurch die demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben in ihren Angeboten einen umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und regionale Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben. Sie sollen hierdurch die internationale Verständigung, die europäische Integration und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Bund und Ländern fördern. Ihre Angebote haben der Bildung, Information, Beratung und Unterhaltung zu dienen. Sie haben Beiträge insbesondere zur Kultur anzubieten. Auch Unterhaltung soll einem öffentlich-rechtlichen Angebotsprofil entsprechen.

(2) Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben bei der Erfüllung ihres Auftrags die Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, die Meinungsvielfalt sowie die Ausgewogenheit ihrer Angebote zu berücksichtigen.

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Wahrscheinlich gibt es viele Zuschauer des ZDF, die mit all der Kritik gar nichts anfangen können. Zu denen gehöre ich gewiss nicht. Das Programm ist verbesserungswürdig. Aber das ZDF als undemokratischen konformistischen Haufen zu beschreiben geht zu weit. Eine Reform ist wünschenswert und erforderlich.

Den Anspruch aus irgendwelchen Staatsverträgen, die den eigentlichen Auftrag der ör Sender betreffen, muss nicht im Vordergrund stehen. Ich will auch unterhalten werden. Nee, mir wäre etwas weniger «Traumschiff» oder «Wetten dass…?» und stattdessen ein paar andere, gern auch anspruchsvolle Programmangebote, lieber als die vielleicht irgendwann vielleicht einmal demokratisch legitimierte Aufklärung der Bürger.

Aber die Wut, die sich an diesem einen symptomatisch missglückten Interview entlud, ist ja eben mehr als die Wut auf einen Moderator, der verlässlich versagt.
Quelle: Das undemokratische ZDF: Markus Lanz und Sahra Wagenknecht – SPIEGEL ONLINE

Quelle: Das undemokratische ZDF: Markus Lanz und Sahra Wagenknecht – SPIEGEL ONLINE

Was empfinden wohl die Betroffenen, wenn sie auf sie selbst bezogene Begriffe wie «versagt» oder «symptomatisch missglückt» lesen? Ein schönes Gefühl ist das nicht. Angeblich müssen sie das ja aushalten. «Schließlich stehen sie ja in der Öffentlichkeit», höre ich die ganz Taffen sagen. Schließlich ist es ja auch in ihren Einkommen eingepreist. Nicht wahr? Lanz nervt und hat ein furchtbares Interview geführt. Georg Diez hat das zum Teil schon richtig beschrieben. Ich halte es aber immer noch für sehr fragwürdig und für falsch, dass so viele Leute ihren Frust auf das System des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks auf einen einzelnen Moderatoren konzentrieren und ihn nicht dorthin adressieren, wo er hingehört.

Update:  Die FAZ schreibt zu diesem Fall

Auf Nachfrage kam dann heraus, dass viele Unterstützer der Anti-Lanz-Petition ihre Anonymität der Öffentlichkeit vorgezogen hatten. Ein tendenziell widersprüchlicher Akt, denn zugleich hatten sie ja, mittels Unterschrift, Öffentlichkeit als jenen Raum definiert, in dem Markus Lanz nichts mehr zu suchen haben soll – das muss ein ziemlich leerer Raum sein, diese Öffentlichkeit. Wobei man Markus Lanz vieles nachsagen kann, aber den Mut, sich einem kritischen Publikum auszusetzen, den hat er – wobei der allein freilich nicht ausreicht, den Ansprüchen an ein unterhaltsames oder intelligentes Programm zu genügen. Es ist aber vergleichsweise feige und grob, dem angeschlagenen Moderator, der sichtlich seine Unbefangenheit verloren hat und der als „Wetten, dass..?“-Moderator im Sender deutlich angeschlagen ist, mit dieser neuen Art von Quotenkeule zuzusetzen.
Quelle: Aufruhr gegen Markus Lanz: Die neue Quotenkeule – Medien – FAZ

Quelle: Aufruhr gegen Markus Lanz: Die neue Quotenkeule – Medien – FAZ
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Horst Schulte
Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

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