Je reißerischer und blutiger der Titel, desto höher die Klickzahl

Ein hervorragendes Beispiel für voreilige Schlüsse, schlechte Recherche oder vielleicht auch ungeprüfte Übernahme von Agenturmeldungen – kurz schlechte Arbeit – lieferte der „Focus“ am 23. März mit diesem Artikel: 15 tote Tiere in zwei Nächten: Unbekannte köpfen Flamingos im Frankfurter Zoo – Aus aller Welt – FOCUS Online – Nachrichten. Er ist immer noch online. (Und bitte: erspart euch die Kommentare unter dem Focus-Artikel – lest sie nicht).

Auf die Schlagzeile wurde ich erst durch einen schönen Artikel von Scarlett Ammá im Migazin aufmerksam.

Das passiert uns allen und zwar ziemlich oft: Wir schnappen den Fetzen einer „Information“ im Radio oder Frühstücksfernsehen auf, lesen eine Headline im Vorübergehen und beim Durchblättern einer Zeitung und die „Nachricht“ macht uns sogleich betroffen. Dann schleppen wir den Gedanken an den Vorgang eine Weile mit uns herum und erfahren – wenn wir Glück haben – erst viel später, dass sich das Drama ganz anders abgespielt hatte oder sogar, dass es dieses Drama überhaupt nicht gegeben hat.

Nun muss man in diesem Fall festhalten, dass es die toten Flamingos gegeben hat. Und tot ist tot. Wer mag sich schon gern ausmalen, was den wunderschönen Vögeln im Frankfurter Zoo passiert ist? Man wird vielleicht sogar behaupten können, wie es häufiger zu lesen war, dass die „15 Flamingos brutal getötet“ wurden. In der Natur geht es schließlich richtig brutal zu. Dort frisst der Starke den Schwachen. So ohne zivilisatorische Normen und Gesetze lebt und stirbt es sich schon anders.

Die Geschichte wirft nichtsdestotrotz ein schwaches Bild auf Teile unserer Medien.

Ich sage das, obwohl ich nicht zu denen gehöre, die mit der Behauptung, die deutschen Medien seien [symple_highlight color=“red“]gleichgeschaltet[/alert] und würden uns nicht objektiv informieren (Krise in der Ukraine). Allerdings – solche Fehler sollten wirklich nicht vorkommen!

Vielleicht sind sie dem Erfolgs- und Kostendruck der Akteure geschuldet. Das wäre angesichts der Situation (Döpfner, Google) nachvollziehbar. Aber die Qualität der Informationen darf darunter nicht leiden. Sonst sägt man den Ast ab, auf dem man sitzt.

Wie schrieb Scarlett Ammá so schön:

Ich kann meinem Kind hoffentlich beibringen, selbst und fremd gemachte Bilder nicht in Stein zu meißeln, sondern immer erfahrungsoffen zu sein. Sich eine Art humorvolle „Flamingo-Massaker-Wachsamkeit“ anzueignen. LINK
Third Culture: Massaker bei Flamingos im Frankfurter Zoo – MiGAZIN

Viele hatten sich schließlich vorgestellt, dass die Qualität unserer Versorgung mit objektiven Informationen durch das Internet verbessert wird und nicht, dass das Gegenteil der Fall ist. Ein bisschen sind wir selbst wohl auch daran schuld. Oder warum verkauft sich die B*ld-Zeitung immer noch so hervorragend?

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About the Author

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 65 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

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