Medien vs. Wulff: Journalisten haben nur ihre Arbeit gemacht

Im Buch »Ganz oben – Ganz unten« kritisiert Christian Wulff Justiz und Medien und das ist so gar nicht überraschend. Dass ihm diese Medien nun vorhalten, selbstgerecht zu sein und ihre Leserinnen und Leser nochmals darin zu bestärken, sein Rücktritt sei richtig und nötig gewesen, ist es ebenso wenig.

Was kümmert es die Medien (und uns), dass ein Gericht Wulff von allen Anschuldigungen freigesprochen hat? Presseberichte und Meinungen zu Urteil waren aus den Headlines verschwunden. Das hatten wir in den Monaten davor anders erlebt.

Wenn es so viele Jäger gibt, wer hat dann noch Lust, das gejagte Wild zu werden?
Christian Wulff

Christian Wulff

Alle Bemühungen von Medien und Staatsanwaltschaft gingen ins Leere. Es blieben moralische Verfehlungen, die sich also als nicht justiziabel erwiesen hatten. Was uns wiederum nicht daran gehindert hat, unser eigenes Urteil zu verkünden. Fehler gibt man ungern zu. Das gilt für Wulff wie für die Medien und uns gleichermaßen. Wenigstens da gibt’s Gemeinsamkeiten.

Die Taktzahl der unerbittlichen Medienberichte und die vor Hass, Häme und Schadenfreunde triefenden Kommentare, hauptsächlich im Internet, war abgeebbt. Mancher wird froh darüber gewesen sein. Man hatte sich schließlich an Wulff abgearbeitet. Manchen wurde das inzwischen zu viel. Auf die Frage, ob sich nach der Jagd ein schlechtes Gewissen eingestellt hatte, erhielt man kaum eine Antwort.

Die Kollateralschäden, die bei solchen Hassaktionen entstehen, sind nicht unser Problem. Mir kam mehr als einmal das Bild von Geiern in den Sinn, die nach beendeter Mahlzeit ihr Leckerchen der sengenden Wüstensonne überließen. Die Empörungsrituale finden schon ihre Ziele.

Heute, einen Tag nach Wulffs Buchvorstellung ist von Selbstkritik der Medien kaum etwas zu sehen. Man nimmt es Wulff sogar irgendwie übel, dass er die Stirn hat, der Öffentlichkeit seine Sicht der Dinge mitzuteilen. Der Kommentar von Roland Nelles im »Spiegel« stellt seiner im Vergleich zu anderen Medien neutralen Beitrag direkt im ersten Absatz eine ziemlich Boshaftigkeit voran. Er führt Bettina Wulffs missglücktes Buch an.

Foto von: Deutsche Bundesstiftung UmweltCC BY-NC-SA 2.0


Über den Autor

Ich bin Horst Schulte. Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 67 Jahre alt und lebe in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt.

Mein Motto: "Bloß nicht zynisch werden..."

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