Qualitätsmedien: Nichts ist älter als die Zeitung von gestern

Woher kommt das eigentlich, dass wir heute so sehr über die mangelnde Qualität journalistischer Arbeit lästern? Wir machen ja nicht halt bei der Kritik an den Öffentlich Rechtlichen Sendern (die manchem ein Stachel im Fleisch sind, weil sie ein Problem mit den so genannten Zwangsgebühren haben), sondern erweitern unsere Kritik locker auf das ganze Spektrum journalistischer Arbeit. Ausnahmen bestätigen sozusagen die Regel.

Waren wir früher nur deshalb unkritisch(er), weil es das Internet noch nicht gab? Haben wir durch das Internet einen derart hohen Zugewinn an objektiver Information zu verzeichnen, dass unsere Vergleichsmaßstäbe derart in die Höhe geschnellt sind und wir unsere Aversion eventuell so erklären könnten?

Wenn sich die Qualität unserer Medien wirklich so verschlechtert hat, wäre es doch interessant, eine Antwort darauf zu finden, wie das geschehen konnte. Machen wir uns nichts vor: Wir wurden schon immer auch Informationen gewahr, die man wenigstens teilweise als Propaganda bezeichnen könnte. Die uns nachgesagte und objektiv wohl auch vorhandene Amerika-Feindlichkeit mag das Resultat sich einstellender Erkenntnisse sein, denen auch die engagiertesten Transatlantiker wenig entgegensetzen können. Die gegenwärtige Krise zeigt, wie groß das Misstrauen inzwischen geworden ist.

Aber warum ist unser Misstrauen gegen die Qualitätsmedien so angewachsen? Was ist dort falsch gelaufen? Ich bin kein Anhänger von Verschwörungstheorien. Insofern schließe ich aus, dass unsere Medien – wie im Moment häufig zu hören ist – gleichgeschaltet seien. Gerade eine so angespannte Wettbewerbssituation, in der sich Verlage und Medien allgemein befinden, sollte doch gewährleisten, dass jede Chance genutzt wird, Versäumnisse auf der einen oder anderen Seite schnell und schonungslos zu offenbaren. Und genau dies passiert ja auch. Ich denke an die Kooperation verschiedener Medien, um den von den USA ausgehenden Geheimdienstskandal öffentlich zu machen.

Auch in den Öffentlich Rechtlichen Medien werden Berichte gesendet, die mächtigen und einflussreichen Gruppen in unserem Land nicht passen dürften. Genau an solchen Beiträgen entzündet sich allerdings auch die Debatte über die Qualität von Recherche und letztlich auch an der Intention der Verantwortlichen. Ich denke an Beiträge über Amazon, Zalando oder Burger King u.v.a.m. Alle wurden im Nachhinein sehr kontrovers diskutiert.

Natürlich ist das im Prinzip zu begrüßen. Nichts wäre schlimmer als unkritisch alles aufzunehmen und genauso zu reflektieren, wie der „Sender“ es mit seinem Beitrag beabsichtigt hatte. Die Vorgänge sind sehr komplex und die Interessenlagen aller Beteiligten oftmals zu intransparent.

Vertrauen würde helfen. Aber wie kann solches Vertrauen in der heutigen Medienwelt noch erworben werden? Die „Tagesschau“ und „Heute“ sind vielgesehene Nachrichtensendungen. Die Leute gucken mehrheitlich diese Nachrichten. Sie entscheiden sich also bewusst gegen die Angebote der privaten und für die der Öffentlich Rechtlichen Sender. Dennoch wird die Kritik an den Tagesthemen und am Heute Journal für meine Begriffe immer lauter. Vielleicht liegt es daran, dass bei den beiden letztgenannten Sendungen deutlich mehr Meinungen und Kommentare im Fokus stehen als es bei der „Tagesschau“ oder „Heute“ der Fall ist. Aber wir wissen, dass nach neuen Konzepten der Nachrichtenvermittlung gesucht wird. Die genannten Nachrichtensendungen sind im internationalen Maßstab wohl alles andere als „modern“. Was auch immer das für die Qualität der Informationen bedeuten könnte.

Die Wettbewerbssituation für TV-Sender und Medien im Allgemeinen hat sich durch das Internet dramatisch verändert – eine Binsenweisheit. Dass sich durch diese Veränderung allerdings vielleicht auch automatisch eine Verschlechterung der Qualität der verschiedenen Angebote eingestellt haben dürfte, wird nur selten thematisiert. Wettbewerb kann positiv, leider aber auch negativ wirken.

Nachrichten sind ein Geschäft. Das Spielfeld für dieses Geschäft haben viele neue Spieler betreten. Die Regeln haben sich verändert. „Nichts ist älter als die Zeitung von gestern“. Der Spruch ist uralt aber er gilt. Und zwar unter verschärften Bedingungen. Schnelligkeit – darum geht es im Nachrichtengeschäft vor allem – geht unter den gegebenen Voraussetzungen irgendwann leider zu Lasten der Qualität. Vielleicht ist dies das Hauptproblem? 

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About the Author

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 65 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

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