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Sprichst du auch kein Englisch?

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Versteht mich bitte nicht falsch. Ich will euch hier nicht die Ohren volljammern. Aber ich möchte das einfach mal los werden. Es hat weniger mit dem Bloggen zu tun als mit meinem Berufsleben. Oder – wenn ich es so recht bedenke, eigentlich hat es mit vielem zu tun. Auch mit dem Bloggen.

Ich (60) gehöre zu einer Spezies, die etwas Dinoartiges hat. Übrigens nicht nur, weil man uns die Rente nicht gönnt. Ich spreche keine Fremdsprache. Nicht mal Englisch. Seit die Globalisierung Anfang der 1990er Jahre richtig losging, war abzusehen, dass man in vielen Berufen ohne Englisch nicht mehr weit kommen würde.

Die immer wieder festzustellende Differenz zwischen unseren Einsichten in gewisse Notwendigkeiten und der Fähigkeit, diesen Einsichten Taten folgen zu lassen, hat manchmal absurde Züge. Ich habe es jedenfalls einmal versucht und nach der Arbeit einen Anfängerkurs bei der Volkshochschule besucht. Es blieb beim Versuch. Nach wenigen Kurs-Abenden dachte ich, dass ich vielleicht zuerst noch mal einen Deutschkurs belegen sollte. (Bitte jetzt keine blöden Sprüche!). So dämlich habe ich mich angestellt. So viel also zum „lebenslangen Lernen„. Es gibt zum Glück auch klügere Menschen als mich.

Wer eine Fremdsprache lernt, zieht den Hut vor einer anderen Nation.
Martin Kessel (1901-90), dt. Schriftsteller, 1954 Georg-Büchner-Preis

Im Beruf war es nicht nötig, mich mit der englischen Sprache auseinanderzusetzen. In den Betrieben, in denen ich gearbeitet habe, war Englisch nicht erforderlich. Der deutsche Markt wurde bearbeitet und höchstens das direkt benachbarte Ausland. Da kam man mit Deutsch zurecht. Inzwischen (seit 7 Jahren) sieht das etwas anders aus. Das Unternehmen arbeitet weltweit. Meine Zuständigkeit wurde sozusagen ausgedehnt. Von Deutschland und der D-A-CH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz)  zum „Rest der Welt“. Das sind mehr als 70 Länder. Ohne Englisch geht da gar nichts. Und jetzt?

Außerdem bin ich viel im Internet unterwegs. Im Wesentlichen bin ich dabei (leider) auf deutschsprachige Seiten angewiesen. Es sei denn, ich würde mich mit den immer noch etwas lückenhaften Übersetzungsprogrammen zufrieden geben. Je komplexer die Texte, desto kleiner ist die Chance, dass ich dieses Kauderwelch verstehe. Wenn es dabei um technische Termini geht ist ganz schnell Schluss.

Vor einiger Zeit sollte ich meinen Chef (Vertriebschef National und International) bei einer Sitzung vertreten (ca. 35-40 Teilnehmer), um etwaige Fragen zur Umsatzentwicklung zu beantworten. Kein Problem – so weit. Ich war pünktlich dort und gut vorbereitet. Zu diesem Zeitpunkt wusst ich noch nicht, dass die Sitzung in englischer Sprache (ohne Dolmetscher) ablaufen würde. Die Blöße wollte ich mir nicht geben. Ich habe den Raum unauffällig wieder verlassen und mich bei meinem Chef für mein Fernbleiben entschuldigt. Zum Glück lag nichts Wichtiges an. Das hätte sonst vielleicht unangenehm für mich werden können.

Ich erinnere mich an ein Vorstellungsgespräch, bei dem ein Personaler auf meine Fremdsprachenkenntnisse zu sprechen kam. Ich antwortete wahrheitsgemäß, dass ich nicht über Fremdsprachenkenntnisse verfügen würde. Er lächelte und meinte: „Was glauben sie, wie viele Leute behaupten Englisch zu können und in Wahrheit kaum etwas verstehen und noch viel weniger sprechen“. Er war wohl nicht so richtig von meiner Aussage überzeugt und dachte vielleicht, ich wolle tiefstapeln. Ich wurde eingestellt. Englisch habe ich nicht gebraucht.

Wie geht euch das? Seid ihr auf Englisch in eurem Job angewiesen oder wie schlagt ihr euch mit gewissen Mängel, sollte es sie denn überhaupt geben, so durchs Leben? Mich beschäftigt mein Defizit heute sehr viel mehr als früher. Nicht nur, weil die Bedeutung im Beruf zugenommen hat, sondern weil mir sehr viele Informationsquellen im Internet verschlossen bleiben. Das nervt richtig.





Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

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