Was, wenn Satire nicht entlarvt sondern billig entblößt?

Ein Leit­ar­ti­kel in der Weih­nachts­aus­ga­be des Köl­ner Stadt-Anzei­gers befasst sich mit dem Ver­hält­nis von Medi­en und Öffent­lich­keit zu Weihnachten.

Der Autor, Joa­chim Frank, sprach davon, wie ent­schei­dend das Ver­trau­en der Leser in all die Infor­ma­tio­nen ist, die uns über die ver­schie­dens­ten Medi­en in der heu­ti­gen Zeit errei­chen. So eigen­ar­tig es anmu­tet, dass bei uns Putin für vie­le Leu­te als Garant der Objek­ti­vi­tät dar­ge­stellt wird, so umfas­send ist die exis­tie­ren­de Glaubwürdigkeitskrise.

Wir erle­ben, wie die glei­chen Medi­en den us-ame­ri­ka­ni­schen Anti-Ter­ror­kampf viel zu unkri­tisch beglei­tet und sogar unter­stützt haben und zuletzt durch die Ver­öf­fent­li­chung der CIA – Fol­ter­prak­ti­ken voll­ends als Pro­pa­gan­da-Vasal­len der Ame­ri­ka­ner über­führt wurden.

Vertrauenskrise

Ob man wirk­lich davon spre­chen kann, dass das Ver­sa­gen Ein­zel­ner in die­ser rie­si­gen Maschi­ne­rie zu der umfas­sen­den Ver­trau­ens­kri­se geführt hat? Frank spricht in sei­nem Arti­kel davon, dass jeder ernst­haf­te Jour­na­list beschämt wer­de durch «ober­fläch­li­che, schlam­pi­ge Recher­che». Er sieht als eine der ele­men­ta­ren Vor­aus­set­zun­gen für die Rück­ge­win­nung eines erfor­der­li­chen Ver­trau­ens­vor­schus­ses den «Ver­zicht auf Recht­ha­be­rei und Besserwisserei».

Ich erin­ne­re mich an die Reak­tio­nen, als ARD-Aktu­ell Chef, Dr. Gniff­ke, im Tages­schau-Blog jour­na­lis­ti­sche Fehl­leis­tun­gen in der Ukrai­ne – Bericht­erstat­tung ein­ge­räum­te. Das war den Aus- Prin­zip-alles-Kri­ti­sie­ren­den aber ganz und gar nicht nicht aus­rei­chend! Sie lan­de­ten wei­ter­hin ihre Tief­schlä­ge gegen die Redak­ti­on der Tages­schau und – was die Sache so beson­ders gemacht hat – gegen ein­zel­ne Journalisten.

Hassblogs im Internet

Gewis­se Hass­blogs im Inter­net stell­ten inzwi­schen Umfra­gen ins Netz – Titel: «Die Maul­hu­re des Jah­res». Es ste­hen erschei­nen vie­le bekann­te und weni­ger bekann­te Jour­na­lis­ten zur Aus­wahl. Nahe­zug unver­meid­lich scheint da die Tat­sa­che, dass die seit Mona­ten für die ARD aus der Ukrai­nie berich­ten­de Jour­na­lis­tin Golineh Atai in die­ser «Auf­zäh­lung» die Top-Posi­ti­on ein­nimmt. Die schrei­ben also nicht nur über die angeb­li­che Pro­pa­gan­da unse­rer Medi­en, sie wis­sen selbst sehr gut, wie Pro­pa­gan­da geht.

Golineh Atai wur­de übri­gens gera­de zur Jour­na­lis­tin des Jah­res gewählt. Dabei geht es um „her­aus­ra­gen­de Bericht­erstat­tung in der seit über einem Jahr andau­ern­den Debat­te über die Ukrai­ne-Kri­se“. Das sehen Hass­blogs wie der erwähn­te offen­bar aber völ­lig anders. Und als ver­trau­ens­bil­den­de Maß­nah­me im Sin­ne von Herrn Frank wird das nicht interpretiert.

Comedy-Inflation

Einen inter­es­san­ten Aspekt im erwähn­ten Arti­kel möch­te ich hier noch anspre­chen. Ich zitier­te Herrn Frank:

Teil der Selbst­kri­tik soll­te die Infla­ti­on von Come­dy­for­ma­ten sein, die jeden der Lächer­lich­keit preis­ge­ben und dabei weni­ger sati­risch ent­lar­ven als bil­lig entblößen.

Ja, das emp­fin­de ich auch oft so. Nicht, dass mich die «Heu­te Show» oder ande­re Sen­dun­gen nicht auch bes­tens unter­hal­ten wür­den, die Fra­ge ist nur, ob die ange­spro­che­ne Infla­ti­on nicht einen mas­si­ven Ein­fluss auf den Anse­hens­ver­lust vie­ler Men­schen und Insti­tu­tio­nen hat und ob das ein paar Lacher wert ist.

Das war mein The­ma in die­sem Jahr (Ver­trau­ens­ver­lust ganz all­ge­mein) und ich sehe nicht, dass sich an die­sem Punkt irgend­et­was zum Bes­se­ren ver­än­dern wür­de. Dazu müss­te man wenigs­tens halb­wegs unvor­ein­ge­nom­men ein­an­der zuhö­ren und die Argu­ment des Ande­ren ach­ten. Dazu nei­gen wir lei­der aber über­haupt nicht.

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Horst Schulte
Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 67 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo.

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