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IWF-Chefökonom Blanchard hat «gerechnet» und Telepolis interpretiert

Olivier Blanchard, der Chefökonom des IWF, soll lt. Telepolis erklärt haben, dass zwei Drittel der «Rettungsgelder» an internationale Gläubiger gegangen wären. Vielleicht zählt Telepolis ebenfalls zur Lügenpresse. …

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Olivier Blanchard, der Chefökonom des IWF, soll lt. Telepolis erklärt haben, dass zwei Drittel der «Rettungsgelder» an internationale Gläubiger gegangen wären.

Vielleicht zählt Telepolis ebenfalls zur Lügenpresse. Jedenfalls kommt mir die Schlussfolgerung, die dort aus der von mir hier markierten Textstelle herausgelesen wird -gelinde ausgedrückt-, ein wenig interpretiert vor.

Kritikpunkt 2: Die Finanzhilfe für Griechenland wurde zur Bezahlung ausländischer Banken genutzt.

Die Umschuldung wurde um zwei Jahre hinausgeschoben. Dafür gab es Gründe, namentlich Besorgnis über eine Ansteckungsgefahr (Lehman war noch frisch im Gedächtnis) und das Fehlen von Mechanismen zur Abwehr einer eventuellen Ansteckung. Über die Triftigkeit dieser Gründe lässt sich streiten. In Echtzeit wurden die Risiken als zu hoch empfunden, um die Umschuldung durchzuführen.

Nicht zuletzt wegen dieser Verzögerung wurde ein erheblicher Teil der Mittel im ersten Programm zur Bedienung kurzfristiger Schulden und zur Übernahme privater Schulden durch die öffentliche Hand genutzt.

Diese Hilfsmaßnahme kam aber nicht nur ausländischen Banken, sondern auch griechischen Einlegern und Haushalten zugute, da ein Drittel der Schulden von griechischen Banken und anderen Finanzinstitutionen Griechenlands gehalten wurde.  Zudem waren private Gläubiger nicht aus dem Schneider und 2012 wurden die Schulden erheblich gesenkt:

Die Operation im Jahr 2012 unter Beteiligung des  Privatsektors führte zu einem Sicherheitsabschlag von mehr als 50 % auf rund 200 Mrd. Euro privat gehaltener Schulden; dadurch wurden die Schulden um mehr als 100 Mrd. Euro gesenkt (um genau zu sein: 10.000 Euro weniger Schulden pro griechischem Bürger).

Die Umschuldung von privaten auf öffentliche Gläubiger brachte schließlich weitaus bessere Konditionen mit sich, namentlich Zinssätze unter Marktniveau und lange Laufzeiten.

Betrachten wir die Sache so: Die Zinszahlungen in bar auf die Schulden Griechenlands beliefen sich im vergangenen Jahr auf 6 Mrd. Euro (3,2 % des BIP), während es 2009 noch 12 Mrd. Euro waren. Oder noch anders ausgedrückt: Die Zinszahlungen Griechenlands waren im Verhältnis zum BIP niedriger als die Zinszahlungen von Portugal, Irland oder Italien.Quelle: 070915g.pdf | LINK

Telepolis formt eine eigene Realität und verkauft dies entsprechend effektheischend:

Ohne es vermutlich zu wollen, macht er nun aber öffentlich, dass man es vor allem mit einer umfassenden getarnten Bankenrettung zu tun hatte, wie auch frühzeitig kritisiert wurde. | Quelle

[easy-tweet tweet=»2/3 der öffentlichen Kredite dienten bis dahin also offenbar der Finanzierung der Kapitalflucht – Sinn, Ifo»][x_gap size=»1.313em»]

Eine einfach Substraktion und schon hat man die Wahrheit?! Blanchard offenbart hier eine von Telepolis konstruierte Wahrheit über die Verteilung der europäischen Hilfsgelder.

Ich empfehle einen Blick auf die Analyse des Ifo-Instituts, die ich hier kürzlich behandelt habe und verweise auf Prof. Sinns diesbezügliche Aussage (s.oben).

Jeder lies also die ohnehin etwas komplexen Informationen auf die ihm genehme Weise. Vermutlich bin ich da auch keine Ausnahme. Aber in diesem Fall setze ich ehrlich gesagt, auf die umfangreiche Analyse des Ifo-Institutes und stimme nicht in den Kanon mit ein, der – wie die Platzierung des Artikels bei Rivva zeigt – entsprechend viele Abnehmer des Telepolis-Artikels gefunden zu haben scheint.

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Horst Schulte
Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

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