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Aiman Mazyek, der ungeliebte Funktionär

Nach den sexuellen Übergriffen in Köln gab es eine Reihe von Talkshows zu diesem Thema. Zum Beispiel bei Maischberger, ARD am 13. Januar ds.Js. Dabei war u.a. Aiman Mazyek …

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Nach den sexuellen Übergriffen in Köln gab es eine Reihe von Talkshows zu diesem Thema. Zum Beispiel bei Maischberger, ARD am 13. Januar ds.Js. Dabei war u.a. Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime.

In dieser Sendung gab es von Mazyek eine Aussage, die in rechten Kreisen für Furore gesorgt hat. Als er auf die Website Islam.de angesprochen wurde, hätte Mazyek angeblich behauptet, der Zentralrat der Muslime habe nichts mit dieser Seite zu tun. Tatsächlich gesagt hatte Mazyek aber etwas anderes: «Das ist nicht unsere Seite, unsere Website ist Zentralrat.de«. Dies wiederholte er auch, nachdem die Seite Islammarkt.de ins Spiel gebracht wurde. Er wies wiederholt die anwesende Emma-Redakteurin, Chantal Louis, darauf hin, dass sie da wohl etwas «verwechsle».

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Jeder kann auf der Website des Zentralrates der Muslime sehen, dass es einen offensichtlichen Zusammenhang mit Islam.de. Dieser Screenshot ist von heute und zeigt den oberen Teil der Startseite.

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Suche bei Zentralrat.de

Mir ist aufgefallen, dass die Suchfunktion der Website Zentralrat.de Ergebnisse von und vor allem auf Islam.de präsentiert. Die Suche verzweigt also auf Islam.de.

Es ist nicht auszuschließen, dass es sich um eine Änderung handelt, die in den letzten Monaten (also nach dieser Talkshow aus dem Januar 2016) durchgeführt wurde. Ein weiterer Punkt ist, dass die Denic – Informationen zu Islam.de schon damals den Zentralrat der Muslime bzw. Herrn Mazyek auswies.

Es war für alle Investigativen, die immer nach Haaren in der Suppe suchen, insbesondere dann, wenn es um Muslime und ganz speziell um Herrn Mazyek geht, sehr leicht, fündig zu werden. Das könnte wohl auch Herr Mazyek gewusst haben!

Suchergebnis bei Islam.de
Suchergebnis bei Islam.de

Ich liege bestimmt nicht falsch, wenn ich unterstelle, dass Herr Mazyek in Deutschland wegen seiner Aufgabe als Verteidiger der Muslime, nicht sehr beliebt ist. Sein Verband vertritt nur ca. 10.000 Mitglieder, so dass auch die Muslime vielleicht Vorbehalte haben werden. Generell ist mein Eindruck der, dass jeder Muslim, der selbstbewusst und klar auftritt, wie Herr Mazyek das zu tun pflegt, es in Deutschland verflucht schwer hat. Mazyek ist Deutscher, aber ein Elternteil ist syrisch. Das reicht vielen für die «richtige» Einordnung. Und südländisch sieht der Mann auch noch aus. Wehe, ein Türke, ein Muslim oder ein anderer Südländer erlaubt es sich, öffentlich Kritik zu üben. Womöglich an dem, was wir Biodeutsche als Willkommenskultur oder vielleicht – allgemeiner gesagt – als Integrationsleistung bezeichnen. Das kommt nicht gut – gegenwärtig schon mal gar nicht. Und zwar nicht nur bei den Rechten.

Es war schon im Dezember klar

Im Cache von Dezember 2015 habe ich nachgesehen, ob der Hinweis auf Islam.de bei Zentralrat.de ebenfalls schon zu sehen war. Er war es!

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Cache-Version vom Dezember 2015

Spätestens jetzt müsste sich jeder eigentlich fragen, weshalb Mazyek an dieser Stelle denn gelogen haben sollte. Schließlich waren die Zusammenhänge zwischen den Websites Zentralrat.de und Islam.de damals wie heute jedem Besucher der Website Zentralrat.de offensichtlich. Man musste nicht mal investigativ die Denic-Seite bemühen, um diese Zusammenhänge zu erkennen. Mazyek wies korrekterweise darauf hin, dass Islam.de nicht die Website des Zentralrates ist. Aber das wollten damals einige nicht verstehen.

Islam.de war immer ein Projekt des Zentralrates. Aber eben nicht die Website des Zentralrates. Das und nichts anderes hat Herr Mazyek damals gesagt.

***

Neben einigen rechten Blogs sowie Einträgen auf ultrarechten Facebook-Seiten zu dieser vermeintlichen Lügengeschichte hat sich, soweit ich feststellen konnte, ein Autor dieser Sache angenommen, dessen Tonfall auf mich irritierend gewirkt hat.

Am 15.01. stellte Herr Mimoun Azizi auf der Website Lokalkompass.de einen Beitrag mit dem Titel: «Was nun, Herr Mazyek» ein. Herr Azizi beginnt seinen Text mit Vorwürfen an den Zentralrat der Muslime, die ich zum Teil durchaus nachvollziehen kann.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland hat über Jahre gezeigt, dass er den gesellschaftlichen Herausforderungen nicht gewachsen ist. Keine Ideen, keine Konzepte. Er existiert halt! Es wird an der Zeit, dass die Rolle dieser Verbände in der deutschen Gesellschaft offen und ehrlich diskutiert wird. Von der Bundesregierung und von den Länderregierungen wurden sie akzeptiert, weil sie keine anderen Ansprechspartner hatten, das hat sich inzwischen geändert- wir sind da- hier aufgewachsen, hier ausgebildet, demokratisch und kompetent mit Konzepten und Ideen.Quelle: Was nun, Herr Mazyek? – Hagen – lokalkompass.de | LINK

Quelle: Was nun, Herr Mazyek? – Hagen – lokalkompass.de | LINK

Er hält dem Zentralrat der Muslime ferner fragwürdige Verbindungen zu Personen wie dem islamistischen Prediger Qaradawi vor und kommt zum Schluss seines Artikels auf den Vorgang bei «Maischberger» zurück. Er schreibt:

Aiman Mazyek (Vorsitzender des Zentralrats der Muslime – ZMD) lügt am 13.1.2016 vor laufenden Kameras in der ARD Sendung «Maischberger». Auf die Frage der Emma-Redakteurin Chantal Louis, ob die Website >> islam.de > Diese Aussage ist eine Lüge! Als Frau Maischberger die Frage ergänzt, gibt Mazyek zu, dass er der Gründer dieser Seite war. Fakt ist aber, dass die Seite >> islam.de. als Haupt Promotion-Seite für den ZMD agiert, ein offizielles Projekt des ZMD ist (was auf der Seite auch selber nachzulesen ist) und sich als Sprachrohr aller ZMD-Mitglieder darstellt. Darüber hinaus ist der ZMD und Mazyek selber Domain-Inhaber von Islam.de. Somit ist Aiman Mazyek der Lüge überführt. Die Frage stellt sich jetzt natürlich, warum Mazyek abstreitet, dass islam.de zum ZMD gehört. Die Begründung dürfte sein, dass Mazyek sehr wohl weiß, dass demokratiefeindliche Inhalte auf islam.de publiziert wurden und werden.Quelle: Was nun, Herr Mazyek? – Hagen – lokalkompass.de | LINK

Quelle: Was nun, Herr Mazyek? – Hagen – lokalkompass.de | LINK

Mimoun Azizi taucht heute zum zweiten Mal als Gastautor bei meinem Lieblingsfeindblog «Tichys Einblick» auf. Auch sein erster Beitrag befasste sich kritisch mit dem Versagen der Islamverbände in Deutschland.

Herr Azizi wiederholt in seinem aktuellen Beitrag bei Tichy die Lügenvorwürfe, die er schon im Januar 2016 erhoben hatte:

Aiman Mazyek ist auch derjenige, der ohne rot zu werden, bei Sandra Maischberger zuerst und vehement bestritten hat, dass er der Gründer der Seite Islam.de sei, um in der Sendung, nachdem er keinen Ausweg mehr gesehen hat, zuzugeben, dass er doch der Gründer dieser Seite ist und sich im Besitz der Domain befindet. Warum fällt es ihm so schwer zuzugeben, dass diese Seite ihm gehört? Darf man das Trickbetrug nennen?Quelle: Gabriel, Mazyek und die Roßtäuscherei der Muslimverbände – Tichys Einblick | LINK

Quelle: Gabriel, Mazyek und die Roßtäuscherei der Muslimverbände – Tichys Einblick | LINK

Bei Tichy fand Azizi ein warmes Plätzchen, vermutlich weil er als Muslim nicht nur dem vielleicht unbeliebtesten Muslim Deutschlands einen «vor den Latz» knall und sich das in diesen Zeiten für Rechte ganz besonders gut macht, sondern im gleichen Aufwisch den geneigten Lesern dieses Blogs huldigte, in dem er eine volle Breitseite gegen Sigmar Gabriel abgefeuert hat. Sigmar Gabriel, so Azizi, habe sich mit einem freundschaftlich verbunden, der nicht auf dem Boden der Demokratie stünde. Azizi behauptet, Mazyek sei kein lupenreiner Demokrat. Starker Tobak.

Und weiter empfahl Azizi Gabriel, seine Freundschaft zu Mazyek zu überdenken. Sowas kommt natürlich super bei Tichys Lesern an. Die Klasse der Kommentare dazu spricht eine klare Sprache.

***

Azizis Kritik am Einfluss der Islamverbände ist wahrscheinlich berechtigt. Denn schließlich werden die meisten der hier lebenden Muslime nicht von diesen vertreten. Seine Forderung, die Landes- und Bundesregierung solle endlich dieser Mehrheit Gehör schenken, ist verständlich aber wohl schwer praktikabel. Wie soll eine so große Gemeinde Gehör finden, wenn es nur einen minimalen Organisationsgrad und deshalb keine hinreichend autorisierten Ansprechpartner gibt? Da wäre er als gebildeter und kluger Mann gefragt. Mit solchen Artikeln wie dem heutigen bei Tichys Einblick schafft er dafür keine Basis.

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Horst Schulte
Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

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