Das UNHCR hat erst 6% des zugesagten Geldes erhalten

Selbst das redliche Bemühen um Lösungen wird Angela Merkel abgesprochen. Neben den Rechten hat sie jetzt auch die Linken am Hals. Mit der Türkei in ihrer momentanen Verfassung darf man keine Vereinbarungen schließen.

Was haben wir zu diesem Thema in den letzten Wochen nicht schon alles gelesen. Alle scheinen sich zwar einig darüber zu sein, dass die Flüchtlingszahlen dringend reduziert werden müssen, einen gangbaren Weg hat aber noch keiner beschrieben.

Die überzeugendste Argumentation gegen die Pläne, die meines Erachtens ohnehin beim nächsten EU-Gipfel scheitern werden, führt der Blogger Don Alphonso auf seinem FAZ-Blog «Deux ex Mashina». Einerseits gefällt es mir nicht, dass er der Kanzlerin quasi in den Rücken fällt, andererseits halte ich von diesen Plänen, von denen man munkelte, dass sie gemeinsam von türkischen, holländischen und deutschen Diplomaten entwickelt wurden, auch nichts.

Nur, dass Don Alphonso die mangelnde Solidarität Deutschlands mit den südeuropäischen Nachbarn, namentlich Italien, anspricht, stört das Gesamtbild seiner Analyse. Wenn die Reaktionen anderer Länder allein damit begründbar wären, müssten wir Europa eigentlich endgültig abhaken. Oder?

Gestern hörte ich in den Nachrichten, dass der UNHCR bisher erst ca. 6 % der zugesagten Gelder für die Versorgung der Flüchtlinge in den großen Lagern der Türkei, Jordaniens und des Libanon erhalten hätte. Ich habe hier schon mehrfach kritisch angesprochen. Es ist völlig unverständlich, dass die Länder (auch Deutschland, das immerhin 250 Mio. Euro gezahlt hat) sich so ignorant verhalten. Die Medien bzw. die gesamte Öffentlichkeit müsste diesbezüglich viel mehr Druck machen. Aber es passiert wenig bis nichts.

Einmal ganz abgesehen davon, was nach den drei Landtagswahlen am Sonntag in Deutschland passieren wird, erwarte ich für die kommenden Monate Klarheit darüber, wie sich die Flüchtlingskrise weiterentwickeln wird.

Die Merkel-Gegner bejubeln die Schließung der Balkanroute, attackieren – wie gesagt – gleichzeitig die Türkeipläne. Meines Erachtens lassen sie völlig außer Acht, dass die Flüchtlinge sich auf der Grundlage aller denkbaren Veränderungen neue Wege suchen werden. Es wird nicht bei der hermetischen Abschottung der Balkan-Staaten bleiben. Die offensichtlich von vielen favorisierte Logik, Grenzanlagen zum Schutz vor Flüchtlingsströmen zu errichten, wird sich als Katastrophe erweisen. Und zwar nicht nur für die Flüchtlinge.

Ich bezeichne die von so vielen als legitime Abschreckung empfundene Verbreitung von Berichten, Fotos und Videobeiträgen über das Leid und Grauen von Flüchtlingen an irgendwelchen Außengrenzen als moralische Bankrotterklärung unserer Gesellschaften.

Mal sehen, wie lange wir selbst die Bilder aushalten. Wenn wir sie künftig überhaupt noch zu sehen bekommen. Denn einerseits verlieren die Medien daran schnell ihr Interesse und wenn die Situation sich in die Türkei verlagern sollte, hat Erdogans rigides Regime schließlich die Grundlagen dafür geschaffen, dass das mit den Berichten und Bildern schnell zu Ende sein wird.

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