Den Titel für diesen Artikel habe ich von Heiko Maas geklaut. Er sagte das in einem heute von „Bild am Sonntag“ veröffentlichten Interview.

Laut ZDF – Politbarometer wollen 70% der Deutschen eine zweite Amtszeit von Bundespräsident Joachim Gauck. Wer viel im Internet unterwegs ist, könnte sich über die überzeugende Zustimmung arg gewundert haben. Die Beliebtheit Gaucks scheint mir im Internet deutlich geringer zu sein. Dafür sprechen nicht nur plakative Aussagen wie #notmypresident, die Gauck von Beginn an begleiteten.

Mein Problem scheint zu sein, dass ich dazu neige, mich viel zu sehr von dem beeinflussen zu lassen, was ich im Internet lese. Eine andere Möglichkeit, die Gaucks Feinde bestimmt in Betracht ziehen, ist, dass die Umfrage getürkt gewesen ist (Systemmedien, Lügenpresse). Das nur mal vorab.

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Der Lieblingsfeind der Rechten

Bundesjustizminister Heiko Maas, der demokratische Lieblingsfeind der völkisch-nationalen Bewegung Deutschlands hat „Bild am Sonntag“ ein Interview gegeben. Da ist was los im Internetz.

Maas spricht das aus, was unser aller Anliegen sein sollte. Seine Gegner fühlen sich vor allem deshalb so sicher in ihren Positionen, weil sie davon überzeugt sind, im Recht zu sein und – was ich schlimm fände – im Namen einer Mehrheit zu sprechen. Der Mehrheit übrigens, die sich im Moment angesichts der schrecklichen Nachrichten aus dem Mittelmeerraum merkwürdig still verhält.

Wenn so viele Leute unsere Demokratie und ihre Institutionen nicht nur infrage stellen, sondern Menschen, die anders denken oder anders aussehen, mit Hass und Ablehnung überziehen, dürfen wir uns nicht länger zurücknehmen. Wir müssen Flagge zeigen!

Verteidigen wir nur Leute, die uns sympathisch sind?

Niemand, auch nicht Maas oder Özdemir müssen Sympathieträger sein, damit wir sie gegen diese Attacken verteidigen, denn auch Menschen, mit denen wir politisch nicht übereinstimmen oder mit denen wir uns nicht identifizieren können, verdienen unsere Solidarität. Das ist eine Frage des Prinzips.

Die Zeiten, in denen das alles unter Pseudonym geschah, sind längst vorbei. Die Mehrheit benutzt mittlerweile ihren richtigen Namen. Viele fühlen sich in ihrer Weltsicht bestätigt, weil sie in den sozialen Netzwerken Gleichgesinnte finden. In dieser vermeintlichen Masse fühlen sie sich dann sicher. Die Hetzer nehmen tatsächlich für sich in Anspruch, für das Volk zu sprechen. Aber sie sind nicht in der Mehrheit.Quelle: ICH HATTE EINE 9-MMPATRONE IM BRIEFKASTEN – Bild am Sonntag – Blendle / Interview mit BJM Heiko Maas | LINK

Maas‘ Interview schlägt im Internet hohe Wellen. Seine Feinde äußern sich in der zu erwartenden Art und Weise. „Die Medien“ stellen dazu den Widerpart. Einzelpersonen, die Maas oder Özdemir verteidigen, sind eher selten zu finden.

Der Maas – Appell

Verpufft Maas‘ mehrfach im Interview vorgetragener Appell an die vermeintlich demokratische Mehrheit: „Wir alle sind gefordert: Wir müssen langsam mal die Gardine zurückziehen, das Fenster aufmachen, Gesicht zeigen und zurückrufen.“?

Bemerkenswert finde ich übrigens, dass nicht wenige, die Drohungen gegen Cem Özdemir nutzen, um die Gewaltdrohungen zu relativieren. Einziger Grund: sie kommen von Türken oder türkischstämmigen Deutschen. Das ist ein Muster. Sobald das Thema besprochen wird, halten sie dagegen. Zum Beispiel auch damit, dass linke Gewalt weniger stark beachtet und verfolgt würde. Solche Relativisierungsversuche, die ich in vielen Blogs finde, stärken rechtsextreme Positionen. Hoffentlich ist das diesen Bloggern immer klar.

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About the Author

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 65 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

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