Gesellschaft   ·  3 Min.

Kinderarmut im doppelten Wortsinn

Wir beklagen Kinderarmut hier in Deutschland. Und das im doppelten Wortsinn. Statistisch kriegt jede Frau bei uns 1,38, in Frankreich sind es 2 Kinder. Obwohl uns …

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Wir beklagen Kinderarmut hier in Deutschland. Und das im doppelten Wortsinn. Statistisch kriegt jede Frau bei uns 1,38, in Frankreich sind es 2 Kinder. Obwohl uns Kinder fehlen und eine demografische Katastrophe die viel diskutierte Folge sein wird, ist heute jedes 7. Kind abhängig von Hartz IV.

Wie kann eine Gesellschaft das zulassen? Vielleicht, weil es zu viele Ausreden gibt, die uns davon abhalten, das Richtige zu tun? Brisante Statistiken können helfen, besitzen sie doch bekanntlich ein hohes Erregungspotenzial. Heute erleben wir ein neues Beispiel. Aber wir wissen auch, dass die Halbwertszeit solcher Hypes immer kürzer wird.

Nach neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes leben in Deutschland mehr als 14% aller Kinder und Jugendlichen von Hartz IV.

Infografik: 14 Prozent der unter 15-Jährigen in Deutschland sind auf Sozialgeld angewiesen | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Natürlich gibt es genügend Leute, die diese Daten in Zweifel ziehen. Mir schweben exponierte Vertreter unserer Eliten, insbesondere des Arbeitgeberlagers, vor, wie beispielsweise den Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft, Herrn Prof. Dr. Michael Hüther, vor. Nun, eine Erklärung zum Sachverhalt und möglichen Lösungen steht schon mal auf der Homepage des IW, obwohl sie inhaltlich nichts aber auch gar nichts Neues zu den aufgeworfenen Fragen aussagt.

Prof. Hüther sieht, was ich ihm seinerzeit sehr übel genommen habe, auch keinen Zusammenhang zwischen der Zunahme der «Tafeln» in Deutschland und der wachsenden Armut im Land. Auch diese Zahl abgetan. Seine Mitarbeiter empfehlen Rezepte, von denen wir nicht wirklich überrascht werden, weil wir sie aus dieser Richtung schon hundertmal gehört haben.

Die Daten aus dem Mikrozensus zeigen, dass Kinder etwas häufiger in Armut leben als der Durchschnitt der Bevölkerung. Allerdings hat sich die Kinderarmutsquote seit dem Jahr 2005 nicht erhöht.Quelle: Armut – Mehr Geld in Bildung stecken | LINK

Alte Zöpfe, um nichts gegen Kinderarmut tun zu müssen

Ja — dann ist ja alles in Ordnung? 😥  😈

Die Lage in den Bundesländern mit hohen Arbeitslosenquoten ist besonders schlecht. In Bremen und Berlin ist jedes 3. Kind betroffen, in Sachsen-Anhalt ist es 1/5. Diese 3 Länder befinden sich unter den Schlusslichtern bei der Arbeitslosenquote. Bayern hat wenig Arbeitslose (3,7%), der Anteil der Kinder, die von Hartz IV leben müssen, beträgt dort «nur» 6,5%.

Es ist zwar richtig, dass Alleinerziehende (42%) und Familien mit mehr als 2 Kindern (25%)  besonders stark betroffen sind, und die Hartz IV – Bezüge für den betroffenen Personenkreis zu erhöhen, ist wahrscheinlich keine gute Idee. So kommen die Menschen nicht aus dem Dilemma heraus.

Womöglich hilft die bessere «Vereinbarkeit von Familie und Beruf»? Bei der großen Gruppe der Alleinerziehenden könnte ich mir das jedenfalls vorstellen. Aber damit wäre den Familien mit mehr als 2 Kindern immer noch nicht geholfen. Frühkindliche Bildung fordert das IW. Bildung kann nicht schaden und für die Zukunft wird sich diese positiv auswirken. Aber kurzfristig hilft eine weitere Intensivierung solcher Maßnahmen nicht, um an der Entwicklung dieser Misere etwas zu verändern.

[symple_highlight color=»blue»]Wir brauchen jetzt Lösungen, die sofort wirksam werden![/symple_highlight]

Erhöhung der Hartz – IV – Sätze für Kinder / gegen Kinderarmut

Das IW kritisiert die Linkspartei dafür, dass sie höhere Hartz-IV-Bezüge fordert. Allerdings ist das eine bequeme und bestimmt  ideologisch begründete Verkürzung der tatsächlichen Forderung der Linkspartei. Nicht der Hartz – IV – Satz soll erhöht werden, sondern die Regelsätze für Kinder von Hartz IV – Empfängern. Das ist etwas anderes? Und wahrscheinlich wirft das neue Fragen auf, die auch rechtlicher Natur sein werden. Aber so etwas müsste man jetzt solange tun, bis andere Maßnahmen greifen.

Dahin gehen, wo Arbeit ist

Dazu gehört auch, die Leute dazu animieren (ohne Verpflichtung!), ihre Wohnorte zu verlassen und dorthin zu gehen, wo Arbeit ist. Ich habe das in meiner eigenen beruflichen Laufbahn ebenfalls so gemacht und auf diese Art die letzten acht Jahre meines Berufslebens einen Arbeitsplatz gehabt, der dazu ordentlich bezahlt wurde. Es braucht mehr Unterstützung der Menschen seitens der Arbeitsagentur, vor allem einzelfallbezogene Lösungen. Vor allem müssen Familien mit mehr als 2 Kindern und Alleinerziehende unbedingt besser unterstützt werden, damit sie ihre Familie und Kinder ordentlich versorgen können.

Wie wäre es, wenn uns, dieser nörgeligen Gesellschaft endlich mal was Neues zu diesem Thema einfiele? Seit Jahren verschlechtern sich die Werte. Immer mehr Kinder sind betroffene. Wir lassen Alleinerziehende, größere Familien und ihre Kinder im Stich.

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!

 

mehr Infos zum Thema:

  1. Kinderarmut: Sozialverbände fordern feste Geldleistung für alle Eltern – Politik – Tagesspiegel | Quelle
  2. Kinderarmut: Es ist Geld da – es wird aber falsch verteilt | Quelle
  3. Kinderarmut – Armut der Kinder | Hartz IV | Unterhalt | Kindergeld | Spenden | Quelle
  4. Wohlfahrtsverbände rufen zur Bekämpfung von Kinderarmut auf | domradio.de | Quelle
  5. Deutscher Kinderschutzbund: Staat gibt viel mehr Geld für die Reichen aus | domradio.de | Quelle
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Horst Schulte
Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

6 Gedanken zu „Kinderarmut im doppelten Wortsinn“

  1. Das Problem ist ja, dass man früher von seiner Arbeit hat leben können und von dem Inhalt der Lohntüte seine Familie auch als einfacher Arbeiter ernähren konnte. Heute MUSS die Frau mitarbeiten (auch wenn sie das gar nicht vorhat und auch wenn die Kinderbetreuung in Deutschland immer noch recht unzureichend ist) und dass die Leute nach Feierabend noch einen 2. Job haben, ist keine Seltenheit mehr.
    Da muss man sich nicht wundern, wenn die Geburtenzahlen sinken und andererseits immer mehr Kinder in Armut leben.
    LG Sabienes

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    • Ich frage mich auch, ob wir diese Selbstverständlichkeit irgendwann einmal wieder herstellen können. Einerseits freuen wir uns seit Jahren über sinkende Arbeitslosenzahlen, andererseits scheinen uns die Begleitumstände (Billiglohnbereich) kaum zu kümmern. Jedenfalls wirkt es so. Noch in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts 🙂 konnte eine Frau, wenn der Mann einen einigermaßen guten Job hatte, zu Hause bleiben – wenn sie es denn wollte. Freunde von uns haben das so gehalten und ihrem Kind hat das gewiss nicht geschadet. Aber das klingt heute reaktionär.
      Mir kommt es ein bisschen so vor, als hätte unsere Gesellschaft sich mit den Zuständen abgefunden. Dabei sind erschreckend viele Leute direkt davon betroffen.
      Am meisten stören mich die «Zwischenrufe» derjenigen, die im Auftrag der Arbeitgeber Stimmung gegen alles machen, was an den Zuständen etwas ändern könnte.
      VG Horst

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  2. Wenn ich ein Kind bekommen würde, könnte mein Freund alleine kaum noch für uns aufkommen, weil die Miete so hoch ist. Autos um dann schnell und gut zur Arbeit zu kommen müssten wir verkaufen (unser größtes Hobby und unsere größten Kostenfaktoren), Bahnfahren ist in Stuttgart auch nicht billig. Internet gehört halt heutzutage dazu, Strom brauchen wir, Essen auch. Also haben wir eben keine Kinder. Und wenn doch mal welche kommen, wird er zu Hause bleiben müssen, weil ich mehr verdiene. Da verstehe ich andere auch sehr gut, die keine Kinder mehr wollen, weil sie eben nicht von H4 leben wollen und ihren Kindern etwas bieten wollen, das über gebrauchte Kleidung hinaus geht.

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    • Selbst Leute, die studiert haben und von daher ein etwas höheres Einkommen haben, kennen das Problem. Es war immer so, dass junge Leute deutlich weniger verdienen als ältere. Daran sollte man endlich auch etwas ändern. Schließlich brauchen junge Familien mit Kindern mehr Geld als ältere. Das sage ich als 62jähriger.

      Die Löhne und Gehälter in deiner Heimatregion sind doch eigentlich höher als die im Bundesdurchschnitt. Dumm nur, dass die Lebenshaltungskosten ja ebenfalls höher sind. Viele Leute lassen sich zum Glück von den Voraussetzungen nicht abschrecken und bekommen Kinder. Ich bewundere das sehr.

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  3. Nachwuch droht Gehalt auf Hartz-4-Niveau

    Ende der Wohlstands-Ära: Die Jungen werden ärmer als ihre Eltern

    http://www.stern.de/wirtschaft/geld/mckinsey-studie–die-jungen-werden-aermer-als-ihre-eltern-6971346.html

    oder auch ganz lecker: Verarmung als Megatrend – siehe auch: https://www.berlinjournal.biz/verarmung-kinder-aermer-als-eltern/

    Laut Politik müsse man sich «integrieren» (nach Definition der Politik was das denn angeblich sei). Dazu braucht es in der heutigen Zeit üppige Geldmittel, die die meisten Leute, die angeblich «nicht integriert» sind (auch sehr viele Deutsche).

    Auf einen Zusammenhang stieß die britische Soziologin Marii Peskow in der European Social Survey (ESS): Demnach sei die Bereitschaft zur Wohltätigkeit in egalitären Gesellschaften deutlich schwächer ausgeprägt, als in solchen mit großen Einkommensunterschieden. Die Erklärung dafür liege im sozialen Statusgewinn, den Wohlhabende in ungleichen Gesellschaften erfahren würden, wenn sie Schwächere unterstützten. In egalitären Gesellschaften herrsche hingegen das Bewusstsein vor, dass dank des Sozialstaats für die Schwachen schon gesorgt sei.

    Faulheit gilt in den westlichen Industrienationen als Todsünde. Wer nicht täglich flott und adrett zur Arbeit fährt, wer unbezahlte Überstunden verweigert, lieber nachdenkt als malocht oder es gar wagt, mitten in der Woche auch mal bis mittags nichtstuend herumzuliegen, läuft Gefahr, des Schmarotzertums und parasitären Lebens bezichtigt zu werden.

    Nein, stopp: Nur die armen Arbeitslosen fallen in die Schublade »Ballastexistenz«. Millionenerben, Banker- und Industriellenkinder dürfen durchaus lebenslang arbeitslos und faul sein. Sie dürfen andere kommandieren, während sie sich den Bauch auf ihrer Jacht sonnen.

    Früher glaubten viele Menschen an einen Gott. Wie viele heute noch glauben, da oben säße einer, der alles lenke, weiß ich nicht. Das ist auch egal. Gottes ersten Platz hat im modernen Industriezeitalter längst ein anderer eingenommen: Der »heilige Markt«. Der Finanzmarkt. Der Immobilienmarkt. Der Energiemarkt. Der Nahrungsmittelmarkt. Und der Arbeitsmarkt.

    Der Arbeitsmarkt ist, wie der Name schon sagt, zum Vermarkten von Arbeitskraft da. Wer kein Geld und keinen oder nur sehr wenig Besitz hat, verkauft sie. Die Eigentümer der Konzerne konsumieren sie, um daran zu verdienen. Das geht ganz einfach: Sie schöpfen den Mehrwert ab. Sprich: Der Arbeiter bekommt nur einen Teil seiner Arbeit bezahlt. Den Rest verrichtet er für den Gewinn des Unternehmers.

    Arbeit verkaufen, Arbeit konsumieren: So geschieht es seit Beginn der industriellen Revolution. Denn Sklaverei und Leibeigenschaft wurden ja, zumindest auf dem Papier, abgeschafft.

    Solange Furcht vor Strafe, Hoffnung auf Lohn oder der Wunsch dem Über-Ich zu gefallen, menschliches Verhalten bestimmen, ist das wirkliche Gewissen noch gar nicht zur Wort gekommen. (VIKTOR FRANKL)

    Die Todsünde der Intellektuellen ist nicht die Ausarbeitung von Ideen, wie fehlgeleitet sie auch sein mögen, sondern das Verlangen, diese Ideen anderen aufzuzwingen (Paul Johnson)

    Der Teufel hat Gewalt, sich zu verkleiden, in lockende Gestalt… (Shakespeare)

    Das Heimweh nach der Barbarei ist das letzte Wort einer jeden Zivilisation (Cioran)

    Alle Menschen sind klug – die einen vorher, die anderen nachher (Voltaire)

    Die Gefahr ist, dass die Demokratie zur Sicherung der Gerechtigkeit für diese selbst gehalten wird (Frankl)

    Absolute Macht vergiftet Despoten, Monarchen und Demokraten gleichermaßen (John Adams)

    Moral predigen ist leicht, Moral begründen schwer (Schopenhauer)

    Unser Entscheiden reicht weiter als unser Erkennen (Kant)

    Denn mancher hat, aus Furcht zu irren, sich verirrt (Lessing)

    Die Augen gingen ihm über, so oft er trank daraus… (Goethe)

    Immer noch haben die die Welt zur Hölle gemacht, die vorgeben, sie zum Paradies zu machen (Hölderlin)

    So viele Gefühle für die Menschheit, dass keines mehr bleibt für den Menschen (H. Kasper)

    «Die Dummheit von Regierungen sollte niemals unterschätzt werden» (Helmut Schmidt)

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    • Die Kernaussage von McKinsey ist schon allein bemerkenswert. Dass die junge Generation ärmer ist als die ältere. Und das wird wohl der Fall sein. Also erweist sich das Kredo vieler Eltern als überholt, die gesagt haben, dass ihre Kinder es einmal besser haben sollen. Sehr traurig und wohl aus unausweichliches Resultat der so genannte Globalisierung. Schlimm ist, dass es nicht einige Globalisierungsverlierer gibt, sondern ganze Generationen davon betroffen zu sein scheinen. Im Süden Europas ganz sicher und wie es bei uns weitergeht, weiß heute auch noch keiner so genau.

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