Meinungsbildung funktioniert ohne jede Medienkompetenz

Wir leben nun schon eine gan­ze Wei­le mit dem Inter­net. Zunächst beton­ten Fach­leu­te gern, dass wir, digi­tal nati­ves aus­ge­nom­men, uns Medi­en­kom­pe­tenz erst noch aneig­nen müss­ten. Wenig später


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Wir leben nun schon eine gan­ze Wei­le mit dem Inter­net. Zunächst beton­ten Fach­leu­te gern, dass wir, digi­tal nati­ves aus­ge­nom­men, uns Medi­en­kom­pe­tenz erst noch aneig­nen müss­ten. Wenig spä­ter erhei­ter­ten Begrif­fe wie #Neu­land die Netz-Republik.

Mir kommt es so vor, als wäre der Begriff Medi­en­kom­pe­tenz so infla­tio­när ver­wen­det wor­den, dass heu­te kaum mehr davon gespro­chen wird.

Statt­des­sen wur­den zahl­rei­che «Infor­ma­ti­ons­an­ge­bo­te» geschaf­fen, die es uns defi­ni­tiv nicht erleich­tern, den Über­blick über das zu behal­ten, was wir frü­her und auch heu­te ver­ein­fa­chend als Nach­rich­ten oder neu­deutsch News bezeich­nen. Ich spre­chend von ver­ein­fa­chend, weil m.E. schon immer ein Stück Mei­nung mit­trans­por­tiert wur­de. Mei­nung des Jour­na­lis­ten, der Redak­ti­on, des Ver­la­ges etc. Auch, wenn das heu­te von vie­len im direk­ten Ver­gleich mit der Vor­in­ter­net­zeit nicht so gese­hen bzw. bestrit­ten wer­den dürf­te. Aber der Wett­be­werbs­druck hat zuge­nom­men. Kon­kur­renz belebt das Geschäft? Das war mal. Heu­te herrscht Ver­drän­gungs­wett­be­werb in gesät­tig­ten Märk­ten. Wir sehen Exis­tenz­kämp­fe und wun­dern uns trotz­dem, dass die­se Aus­wir­kun­gen auf die Qua­li­tät von Nach­rich­ten oder ande­ren Pro­gram­men hat?!

Frü­her™ fühl­ten uns infor­miert; unser Nach­rich­ten­be­darf war gedeckt, wenn wir unse­re Tages­zei­tung gele­sen, auf dem Weg zur Arbeit ein- oder zwei­mal die Nach­rich­ten im Radio gehört und abends je nach Gus­to die Tages­schau oder Heu­te ange­schaut hatten.

Heu­te wer­den wir von «Nach­rich­ten» gera­de­zu pene­triert. Dafür sor­gen Inter­net und mobi­le «End­ge­rä­te». Ich ken­ne Leu­te (Freun­de oder ehe­ma­li­ge Arbeits­kol­le­gen), die ihre TV-Gerä­te abge­schafft haben. Ihre Ent­schei­dun­gen haben sie sehr bewusst getrof­fen. Zum Teil auch ein­fach des­halb, um sich die­sem unüber­sicht­li­chen Ange­bot vor­wie­gend «schlech­ter» Nach­rich­ten zu ent­zie­hen. Dafür habe ich Ver­ständ­nis. Aber für mich käme das nicht infrage.

Ins­be­son­de­re den öffent­lich-recht­li­chen Sen­dern schlägt seit Jah­ren Ableh­nung ent­ge­gen, die sich immer mehr zu stei­gern scheint. Ursprüng­lich ent­stand die­se Ableh­nung durch die Zwangs­ge­büh­ren, die spä­ter – im Ver­lauf der immer hys­te­ri­scher wer­den­den Dis­kus­si­on – unge­schick­ter­wei­se von WDR-Fern­seh­di­rek­tor Jörg Schö­nen­born als Demo­kra­tie­ab­ga­be bezeich­net wur­de. Ich hat­te den Ein­druck, dass allein die­se Äuße­rung dem Lager der Fein­de der Öffent­lich-Recht­li­chen wei­te­ren gro­ßen Zulauf beschert hat.

Der Monats­bei­trag von 17,50 Euro ist vie­len ein Dorn im Auge. Sie argu­men­tie­ren, die Kos­ten für die Pro­gram­me sei­en ent­schie­den zu hoch und die Qua­li­tät der Pro­gram­me sowie­so grot­ten­schlecht. Dane­ben spie­len auch Per­so­nal­ent­schei­dun­gen der Sen­der eine Rol­le (Jauch, Gott­schalk etc.).

Erst nach und nach kamen Zwei­fel an der Neu­tra­li­tät und Objek­ti­vi­tät der dort täti­gen Jour­na­lis­ten hin­zu. Pau­schal wird von einer Nähe der jewei­li­gen Sen­der zu bestimm­ten poli­ti­schen Par­tei­en und zur aktu­el­len Regie­rung unter­stellt. Es sind Web­por­ta­le ent­stan­den, die sich gezielt der Bericht­erstat­tung die­ser Medi­en über kon­kre­te Ereig­nis­se und Regio­nen der Welt widmen.

Watch­blogs gibt es inzwi­schen für vie­le Medi­en und ihre Inhal­te sind durch­aus nicht immer hilf­reich. Gera­de dann nicht, wenn es sich um die Ein­ord­nung von kom­pli­zier­ten Sach­ver­hal­ten handelt.

Posi­tiv ist, dass sich der Kon­su­ment es in der Hand hat, ob er sich die dort ver­tre­te­nen Sicht­wei­sen oder Argu­men­te zuei­gen machen will. Ich ver­fol­ge eini­ge die­ser Inhal­te regel­mä­ßig und bin oft ent­setzt über die Leicht­gläu­big­keit und mehr noch über die Bereit­schaft, «alter­na­ti­ven» Beur­tei­lun­gen von teil­wei­se hoch­kom­ple­xen Zusam­men­hän­gen völ­lig unkri­tisch zu fol­gen. Manch­mal wirkt es so, als lau­fe die Erwar­tungs­hal­tung der Stamm­le­ser­schaft die­ser Ange­bo­te the­ma­tisch-ideo­lo­gisch syn­chron mit den Aus­sa­gen in den Berich­ten. Nach dem Mot­to: ich lese da, weil ich weiß, dass die das schrei­ben, was mei­ner Mei­nung ent­spricht. Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­sche Ansät­ze sind bei­na­he in gewor­den. Viel­leicht ist das die Fol­ge davon, dass wir kein Ver­trau­en mehr in die staat­li­chen Insti­tu­tio­nen haben. Die Medi­en gehö­ren fast geschlos­sen zum Apparat.

Lisa Phänomen

Neh­men wir das aktu­el­le Bei­spiel des 13jährigen rus­sisch­stäm­mi­gen Mäd­chens, das angeb­lich von Flücht­lin­gen ver­ge­wal­tigt wur­de. In Deutsch­land leben 6 Mio. Russ­land­deut­sche. Die­se Men­schen wer­den einen unter­schied­lich engen Bezug zu ihrer ehe­ma­li­gen Hei­mat haben.

Es wird berich­tet, dass vie­le die­ser Leu­te rus­si­schen Medi­en mehr Glau­ben schen­ken als den deutschen.

Ich fin­de, das ist einer­seits bezeich­nend. Auch im Sin­ne des­sen, was ich davor geschrie­ben habe. Ande­rer­seits wäre ich ohne die kon­kre­ten Bele­ge (nicht nur in die­sem einen Fall) nicht auf die Idee gekom­men, dass Men­schen, die Russ­land und die dor­ti­gen aktu­el­len poli­ti­schen Struk­tu­ren wohl gut ken­nen, sich so ein­sei­tig fest­le­gen. Wie kann es sein, dass so vie­le Men­schen hier leben und gleich­zei­tig die­se Ein­stel­lung zu unse­rem Staat haben? War­um soll­ten Russ­land­deut­sche bes­ser über ihr Land den­ken als «Bio­deut­sche»?

Wahrheit und Gerechtigkeit – der 2. und 3. Vorname der russischen Regierung

Rus­si­sche Regie­rungs­mit­glie­der haben sich der desta­bi­li­sie­ren­den Fol­gen der deut­schen Flücht­lings­kri­se bedient und gegen Regie­rung und Behör­den unse­res Lan­des agitiert.

Die­se poli­ti­sche Agi­ta­ti­on ist offen­bar bei vie­len Russ­land­deut­schen auf frucht­ba­ren Boden gefal­len. Ich sehe es so, dass sich die­se Leu­te als Mul­ti­pli­ka­to­ren rus­si­scher Poli­tik in schä­bi­ger Art und Wei­se gegen unser Land – vor allem jedoch gegen unse­re Regie­rung – agie­ren. Mir ist aller­dings klar, dass es in Deutsch­land gegen­wär­tig eine Men­ge von «Bio­deut­schen» gibt, die sol­che Geschich­ten wohl­wol­lend in ihre Agen­da einbauen.

Hier ein Bei­spiel, über das sich jeder sei­ne Gedan­ken machen muss. Ver­sucht mal, die Wahr­heit herauszufinden.

Ohne ein klit­ze­klei­nes Maß an Ver­trau­en gegen­über dem Medi­um eurer Wahl wird das nicht funk­tio­nie­ren. Zudem gilt das alte Latei­ner­wort: «Sem­per ali­quid hae­ret.» – «Es bleibt immer etwas hängen».

 

Es ist eine Masche der Mani­pu­la­ti­on, die in den Lügen­sen­dern ARD und ZDF zur täg­li­chen Arbeit gehört: Inter­views zer­stü­ckeln, Zita­te aus dem Zusam­men­hang rei­ßen und das Gegen­teil des­sen zusam­men­zu­fri­ckeln, was die Inter­view­ten tat­säch­lich gesagt haben. Das ist der Grund, war­um sich vie­le Men­schen mitt­ler­wei­le zu Recht wei­gern, die­ser mit Zwangs­ge­büh­ren finan­zier­ten Lügen­pres­se Inter­views zu geben oder dar­auf bestehen, eige­ne Mit­schnit­te zu machen. Im Inter­view mit der “Jun­gen Welt” sagt nun auch der Anwalt der in Ber­lin mut­maß­lich miss­brauch­ten “Lisa”, dass das ZDF ein Inter­view mit ihm so geschnit­ten hat, dass die Aus­sa­gen in ihr Gegen­teil ver­dreht wur­den. Rus­si­sche Medi­en hin­ge­gen hät­ten ihn unge­schnit­ten und im O‑Ton gesen­det.Quel­le: Anwalt von “Lisa”: Das ZDF hat mei­ne Aus­sa­gen so geschnit­ten, dass sie in ihr Gegen­teil ver­dreht wur­den | Die Pro­pa­gan­da­schau | Kein LINK für die­se Seite! 

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Die­ser merk­wür­di­ge Kom­men­tar bekommt 111 Ster­ne. Von wem wohl? Offen­bar han­delt es sich um Insi­der­infor­ma­tio­nen. Von einem sol­chen Video hört man näm­lich nir­gends etwas. Was dann zwangs­läu­fig bei man­chen Leu­ten in der Aus­sa­ge «Lügen­pres­se» mündet.

Der Vor­fall ereig­ne­te sich im Janu­ar 2016. Im Kom­men­tar ist von Okto­ber 2015 die Rede. Eine ande­re Lisa?

Da weis­se Bescheid.

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Horst Schulte
Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 67 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo.

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