Medien   ·  4 Min.

News Apps, E-Paper oder bedrucktes Papier?

2 Views   ·  1 Kommentar

Manche Jubiläen ziehen zwangsläufig andere Jahrestage nach sich. Meine Frau und ich haben 1976, also vor 40 Jahren geheiratet. Seitdem sind wir Abonnenten des Kölner Stadt-Anzeigers. Während unserer Urlaube haben wir uns die Zeitung entweder nachschicken lassen oder sie für die fragliche Zeit einem Seniorenheim zur … weiterlesen



Manche Jubiläen ziehen zwangsläufig andere Jahrestage nach sich. Meine Frau und ich haben 1976, also vor 40 Jahren geheiratet. Seitdem sind wir Abonnenten des Kölner Stadt-Anzeigers. Während unserer Urlaube haben wir uns die Zeitung entweder nachschicken lassen oder sie für die fragliche Zeit einem Seniorenheim zur Verfügung gestellt. Das machte man früher™ so. Heute, wo Zeitungen schneller ihre Abonnenten verlieren als man gucken kann, mag sich das, wie viele andere Gewohnheiten, geändert haben.

Der Kölner Stadt-Anzeiger kostet alle drei Monate so um die 100 Euro. Das ist viel Geld. Allerdings ist es auch eine feine Sache, im Sommer morgens auf dem Balkon und, wenns auf dem zu kühl ist, im Wohnzimmer oder in der Küche nach einem ausgedehnten Frühstück in aller Ausführlichkeit die Zeitung zu lesen. Außerdem gibt es Orte, deren Abgeschiedenheit die Lektüre einer Tageszeitung geradezu aufdrängen. Wer möchte in diesen ablenkungsintensiven Zeiten schon zu lange allein auf sich und die eigenen Gedanken zurückgeworfen sein?

Bisher habe ich einen Service des Kölner Stadt-Anzeigers zwar selten aber trotzdem gern genutzt – das E-Paper. Auch, wenn es nur dazu diente, alte Artikel noch einmal nachzulesen, weil das Thema gerade aus irgendeinem Grund wieder aktuell wurde. Es war praktisch, die komplette Ausgabe eines beliebigen Datums elektronisch (mit Suchfunktion natürlich) checken zu können. Nicht nur als Blogger kann man das (ab und zu) gut gebrauchen.

***

Heute wollte ich überprüfen, ob die Aussage des Chefredakteurs des Kölner Stadt-Anzeigers, Peter Pauls, zutreffend war. Er schrieb nämlich in seinem Leitartikel über die „Ausflüchte der NRW-Regierung in der Aufklärung der Kölner Silvesternacht“:

Sollte die Landesregierung – wie von ihr behauptet – tatsächlich erst am 4. Januar von den Übergriffen und ihrer Tragweite erfahren haben. Tage also, nachdem in Kölner Zeitungen sowie den sozialen Medien ausführlich davon zu lesen gewesen war – dann ist sie selbst auf beklemmende Weise vom Nachrichtenstrom abgeschnitten. (Peter Pauls, KStA)

Mich stört in diesem Zusammenhang, dass Peter Pauls von Tagen spricht, die zwischen ersten Medienberichten und der Wahrnehmung bei der NRW-Regierung vergangen seien.

Wir erinnern uns: Der 2. Januar 2016 war ein Samstag. Der Kölner Stadt-Anzeiger (Print-Version) selbst berichtete nach meiner Erinnerung selbst erst am Montag, den 4. Januar 2016 über die Geschehnisse.

Die Online-Ausgabe der „Kölnischen Rundschau“ berichtete bereits am 1. Januar 2016, 13:41 Uhr, über die Ereignisse.

Abgesehen von den drastischen Ausnahmen bezeichnete die Polizei die Stimmung als „weitgehend friedlich“. Die Beamten mussten hauptsächlich wegen Körperverletzung (80 Einsätze), Ruhestörung (76) und Sachbeschädigung (20) einschreiten. Die Einsatzzahlen lagen in etwa auf dem Niveau des Vorjahres.Quelle: Unruhige Silvesternacht in Köln: Frauen am Hauptbahnhof belästigt – Beinahe Massenpanik am Dom | Kölnische Rundschau | LINK

Auch die Online-Ausgabe des Kölner Stadt-Anzeigers war schnell mit der ersten Meldung, ebenfalls bereits am 1. Januar 2016, 13:21 Uhr. „Focus Online“ brachte ebenso am 1. Januar 2016 die erste Meldung. Sie erschien um 17:11 Uhr. Die Online-Version des Kölner Express war auch mit einer kurzen Meldung am 1. Januar 2016 zur Stelle.

Samstag, den 2. Januar 2016 um 13.41 Uhr berichtet die Online – Ausgabe des Kölner Stadt-Anzeiger weiteres über die Exzesse. Der Kölner Sonntags-Express berichtete am 3. Januar 2016 ausführlich über den Vorgang.

Halten wir also fest.

Insbesondere die Kölner Zeitungen waren fix mit einer ersten Berichterstattung. Aber man muss auch festhalten, dass die Aussagen substanziell sehr dünn ausfielen. Da die Silvester-Exzesse jedoch in Köln stattfanden, hätte man eigentlich erwarten dürfen, dass die Berichterstattung ausführlicher und genauer ausgefallen wäre. Das war nicht mitnichten der Fall. Die Redakteure hatten wohl auch Silvester und Neujahr gefeiert.

Wenn Peter Pauls in dieser harten Form kritisiert, dass die Landesregierung erst Tage nach den ersten Berichten in den Medien davon erfahren haben will, ist das, freundlich gesagt, wenig seriös formuliert. Die Printversion des Kölner Stadt-Anzeiger hat sich aufgrund des Wochenendes, das auf die Feiertagen direkt folgte, erst am 4. Januar 2016 mit dem Thema beschäftigt. Jedenfalls waren die Hintergründe für die Abonnenten erst an diesem Tag darin zu lesen.

Wieso sollte ich den Verantwortlichen in den Redaktionen die Verzögerung nachsehen, während ich den Repräsentanten staatlicher Institutionen genau dies in Form harter Kritik vorwerfe?

Ich bin schon der Meinung, dass die überregionalen Medien und die Politik spät, vielleicht zu spät, reagiert haben. Dass unsere Medien in das gleiche Horn blasen, wie die üblichen Verdächtigen der Politik Versäumnisse vorhält, mag zu ihren Aufgaben gehören. Ein bisschen ein Geschmäckle hat das schon.

***

Da ich die E-Paper nicht mehr kostenlos lesen kann – ich soll dafür zusätzlich 4,90 Euro im Monat bezahlen! – kann ich nicht prüfen, ob die erste Meldung zur Kölner Silvesternacht, wie ich vermute, wirklich am 4. Januar 2016 in der Printversion des Kölner Stadt-Anzeiger erschienen ist. Aber anders kann es ja eigentlich nicht sein. Es würde mich aufgrund meiner Erfahrung mit dieser Zeitung schon wundern, wenn schon am Samstag, den 2. Januar etwas darüber zu lesen gewesen wäre. Der 4. Januar wäre dann exakt der Tag, an dem auch die NRW-Landesregierung von den Vorfällen erfahren haben will. In dieser Hinsicht stünde es 1:1.

Aber klar: die Politik hat die Verantwortung zu tragen! Ich glaube angesichts der Aussage des Ex-Polizeipräsidenten Albers vor dem Untersuchungsausschuss, dass Landesinnenminister Jäger nun nicht mehr zu halten sein wird.

***

Ich denke darüber nach, mein Abo des Kölner Stadt-Anzeigers nach 40 Jahren zu kündigen.









Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

Ein Gedanke zu „News Apps, E-Paper oder bedrucktes Papier?“

Kommentare sind geschlossen.