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Pressecodex: „Das Vertrauen nicht verspielen“?

Gerade erst hatte ich über die Entscheidung des Presserates geschrieben und nach der Rolle meiner Tageszeitung, des Kölner Stadt-Anzeigers, gefragt. Wie auf Kommando erscheint heute ein Artikel von Chefredakteur Peter Pauls mit dem Titel: „Das Vertrauen nicht verspielen„.

Was damit gemeint ist, wird anhand der insbesondere nach „Köln“ weiter hochgekochten Vorwürfe gegen deutsche Medien nicht erklärt werden müssen (Lügenpresse).

Die Einlassung von Pauls zum Thema schafft in meinen Augen keine Klarheit. Zwar reklamiert er für sich und sein Produkt, dass Vertrauen nicht verspielt werden dürfe und verweist deshalb darauf, dass der Stadt-Anzeiger die Herkunft der Täter genannt hatte. Das tat, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, einen Tag früher schon der Kölner Express (gleicher Verlag).

Dass sich auf dem Bahnhofsvorplatz neben Nordafrikanern auch Männer aus Syrien, Afghanistan und dem Irak aufgehalten haben – Flüchtlinge der jüngeren Vergangenheit – haben Sie zuerst aus dieser Zeitung erfahren.Quelle: Kommentar zum Pressekodex: Das Vertrauen nicht verspielen | Kölner Stadt-Anzeiger | LINK

Die Begründung, die Öffentlichkeit umfassend zu informieren, weil dies eine Verpflichtung für alle Journalisten sei und man überdies Vertrauen nicht verspielen dürfe, klingt nicht wirklich überzeugend. Es verstärkt -jedenfalls für mich- den Eindruck, dass eine gewisse Vorselektion von Information in bestimmten Situationen deshalb angebracht sein kann, weil -um es mit de Maizières Worten zu sagen- die Bevölkerung nicht verunsichert werden soll. Das kann man auch anders sagen, ich lasse das aber.

Zur Klarstellung: Die Wirkung unvollständiger Informationen, also durch das Weglassen der Herkunft von Tätern, wird auf rechte Banausen immer wie eine Provokation wirken. Sie werden solange im Internet recherchieren bis diese Lücke geschlossen ist. Die entsprechenden Beispiele muss ich hier nicht anführen – oder? Pauls sagt: „Journalisten müssen entscheiden, wann Nationalität zu einer Tat gehört und wann nicht.“ Ich finde, das klingt nach Bevormundung der Leser!

Wenn es aber Anlässe dafür gibt, die Nationalität von Tätern zu verschweigen, um rassistische Vorurteile nicht zu schüren, hätte ich dem Kölner Stadt-Anzeiger an der einen oder anderen Stelle einen Vorschlag zu machen: Warum wird bei jeder erdenklichen Schwimmbad-Sexattacke, sei die Meldung an sich noch so klein, nie auf die Nennung der Täterherkunft verzichtet, zumal diese bereits gefasst wurden? Stellen in diesen Fällen die Nationalität oder die Herkunft der Täter einen „begründeten Sachbezug“ dar? Wie bewertet das der einzelne Journalist? Wird es bei diesen nicht unterschiedliche Meinungen zur Frage eines begründeten Sachbezuges geben?

Wahrscheinlich hätte der Presserat doch gut daran getan, die Formulierung entweder verständlicher zu machen oder besser noch ganz wegzulassen.

Von Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 65 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!