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Prinzipientreue Medien

Alles, was die «Stimmung» gegen Merkels Flüchtlingspolitik verschlechtern könnte, wurde und wird von «den deutschen Medien» unterdrückt. So geht ein Narrativ der Rechten.

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Alles, was die «Stimmung» gegen Merkels Flüchtlingspolitik negativ beeinflussen könnte, wurde von «den deutschen Medien» unterdrückt. So ging ein Narrativ der Rechten, dessen sich mancher immer noch bedient.

Mancher macht sich diese Behauptung aus ganz anderen Gründen zu eigen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Inzwischen übt man sich in Selbstkritik, wie es der Chefredakteur der «Zeit», Giovanni di Lorenzo kürzlich getan hat. Seine Zeitung habe zur sehr Partei ergriffen: «Wir haben uns nicht nur zu Beobachtern, sondern auch zu Akteuren dieser „Refugees Welcome“-Bewegung gemacht.»

Wir leben mit unverschämten Beleidigungen, die Rechte, die sie ja nie sein wollen, denen um die Ohren schlagen, die um Verständnis für die Lage der Menschen bitten, die zu uns gekommen sind.

Di Lorenzos «Einsicht» ärgert mich deshalb, weil es überflüssig war, sie jetzt noch zu äußern. Längst klingen nämlich selbst in der «Zeit» differenzierte Töne zum Thema Flüchtlingskrise an. Das hat auch di Lorenzo gesagt. Ähnliches beobachten wir bei den meisten anderen Medien, einschließlich der öffentlich-rechtlichen.

In einem Kommentar zu einem «Übermedien» – Artikel, der sich mit di Lorenzos – Einsichten befasst,  stellte ein Leser zu Recht fest:

Ein Beispiel: um ja nicht in den Verdacht zu geraten, etwas aus politischen Gründen zu verschweigen, wird seit Anfang des Jahres in den meisten Lokalzeitungen bei wirklich jedem noch so lächerlichen Vergehen die Nationalität oder der Migrationshintergrund genannt. Was früher nicht ohne Grund als unzulässige Stigmatisierung betrachtet wurde, ist heute gängige Methode, um sich den Pöbel vom Hals zu halten.Quelle: Einmal «Willkommen!» und zurück: Die «Zeit» und die Flüchtlinge | Übermedien | LINK

Ich habe es für falsch gehalten, dass gemäß dem deutschen Pressekodex die Nationalität oder Herkunft von Tätern nur in Ausnahmefällen genannt werden und sehe, dass alles, was in den letzten Monaten (vor allem seit Köln) passiert ist, bestätigt, dass Offenheit und Transparenz fehlt.

Einordnung darf und soll sein, damit die Leser Orientierungshilfe bekommen. Solche Einordnung muss allerdings so erfolgen, dass sie als solche erkennbar bleibt und nicht als Versuch der Einflussnahme missgedeutet werden kann. Besser noch wäre es, verschiedene Perspektiven zu entwickeln und ihr Für und Wider zu beleuchten. Das wäre guter Journalismus.

Einerseits werden wir in vielen Medien darum gebeten, nicht zu verallgemeinern, andererseits hat sich in den letzten Monaten ein gegenläufiger, oft kritischer Umgang mit dem Thema etabliert. Aber nicht im Sinne meiner Verstellung von verschiedenen Perspektiven der Thematik. Diese Veränderung in der Berichterstattung hat auch bewirkt, dass sich die öffentliche Meinung ins Negative gedreht hat.

Gerade beim Theme Flüchtlinge

Was hat mehr Einfluss auf die Menschen? Medienberichte oder persönliche Erfahrungen? Negative persönliche Erfahrungen mit Flüchtlingen haben aber doch wohl die wenigsten Leute in Deutschland gemacht. Oder?

Ich denke, dass die im Internet verbreiteten Falschmeldungen (Lügen) über Flüchtlinge für die Lage in Deutschland verantwortlich sind. Die Politik hat es versäumt, Perspektiven zu benennen und das plausibel zu erklären, was vor sich geht und welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind. Merkel erklärt nichts. Das ist und bleibt ihr größter Fehler.

Das zu erwartende Wahlergebnis für die AfD, das sich nach dem brandaktuellen Kotau unserer Regierung in Richtung Ankara verbessern könnte (22% + x), beweist die Wirksamkeit von Politik. Hier im negativen Sinn.

In Mecklenburg-Vorpommern leben nicht viele Flüchtlinge. Deshalb ist es unwahrscheinlich, dass die Menschen dort so negative Erfahrungen im Umgang mit Flüchtlingen gemacht haben. Wahrscheinlich ist, dass die latente Fremdenfeindlichkeit dafür verantwortlich ist. Rechte Rattenfänger nehmen diese Tendenz erfolgreich auf und sie verstehen es, diese in ihrem Sinne weiterzuentwickeln.

Di Lorenzos Selbstkritik an der «Willkommenskultur» ist in meinen Augen weniger ehrenhaft als feige.

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Horst Schulte
Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

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