Kurz   ·  5 Min.

Shit happens!? ??Mein Kommentar zu diesem unglaublichen Wahlergebnis in den USA

Wie konnte es dazu kommen? Das hat uns an diesem grauen 9. November grad' noch gefehlt. Donald Trump wird der 45. Präsident der USA. Und …

Lesen Sie mehrShit happens!? ??Mein Kommentar zu diesem unglaublichen Wahlergebnis in den USA

Lesen Sie mehr



Wie konnte es dazu kommen? Das hat uns an diesem grauen 9. November grad' noch gefehlt. Donald Trump wird der 45. Präsident der USA. Und Putin, Le Penn, Wilders, Farage, Orban und Konsorten waren die ersten, die gratuliert haben. Ich glaube, die AfD war auch dabei.

Hauptsache, kein Schwarzer und keine Frau werden Präsident/in! Ob diese Aussage bei der Wahlentscheidung eine Rolle gespielt hat? Das werden wir wohl nicht erfahren. Die Amis haben jedenfalls ihre Gründe gehabt und die europäische Rechte sieht naheliegenderweise Gründe, in diesem Ereignis ein Fanal zu sehen.

Deshalb: Nicht Trump, nicht die USA, Europa sollte uns Sorgen machen.

Volker Kauder (CDU) betonte in seinem Statement zur Wahl die Unterschiede zwischen den USA und Deutschland. Seine Hoffnung besteht darin, dass die Wählerinnen und Wähler erkennen mögen, wie gut es uns wirtschaftlich im Vergleich zu den Vereinigten Staaten gehe. Es ist wie das Pfeifen im Walde. Außerdem stimmt das so nicht. Später dazu mehr.

Trump wird als Chance, als wahrhaftige Alternative wahrgenommen. Die Menschen glauben, ihre Interessen würden vom politischen Establishment und den anderen Eliten weder wahrgenommen noch berücksichtigt. Das ist ein ernster Befund und geht weit über das hinaus, was wir messen und bewerten können. Es sind Gefühle im Spiel. Deshalb wähnen sich viele am Anfang einer postfaktischen Zeitenwende.

Facebook

Mit dem Laden des Beitrags akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Facebook.
Mehr erfahren

Beitrag laden

Chancen nutzen

Wer die Chance auf einen echten Wandel nutzen will, muss bereit dafür sein, hohe Risiken einzugehen. Ob dieser Zusammenhang allen Trump-Wählern bewusst war oder nicht, es steht ein Paradigmenwechsel ins (weiße) Haus. Oder hat Trump auch nur Versprechungen abgegeben, die er ebenso überraschend, wie er gewählt wurde, brechen wird, sobald er einen Fuß ins Weiße Haus gesetzt hat? Wer wollte das ausschließen? Macht korrumpiert viele – auch bessere Menschen als Trump einer zu sein scheint.

In den meisten Wahlberichten, die ich gesehen oder gelesen habe, wurde die wirtschaftliche Lage vieler Amerikaner thematisiert. Es war für mich besonders, wie viele Amerikaner darauf gesetzt haben, dass so genannter Self-made-Millionär oder Businessman Auswege finden wird. Minderheiten (Hispanics in Florida beispielsweise (>23% Bevölkerungsanteil)) wählen den Mann, der die US-Grenze nach Mexiko mit einer hohen Mauer sichern will. Mal sehen, ob Trump solche Ankündigungen angeht und sie tatsächlich realisiert. Über 20% der Menschen in Florida sprechen spanisch. Und dennoch wählen so viele Trump?

Ob er dem überwiegend durch unsere Medien gezeichneten Bild wirklich entspricht, können wir mal dahingestellt sein lassen. Die klassische Karriere vom «Tellerwäsche zum Millionär» hat er jedenfalls nicht hingelegt, denn schließlich erbte er 100 Mio. $ von seinem Vater.

Ob er durch seine Glücksspiel-Geschäfte dieses Vermögen verloren hat oder nicht, spielt wohl keine Rolle. Schließlich kam er durch eine eigene, beliebte und national ausgestrahlte TV-Sendung wieder auf die Füsse und gilt vielen Amerikanern deshalb als Vorbild.

In unseren Breitengrade wäre das unvorstellbar, und ich frage mich manchmal, ob wir diesbezüglich unsere Haltung nicht ändern sollten. Ich meine, statt Neid und übler Nachrede könnte man für persönliche Leistung doch auch Bewunderung übrig haben. Aber ich mache mir keine Illusionen. Das kriegen wir Deutschen nicht hin.

Jedem Tierchen sein Pläsierchen

Die Amerikaner wollten Donald Trump als Präsidenten. Einen Mann, der als Lehrling ins Weiße Haus einziehen wird, dem es ebenso wie den meisten Menschen auf der Welt an politischer Erfahrung mangelt. Was, wenn Trumps Wahl sich als Glücksfall erweist? Ein Beweis dafür, dass die Demokratie in den USA lebt, ist es nur bedingt. Obwohl der Wahlausgang schon als ein solcher gefeiert wird. Kandidat der Republikaner wird niemand, der nicht über enorme Mittel und Einfluss verfügt. Das gilt allerdings für die Demokraten nicht weniger. Die Kandidaten, die für die Präsidentschaftswahl infrage kommen, sind reich und etabliert. Auch Trump gehört natürlich zum Establishment, obwohl er quasi als Kämpfer gegen dieses, zumal das politische, präsentiert und auch wahrgenommen wurde.

In den verbleibenden knapp 2 Monaten wird sich an seinen politischen Fähigkeit kaum viel verbessern lassen. Die Schwächen, die Trump während des Wahlkampfes insbesondere in außenpolitischer Hinsicht offenbarte, haben die Amerikaner nicht abgehalten. Selbst sein rüdes und tölpelhaften Verhalten, das er wieder und wieder bei seinen Auftritten an den Tag gelegt hat, hat ihm nicht geschadet. Politische Korrektheit scheint mehr und mehr aus der Mode zu kommen. Jedenfalls haben seine Ausfälle die Menschen nicht davon abgehalten, ihm ihre Stimmen zu geben.

Allen Peinlichkeiten zum Trotz hat der Mann es vermocht, die Amerikaner für sich einzunehmen. Wie verzweifelt müssen Menschen sein…

Die wirtschaftlichen Verhältnisse sollen für die Amerikaner ausschlaggebend für ihre Wahlentscheidung gewesen sein. Wir haben in Deutschland TV Berichte gesehen, in denen Menschen in bedauernswürdigen Lebensumständen gezeigt wurden. Wir sahen Ghettos, Leute die ihre Arbeit, ihre Häuser, ihre Wohnungen verloren hatten. Obdachtlosigkeit, Verwahrlosung, Kriminalität, Depression – schlimme Bilder.

Wirtschaftliche Entwicklung in den USA

Ist dieses Bild auch 8 Jahre nach der Wirtschaftskrise, die ihren Ursprung in der geplatzten us-amerikanischen Immobilienblase genommen hat, noch richtig? Die Arbeitslosenquote ist inzwischen auch in den Vereinigten Staaten ähnlich niedrig wie bei uns in Deutschland. Und wir haben die zweitniedrigste Arbeitslosigkeit in Europa (nach Tschechien).

Auch in den USA wurde die Transformation zur Dienstleistungsgesellschaft als notwendige Konsequenz der Globalisierung eingeleitet. Damit einher ging eine Deindustrialisierung gewaltigen Ausmaßes. In Europa wissen wir, dass die Entwicklung des Dienstleistungsbereiches ihre Schattenseiten hat. Vor allem, wenn es um stabile und sichere und vor allem auskömmliche Arbeitsverhältnisse geht. Die Armut in den USA grassiert. Wir sehen Parallelen in Europa und Deutschland.

Die Lage in den USA hat sich nach der Finanzkrise 2009 zugespitzt und nur sehr langsam gingen die Arbeitslosenzahlen wieder zurück.

Statistik: USA: Arbeitslosenquote von 2006 bis 2016 | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

4,85 % Arbeitslosenquote in den USA, in Deutschland betrug sie im September 2016 4,1%, in Europa im Durchschnitt 8,5%. Die Griechen liegen mit über 23% ganz weit an der Spitze der traurigen Statistik.

Das Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts der USA beträgt 2016 ca. 2,4%. Unser reales Wachstum liegt seit Jahren unter 2%.

Schaut man sich die Einkommensentwicklung im Vergleich an, muss man sich Fragen, womit die Leute in den Vereinigten Staaten so unzufrieden sind. Bei uns übrigens nicht minder.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von www.google.de zu laden.

Inhalt laden

Auch die Erwerbsquote, die für unsere Verhältnisse sehr hoch ist, liegt in den USA auf gutem Niveau:

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von www.google.de zu laden.

Inhalt laden

Die Langzeitarbeitslosigkeit in den USA liegt weitaus unter dem Niveau Deutschlands:

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von www.google.de zu laden.

Inhalt laden

Sicher wäre es gut gewesen, Trump mit einem/r Gegenkandidaten/in zu konfrontieren, die nicht Hillary Clinton geheißen hätte? Das werden zweifellos viele Demokraten in diesen Stunden gedacht haben.

Trump kann sich zunächst auf eine gute Machtbasis stützen. Die Probleme mit den Mehrheitsverhältnissen in beiden Kammern, die Obama leider während seiner Amtszeit daran gehindert haben, seine politischen Versprechungen umzusetzen, hat Trump – jedenfalls vorerst – nicht. Im Kongress und im Repräsentantenhaus verfügen die Republikaner über die Mehrheit.

Im Januar werden wir erleben, welche Projekte der neue Präsident mit Priorität angehen wird. Für uns Europäer wird sein Wahlsieg wahrscheinlich zunächst einmal bedeuten, dass wir uns weniger auf die Amerikaner verlassen können. Unser Verteidigungshaushalt könnte wesentlich teurer werden als bisher. Vereinbarungen innerhalb der Nato sagen, dass jedes Mitgliedsland 2% seines BIP für Verteidigung ausgeben soll. Daran halten sich die wenigsten Nato-Mitglieder. Griechenland ist übrigens dabei.

Deutschland hat bisher immer um die Hälfte der 2% des BIP (ca. 3 Billionen €) für Verteidigung herumgedümpelt und sich dabei offensichtlich auf die amerikanischen Freude verlassen. Dass wir einen Malus auch in der Entwicklungshilfe verzeichnen sei nur am Rande gewähnt. Wir gehören dennoch zu den großzügigsten Gebern (16 Mrd. € in 2016). In diesem Jahr sind allerdings darin auch die Kosten für die Zurückhaltungsmaßnahmen gegen Flüchtlinge enthalten gewesen. Das Delta zum Zielwert beträgt dennoch fast 5 Mrd. €.


Beim ersten Treffen Merkels mit Trump würde ich gern Mäuschen spielen. Nach allem, was Trump über Deutschland und Merkel in den letzten Monaten von sich gegeben hat, wird er hier vielleicht weniger euphorisch als Obama in Berlin empfangen werden. Wohl nicht nur in rechten Kreisen wird Präsident Obama Negatives nachgesagt. Ich persönlich sehe das anders. Aber Obama ist Vergangenheit. Schauen wir mal, was Trump während seiner Amtszeit tatsächlich in Angriff nimmt und ob er sich wirklich als der große Retter entpuppt, den so viele Amis in ihm sehen.

 


Was andere Blogger über den Wahlausgang in den USA denken:

  • Trump ist Präsident – können wir nun noch in die USA reisen? | Quelle
  • Keine Wahl in den USA › Henning Uhle | Quelle
  • 10 Gründe warum Hillary Clinton besser gewesen wäre als Trump | Quelle
  • Die US-Wahl ist nur ein Märchen – Intellektuelles Weichei | Quelle

[wpwordcount]

0
49 Views






Horst Schulte
Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

Schreibe einen Kommentar


Es werden keine IP-Adressen gespeichert! Sie können, falls Sie dies möchten, auch anonym kommentieren.