Stellt Prof. Rüdiger Safranski Menschenrechte infrage, weil der Druck der Straße zu groß wird?

Die Behandlung der Flüchtlingskrise zum Ende des Interviews (s. Video) hatte mir schon missfallen. Wenn Leute wie Prof. Safranski, die die geistige Elite dieses Landes repräsentieren, schon so missmutig argumentieren, kann das nichts mehr werden.

Heute las ich folgende Sätze, die er in einem Zeitungsinterview zum gleichen Thema gesagt hat:

Deutsche Politiker sprechen dauernd von der Menschenwürde, die unantastbar sei. Man tut so, als sei die Menschenwürde ein allen angeborenes Organ wie Arme oder Beine. Das ist ein naives Menschenbild. Menschenwürde fällt nicht vom Himmel, sondern setzt einen funktionierenden Staat voraus, der sie in seinen Grenzen garantieren kann. Und dann muss man sich die Frage stellen: Wie kann man dieses Staatsgebilde erhalten? Das gelingt nur mit sehr strikten Regeln, sonst verliert der Staat seine integrierende, die Menschenrechte garantierende Kraft. Ich habe große Befürchtungen, dass unser Staat diese Kraft verliert, wenn wir in bestimmten Teilen der Gesellschaft eine islamische Mehrheit mit einer völlig anderen Wertvorstellung haben.  Prof. Rüdiger Safranski — Interview TV Hören und Sehen

Ich halte Safranskis Schlussfolgerung, dass grundgesetzlich verankerte Rechte infrage zustellen sind, wenn nur genügend Druck durch gewisse Begleitumstände ausgeübt wird, für fragwürdig.  Dass er sogar soweit geht, die Sarazin-Doktrin unausgesprochen aufzugreifen und sich dessen Szenarium „Deutschland schafft sich ab“ zumindest teilweise zueigen macht, ist sehr schade.

Dabei kann ich nicht umhin, Teilen seiner Analyse zuzustimmen.

Die wohl maßgeblich durch die spezifische historische Erfahrung ausgelöste isolierte Stellung Deutschlands in der Flüchtlingskrise, wird dem humanitären Idealismus zugrunde liegen, den viele uns als blauäugige Naivität vorhalten.

Nur stellt sich für mich dann die Frage: was wird aus einem Land, das seine Ideale beim ersten echten Problem über Bord wirft?

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