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Der Zorn rechter Journalisten

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Ich fand den Zorn in diesem diesem Text von Heribert Seifert in der NZZ zunächst nachvollziehbar. Aber wohl nur deshalb, weil ich zunächst unterstellt hatte, der Artikel stamme von einem Schweizer.  Die Sicht auf Deutschland aus einem neutralen Blickwinkel kann schließlich nie schaden. Ich glaube, dass die Schweizer uns in Sachen Demokratie … weiterlesen



Ich fand den Zorn in diesem diesem Text von Heribert Seifert in der NZZ zunächst nachvollziehbar. Aber wohl nur deshalb, weil ich zunächst unterstellt hatte, der Artikel stamme von einem Schweizer.  Die Sicht auf Deutschland aus einem neutralen Blickwinkel kann schließlich nie schaden. Ich glaube, dass die Schweizer uns in Sachen Demokratie und Meinungsfreiheit ein Stück weit überlegen sind – nicht nur wegen der uns fehlenden Möglichkeiten für Volksabstimmungen.

Aber Seifert ist ein deutscher Journalist, der schon seit Jahren für die NZZ schreibt. Er ist ein rechts-konservativer Meinungsmacher. Er teilt in dieser Eigenschaft den von vielen Informations-Konsumenten beklagten Hang zur Einflussnahme im Journalismus. Sein Jammern über die angebliche linke Meinungsführerschaft mit vielen Mitstreitern ist aus meiner Sicht auch nicht weniger manipulativ als das seiner linken Kolleginnen und Kollegen.

Klare Worte der Rechten

Beim Lesen seines Klageliedes auf die Untugenden des linken Mainstreamjournalismus fiel mir – immer noch in dem schlichten Gedanken verhaftet, der Autor sei ein Schweizer Autor – der Streit im schweizerischen Parlament ein, bei dem sich der Neu-SVP – Abgeordnete Köppel (den ich noch nie leiden konnte) einen Fauxpas gegen die SP – Justizministerin erlaubt hatte.

Das Beispiel zeigt lediglich, dass das Thema Flüchtlingskrise die Schweizer genauso gepackt hat wie die Österreicher und die Deutschen. Solche Eklats kommen in den verschiedensten Konstellationen und auf vielen Problemfeldern sicher in allen Parlamenten vor. Mit der speziellen Art der öffentlichen Auseinandersetzung oder dem „Zustand der öffentlichen Kommunikation“, wie sie Seifert beklagt, hatte das jedenfalls wenig zu tun.

Der Zorn der Rechten

Man schenkt sich nichts. In der Politik waren wir das lange gewöhnt. Wir sagen gern: „Politik ist ein schmutziges Geschäft“. Was so viel heißen soll wie: das ist normal, wie die miteinander umgehen. Wir wissen aber auch, dass manche der politischen Streithanseln nach der Plenardebatte in der Kneipe um die Ecke gemeinsam ein Bier trinken. Man nimmt diese Form der Auseinandersetzung nicht ganz so ernst.

Die Auseinandersetzung in den Medien scheinen wir ernster zu nehmen. Wohl auch deshalb, weil wir über eine lange Zeit glaubten, die Nachrichten im Fernsehen oder Radio und die Artikel in unserer Tageszeitung seien gut recherchiert, halbwegs objektiv und vor allem glaubwürdig.

Das hat sich in den letzten Jahren stark verändert.

Seifert führt in seinem Artikel eine Reihe von Presseartikeln an, auf die es in der Öffentlichkeit viele kontroverse Diskussionen gegeben hat. Es ist mitnichten so, dass die dort geäußerten Meinungen hingenommen wurden. Zu allen Beispielen gibt es „entsprechende“ Reaktionen von rechts und links. Und geschenkt wird sich dabei wenig.

Er beschreibt einen beklagenswerten Zustand. Kommunikative Rüpelleien haben in der Tat stark zugenommen – nicht nur in den sozialen Netzwerken. Obwohl ich persönlich davon überzeugt bin, dass diese dort ihren Ausgangspunkt hatten.

Viele kritisieren die Form der öffentlichen Kommunikation in Deutschland, schreibt Seifert. Aber diese findet – soweit ich es beobachte – auch in anderen deutschsprachigen Ländern statt – natürlich auch in der Schweiz.

Die Rechten setzen wie die Linken (um diese Kategorien zu bemühen) ihre Journalisten-Bataillone ein, um die krassen Verfehlungen der jeweils anderen Lager zu kommentieren. In welcher Art und Weise dies geschieht, erleben wir in diesen Zeiten beinahe tagtäglich.

Motto für alle: Das wird man wohl noch schreiben dürfen

Zu den ganz aktiven rechts-konservativen Journalisten gehört Autor Heribert Seifert, der für die NZZ schreibt ebenso wie für das „libertäre“ Magazin „Eigentümlich frei“. In letzterem haben Politikwissenschaftler inhaltliche und personelle Überschneidungen mit der Neuen Rechten erkannt. (Quelle)

Schon im Jahr 2008 hat der von mir geschätzte Blogger Jochen Hoff über Seiferts rechts-konservative Ansichten geschrieben. In einem Kommentar zu seinem damaligen Beitrag äußerte sich einer der schlimmsten PI-News-Autoren, der zu diesem Zeitpunkt noch ein eigenes (rechtes) Blog geführt hat. Er fühlte sich berufen, Seifert, vor allem aber die NZZ zu verteidigen. Natürlich ist dagegen überhaupt nichts einzuwenden. Jeder soll politisch das vertreten, was er für richtig hält.

Zorn ist eine der sieben Todsünden

Wir sollten uns nicht ständig gegenseitig mangelndes Demokratieverständnis vorzuwerfen oder blind zu sein für ein angebliches Defizit an Meinungsfreiheit. In diesem Land darf man nämlich alles sagen und schreiben, solange es nicht gegen Gesetze verstößt, und selbst darüber darf man streiten.

Seifert schreibt in seinem Beitrag von „habituellen Krawall-Kolumnisten“, die beim Spiegel beschäftigt seien. Viele werden wissen, wen er damit meint (Lobo, Augstein). Seifert beklagt sich über linke Kollegen und gibt ihnen anhand von zahlreichen Beispielen de facto die Mitschuld an der Verrohung der journalistischen Sitten in unserem Land. Davon, welchen Anteil Journalisten des rechten politischen Spektrums an der Zuspitzung haben, sagt er rein gar nichts.

Heribert Seifert befand Anfang 2008 in der NZZ, eigentümlich frei sei ein „Szeneorgan für die sogenannten Libertären“, die „liberale Positionen wirtschafts-, gesellschafts- und kulturpolitisch schärfer […] konturieren“. Der Ton sei laut, gelegentlich schrill, die Botschaft überschaubar. Auch rechtskonservative Autoren kämen zu Wort. „Anlass zu Alarmrufen über einen Rechtsruck des Blatts“ bestehe aber nicht.Quelle: eigentümlich frei – Wikipedia | LINK

 

Das kann man auch anders sehen. Ein Blick auf die Autoren der Zeitschrift hilft bei der Einordnung.

Rechten  (Artikel von 2008) gefallen Journalisten, die die gegenwärtige Lage so einseitig und wortgewaltig beschreiben. Diese Einseitigkeit ist allerdings genau das, was sie dem linken Lager immer vorgeworfen haben. Weiter kommen wir so nicht.









Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!