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Wer ist gefährlicher, die AfD oder die Filterblase?

Mit Blick auf die Frage, ob der Rechtsruck, der nicht erst mit den letzten drei Landtagswahlen seine faktische Wirkung entfaltet, Weimarer Verhältnisse zeitigt, fällt mir etwas auf.

Wir fragen uns zwar, weshalb die Statements der etablierten Parteien so dürftig lächerlich ausfallen, nicht aber danach, wie Medien und vor allem das Internet zu diesen Verhältnissen beigetragen haben.

Ich schreibe ins Internet. Deshalb ist mir klar, dass meine negative Sicht darauf, von vielen aus Gründen nicht geteilt werden.

Wir brauchen den offenen Dialog

Wir haben gelernt, dass der Dialog das probate Mittel ist, auch unter erschwerten Voraussetzungen kontroverse Positionen in die politische und gesellschaftliche Entwicklung einzubeziehen.

Diese Überzeugung hat sich mit der Art und Weise verändert, wie wir im Web Informationen aufnehmen, verarbeiten, kommentieren oder weitergeben. Dabei sollten wir gemeinsam erkennen, dass unsere Dialogfähigkeit mehr und mehr verkümmert, zum Teil scheint sie gar nicht mehr vorhanden zu sein.

Mir fällt das Bild der Pegida-Demonstranten ein, die Medienvertretern feindlich und aggressiv begegnen. Differenzierung war gestern. Alle sind schlecht, alle sind gegen sie.

Informations- und Meinungsabwehr im Internet

Mit der Überzeugung von eigenen Positionen hat es nicht viel zu tun, wie wir im Internet kommunizieren, eher etwas mit Technik und Gewohnheiten. Die Technik verändert unsere Sicht auf die Dinge. Viele lesen nur noch, was ins eigene Konzept passt. Die Einflüsse der „Gegenseite“ bestehen darin, Stichworte für die Gegenrede zu liefern. Substanz und Differenzierung kann dabei nicht entstehen.

Mir fällt auf, dass in vielen rechten und ebenso in linken Blogs keine offenen Diskussionen mehr stattfinden. Das wird entweder verhindert, in dem nur der kommentieren darf, der sich vorher als Mitglied angemeldet hat oder, was auch funktioniert, in dem Kommentare, die eine abweichende Meinung zum jeweiligen Artikel vertreten, nicht freigeschaltet werden.

In großen Blogs ist das inzwischen soweit „perfektioniert“, dass die jeweiligen Anhänger der einen oder anderen politischen Position unter sich bleiben. Eine Wirkung, die wir bei Facebook, Twitter und anderen sozialen Netzwerken noch in viel stärkerem Umfang sehen. Man bleibt gern unter sich. Die Filter-Blase ist zum komfortablen Abwehr-Instrument mutiert. Abwehr anderer Meinungen. Das Entfolgen und Blockieren ist eine weitere Art, wie man sich vor Meinungen anderer effektiv schützen kann.

Von Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 65 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!