Winnetou im Stehen – bitte!


| Aktualisiert: 18. Juni 2019    0 Kommentare    3 Min. Lesezeit

Da hat­te RTL ein­mal eine gute Idee, und wie­der war es nicht rich­tig. Komisch, dass ande­re nicht längst dar­auf gekom­men sind, die damals so wahn­sin­nig erfolg­rei­che Win­ne­tou-Serie neu zu ver­fil­men. Nicht, dass mir jetzt einer mit «Der Schuh des Mani­tu» kommt… Ein Sakrileg.

Die Kri­ti­ken der Remakes sind gemischt. Beson­ders apart sind die, die – wie bei manch ande­ren The­men – so total übertreiben.

Mir hat der 2. Teil, also «Der Schatz im Sil­ber­see» nicht gefal­len. Ich habe nach einer knap­pen Stun­de aus­ge­schal­tet. Aber den ers­ten Teil fand ich wirk­lich ok. Mal sehen, ob ich mir den 3. Teil, den ich auf­ge­nom­men haben, auch noch anschau­en wer­de. Mir hat gut gefal­len, wie der Sach­se Karl May sei­ne Lands­leu­te im «Wil­den Wes­ten» reprä­sen­tiert hat. Von die­sem Geist wünsch­te ich mir heu­te manch­mal mehr zu sehen.  [symple_divider style=«solid» margin_top=«20» margin_bottom=«20»]

Der ers­te (rich­ti­ge) Win­ne­tou – Film kam 1962 in unse­re Kinos (Urauf­füh­rung war im Dezem­ber 1962). Es war «Der Schatz im Sil­ber­see». Damals war ich neun und glü­hen­der Win­ne­tou – Ver­eh­rer. Ich erin­ne­re mich nicht, in wel­chem Monat des Jah­res 1963 der Film end­lich in Bed­burg gezeigt wur­de. Ich neh­me an, es war  so im Frühjahr/Sommer 1963.

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In Bed­burg gab es damals noch zwei Kinos. Sie hie­ßen: «Sca­la» und «Schau­burg».  Seit Jahr­zehn­ten ist Bed­burg lei­der eine kino­freie Stadt. Wer heu­te ins Kino will, der muss nach Ker­pen, Els­dorf, Hürth oder Gre­ven­broich fah­ren. Ob sich ein Kino nicht auch bei uns hal­ten könnte?

Eins der bei­den Kinos habe ich bevor­zugt. Viel­leicht, weil direkt dane­ben eine Eis­die­le war. Die Hähn­chen­stu­be liegt nur einen Stein­wurf ent­fernt. Die Besit­zer der «Sca­la» waren Herr und Frau Wei­ler. Es gibt ein­fach Namen, die man sein Leben lang nicht mehr ver­gisst. Aller­dings war ich auch ein regel­mä­ßi­ger Besu­cher des Kinos. Und nicht nur in den 1960ern. Mei­ne Begeis­te­rung ebb­te Anfang der 1980er Jah­re ab, weil Vide­os zu schau­en ja doch so schön bequem war. Des­halb war es zwar logisch und fol­ge­rich­tig, dass das schö­ne Kino spä­ter einer Video­the­ken-Ket­te wich, aber trau­rig war es eben auch.

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Mei­ne fünf Jah­re jün­ge­re Schwes­ter war oft mit im Kino und eini­ge Jah­re spä­ter waren es meis­tens ein paar Freun­de, mit denen ich oft genug nicht nur die Vor­stel­lung um 15:00, son­dern auch um 17:00 Uhr besuchte.

In bei­den Kinos gab es je einen gro­ßen Raum mit den in die­ser Zeit übli­chen unge­pols­ter­ten und ver­bun­de­nen Holz­stüh­len. Ich erin­ne­re mich nicht, ob die Logen­plät­ze über die etwas bes­se­re Sicht hin­aus, auch einen bes­se­ren Sitz­kom­fort boten. Kom­fort war nicht so wich­tig, Haupt­sa­che der Film war toll. Im Kino zu sein und dem Film in freu­di­ger Erwar­tung ent­ge­gen­zu­fie­bern, dar­um ging es. Wenn der Vor­film begann, teil­te sich ein schwe­rer, roter Vor­hang. Kinos wur­den nicht ohne Grund frü­her auch als Film­thea­ter oder Licht­spiel­thea­ter bezeichnet.

Die schumm­ri­ge Beleuch­tung reich­te gera­de aus, um sich zu ori­en­tie­ren und den Platz zu finden.

Mir war ziem­lich egal, auf wel­chen Sitz­plät­zen ich den Karl-May-Film anse­hen durf­te. Haupt­sa­che, ich kam rein ins Kino. Einen Kampf wegen der Alters­frei­ga­ben gab es nicht. Win­ne­tou war ab 6 Jah­ren frei­ge­ge­ben (oder auch nicht – s. Link). Die Plät­ze ganz vorn waren zwar nicht begehrt aber not­falls – bit­te­schön – nah­men wir auch die. Es mach­te aller­dings wenig Spaß, weil die nöti­ge Hal­tung manch­mal für Genick­star­re sorgte.

Damals wur­de im Kino vor dem Vor­film eine Wochen­schau gezeigt. Wenn man heu­te die­se alten Wochen­schau­en sieht, muss man ent­we­der lachen oder man kriegt nost­al­gi­sche Gefüh­le. Mir geht es jeden­falls so. Ich fin­de es fast ein wenig eigen­ar­tig, dass ich in die­ser so weit ent­fernt schei­nen­den Zeit schon im Kino gewe­sen sein soll. Man wird halt alt. Des­halb geht es wahr­schein­lich vie­len so und zwar nicht nur beim Anschau­en alter Wochen­schau­en.

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Bei der Pre­mie­re des 3. Tei­les von Win­ne­tou war ich arg spät dran. Die trau­ri­ge Wahr­heit: Die Vor­stel­lung war total aus­ver­kauft. Frau Wei­ler saß – wie meis­tens – an der Kas­se und hat Mit­leid mit mir gehabt. Sie ver­kauf­te mir eine Ein­tritts­kar­te, wor­auf hin sich mein Gesicht ent­spre­chend auf­ge­hellt haben wird. Mir war es schnup­pe, die nächs­ten min­des­tens 100 Minu­ten im Kino­gang ste­hend ver­brin­gen zu müs­sen. Haupt­sa­che Win­ne­tou und Old Shat­ter­hand sehen.

Aber es kam noch bes­ser. Frau Wei­ler hol­te mir einen Stuhl aus ihrer Woh­nung (sie wohn­te prak­ti­scher­wei­se im sel­ben Haus, in dem sich das Kino befand) und stell­te ihn in den Mit­tel­gang des Kinos. Wahr­schein­lich hat sie damit gegen irgend­wel­che Vor­schrif­ten ver­sto­ßen. Aber sie hat­te ein Herz für ihre Kino­kin­der. Ich war total hap­py und konn­te den Film genie­ßen. Wahr­schein­lich habe ich gar kei­nen der Karl-May-Ver­fil­mun­gen ver­passt. Nicht nur die mit Win­ne­tou, son­dern natür­lich auch die Kara-Ben-Nem­si-Fil­me wie der «Schut» oder «Durchs wil­de Kur­di­stan» und «Der Schatz der Atz­te­ken», in dem Lex Bar­ker und ande­re bekann­te Schau­spie­ler der Win­ne­tou-Rei­he mit­ge­spielt haben.

All die­se Fil­me habe ich damals in «unse­rer» Bed­bur­ger «Sca­la» erlebt.

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Horst Schulte
Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 67 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo.

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