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Zu viele Angsthasen

Viel Spaß dabei, liebe Politiker und Medienprofis, die ach so ängstlichen Bürger von ihrer German Angst zu heilen. Diese spezielle Paranoia bei Biodeutschen und Alt-Einwanderern tritt auffälligerweise vermehrt dort auf, wo wenig Fremde anwesend sind und man sich mit der persönlichen Lebenssituation sehr zufrieden zeigt.

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Viel Spaß dabei, liebe Politiker und Medienprofis, die ach so ängstlichen Bürger von ihrer German Angst zu heilen. Diese spezielle Paranoia bei Biodeutschen, die sich mitunter auch bei Alt-Einwanderern zeigt, tritt eigenartigerweise vermehrt gerade dort auf, wo wenig Fremde (2,03%) anwesend sind und man sich mit der persönlichen Lebenssituation sehr zufrieden zeigt.

Damit sind erst einmal alle gängigen Klischees vom Tisch. Mit Beruhigungspillchen oder Integrationsgesetzchen ist es also nicht getan, weil die Patienten von naturheilkundlichen Behandlungsmethoden mangels ausbleibender Wirkung wenig halten.

(Warum die Deutschen besonders viel Angst haben, Gespräch Thomas Felten mit Ulrike Burgwinkel, Deutschlandfunk)

Entweder sagen Wähler bei Umfragen nicht die Wahrheit, oder wir haben es mit kollektiver Schizophrenie zu tun. Wie sonst kann es sein, dass 80% der Leute mit ihrer persönlichen Situation zufrieden sind und gleichzeitig als wahlentscheidendes Thema «Soziale Gerechtigkeit» angegeben wird?

Dass bei den Umfragen, die von ARD und ZDF gestern veröffentlicht wurden, unterschiedliche Rangfolgen für die wahlentscheidenden Themen herauskamen, wirft auch ein schräges Licht auf solche Umfrageergebnisse.

Wahlentscheidend lt. ARD
Wahlentscheidend lt. ARD
Wahlentscheidend lt. ZDF
Wahlentscheidend lt. ZDF

Es sind schon beachtliche Unterschiede! Kann es mit der Zufriedenheit der Menschen soweit her sein, wenn soziale Gerechtigkeit und Arbeitsplätze bzw. Wirtschaft und Arbeit als so wahlentscheidend genannt wurden? Dächten die Menschen tatsächlich so, wäre es meines Erachtens doch irgendwie logisch gewesen, dass die regierende Große Koalition viel besser abgeschnitten hätte. Oder denken die Leute wirklich so sehr an ihre Zukunft? Daran glaube ich nicht. Ansonsten wäre es zum Beispiel ganz unmöglich, dass unsere politische Klasse die Auswirkungen der demografischen Entwicklung mindestens seit Beginn der 1980-Jahre (Miegel/Biedenkopf) alle Warnungen in den Wind geschlagen hat.

Zufriedenheit in McPom ist ziemlich hoch
Die Zufriedenheit mit der persönlichen wirtschaftlichen Lage ist in McPom sehr hoch

Schaut man sich insbesondere die Entscheidungskriterien der AfD – Wähler an, kommt man zu einem anderen Eindruck. Diese sind beunruhigt und deutlich weniger zuversichtlich als die Wähler anderer Parteien. Der Durchschnitt der Wähler neigt zur Zuversicht. Warum hat sich das für die etablierten Parteien nicht in Zählbarem niedergeschlagen? Vielleicht, weil die anderen, die nicht AfD gewählt haben, in Wahrheit ganz anders über ihre persönlichen Lebensumstände denken?

Die meisten der Befragten (64%) fühlen sich in diesem Jahr als Gewinner der gesellschaftlichen Entwicklungen.

Das eigentlich erstaunliche ist, dass die AfD – Wähler nach diesen Daten aus allen gesellschaftlichen Milleus kommen. Die politische Orientierung spielt danach ebenso wenig eine Rolle wie der soziale Status. In meiner Lesart also alles Angsthasen!

Die Befindlichkeiten und Entscheidungskriterien des Wahlvolkes waren nie schwerer zu begreifen als heute. Gängige Klischees treffen nach solchen Analysen nicht zu. Wahlentscheidungen werden aus dem Bauch getroffen.

Die Sorgen der AfD-Wähler
Die Sorgen der AfD-Wähler

Rechte Hetzer dringen also durch. Andere Argument als die gegen Flüchtlinge und das verhasste Establishment verhallen. Und zwar in einer Art und Weise, die noch vor Kurzem undenkbar erschien.

Da muss ich natürlich meine Grundüberzeugung wiederholen: Das Internet machts möglich! Nirgend funktioniert billige Propaganda auf Kosten anderer besser als im Internet. Der Verdummung der Menschen ist Tür und Tor geöffnet und entfaltet nicht nur in Deutschland eine unheilvolle Wirkung. Das macht mir Angst, nicht die Flüchtlinge und auch keine allgemeinen Zukunftsängste.

Es scheint, als hörten die Leute auf, selbständig zu denken. Da gilt Kants berühmtestes Zitat: «Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen» höchstens noch unter Vorbehalt. Interessant wird’s vor allem dann, wenn manche Rechtsaußen ihr Unverständnis über «die anderen» äußern (naive Gutmenschen u.s.w.), also unter anderem die, die Merkel noch immer nicht wegen Hochverrats anklagen wollen.

 

[symple_heading style=»double-line» title=»Angst oder Feigheit» type=»h1″ font_size=»40px» text_align=»center» margin_top=»30″ margin_bottom=»30″ color=»undefined» icon_left=»» icon_right=»»]

[symple_box color=»red» fade_in=»false» float=»center» text_align=»left» width=»90%»]Ich habe auch Angst! Aber Angst vor denen, die Angst vor den Fremden, vor sozialem Abstieg und was weiß ich noch alles haben und sich deshalb – und sei es indirekt oder direkt – an denen abreagieren, die tatsächlich viele Gründe hätten ängstlich zu sein.[/symple_box]

Sie, die Flüchtlinge, haben keine Heimat

Sie, die Flüchtlinge, haben Angehörige verloren

Sie, die Flüchtlinge,  wurden von ihren Familien getrennt

Sie, die Flüchtlinge, stehen vor einer ungewissen Zukunft

 

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Horst Schulte
Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

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