3 Deutsch-Pop-Sänger in 8 Sätzen runterputzen

Manche Menschen finden Schlager gut, andere Oper oder Musicals und wieder andere Jazz, Pop oder Rock. Vielfalt ist schön. Ich kenne sogar welche, die Musik scheiße finden und wieder andere finden alles toll, was sie hören. Deshalb kennen sie die Lieder zwar nicht aber haben ständig das Radio laufen.

Früher ™ war ich auch einer von der Sorte, der über jede andere Musikrichtung die Nase rümpfte, die nicht meinem erlauchten persönlichen Geschmack entsprochen hat. Viele werden diese unschöne Form der Überheblichkeit mal an sich festgestellt haben. Das durch die Rechts-Links-Debatten unserer Zeit leider in Verruf geratene Wort Toleranz (Dulden, erdulden) war schon erfunden, es wirkte bei mir nur, wenn eine starke Ordnungsmacht ihm Nachdruck verlieh. Das war damals wie heute in aller Regel meine Frau. Wahrscheinlich kennen viele von uns diese Anflüge jugendlicher Intoleranz.

Ein bisschen was von dem steckt auch heute noch in mir. Das will ich nicht leugnen. So ist es vielleicht zu erklären, dass ich bei Musikkritiken in kritischer Erwartung hinschaue, wenn es um Künstler geht, die ich mag.

Mir ist bewusst, das vielen Kritikern deutschsprachige Popmusik auf den Senkel geht. Ich habe dazu schon ein paar Artikel gelesen, die mit den Protagonisten nicht gerade zimperlich umgingen. Ich habe mich aber sofort wieder „beruhigt“, wenn im Text die Helden-Interpreten dieser Kritiker auftauchten. Nein, ich werde jetzt keine Playlists vom „Tonspion“ oder ähnlich populären Expertenseiten verlinken, um mich abfällig über deren Favoriten deutschsprachiger Musik zu äußern…

Hier ein Auszug aus meinem Last.fm Profil, damit mir keine allzu große Parteilichkeit unterstellt wird 🙂

Passend zum Beitrag:
GOTT, ICH DANKE DIR, DASS ICH NICHT BIN WIE DIE ANDEREN LEUTE
Mein Lastfm – Profil

***

Im „Sonntag-Express“ las ich eine Kritik, die in ihrer Boshaftigkeit aus der Rolle fiel. Diese Rubrik lese ich ziemlich regelmäßig und höre mir die dort empfohlenen Titel via Spotify häufig an. Es gab ab und zu geschmackliche Übereinstimmungen.

Über die neue CD von Johannes Oerding schreibt ein Kritiker unter dem Kürzel „che“ folgendes:

Johannes Oerding: „Kreis“

Warum sind unsere Deutsch-Pop-Sänger so schwer zu ertragen? Andreas Bourani, Max Giesinger (der nicht von ungefähr so heißt wie ein TV-Koch) und nun Johannes Oerding, der Lover von Ina Müller: Die drei sind ein Kartell der Peinlichkeit. Beispiel: Oerding besudelt den Elvis Presley-Klassiker „Love me Tender“, in dem er ihn zu „Love me Tinder“ verschlimmbessert, um das Seitensprung-Portal „Tinder“ zu besingen. Haben wir gelacht! Oder er lässt „Weiße Tauben“ für den Frieden fliegen. Das ist musikalisch ebenso abseh- und austauschbar. Da hören wir lieber Jan Böhmermanns „Jim Pandzko“, der diese Typen als das entlarvt, was sie sind: Duracell-Hasen, ferngesteuert von Produzenten.

Ich will mit diesem Post keinen Ärger mit irgendeinem Anwalt riskieren. Deshalb nur so viel: ???☠?

Was solchen „Kritikern“ nicht in den Sinn kommt, ist, dass er mit seinem üblen Verriss alle Fans der drei in einen Topf geworfenen Künstler genauso beleidigt wie die genannten Künstler selbst.

Auf die simple Frage, weshalb ein Künstler im Moment gerade populär ist, nimmt diese Art von Kritiker keine Rücksicht. Dass die Sänger mit ihren Liedern ihn so schrecklich ärgern und oft vielleicht sogar frustrieren, ist ihm viel wichtiger als die Tatsache, dass andere Menschen sich an dieser Musik erfreuen. Ich möchte hier keine Chartplatzierungen von Andreas Bourani oder Johannes Oerding abbilden. Sie würden die Arroganz und Vermessenheit dieses „che“ ganz bestimmt unterstreichen!

Passend zum Beitrag:
Mit Streaming-Dienst weniger Musik gehört

Wie unterschiedlich die geschmackliche Wahrnehmung bei allem ist, was uns in populären Kunstformen wie Musik oder Filmen begegnet, merke ich an diesem Beispiel sehr deutlich, weil ich meinen Text nicht geschrieben hätte, wenn „nur“ der Name Max Giesinger aufgetaucht wäre.

Dieser Beitrag von Neo Wulf Böhmermann ist repräsentativ. Zyniker wie er geben das Niveau für jede denkbare und undenkbare Pöbeleien vor. Jedenfalls für die, die sein Gequatsche intellektuell nicht überfordert. Erdogan kann davon ein Lied singen. Natürlich eines, das niveautechnisch weiter hinter Böhmermanns Ansprüchen hinterherhinkt.

[symple_spacing size=“30″]

Ich kenne ihn zwar und weiß, dass er mit Michael Schulte zusammen aufgetreten ist. Seine Lieder sind nicht so meins.

Johannes Oerding und Andreas Bourani mag ich dafür umso mehr. Ich kenne viele Lieder und habe in meiner Playlist etliche Alben von beiden. Bouranis Auftritt bei „Sing meinen Song“ war in meinen Augen große Klasse. Er ist mir sympathisch, ebenso wie Johannes Oerding.

Und da lese ich was von einem Kartell der Peinlichkeit. Che stellt Oerding als Lover von Ina Müller vor und schießt bei seiner Drei-Sätze-Kritik so übers Ziel hinaus, dass ich wütend wurde.

Meine Damen und Herren Redakteure vom Sonntags-Express: Peinlich sind Pamphlete wie dieses, in dem in einem Aufwasch nicht nur drei populäre deutschsprachige Künstler heruntergemacht werden, sondern ganz nonchalant ihre vielen Fans gleich mit.





Schreibe einen Kommentar

shares