Zum ersten Advent haben die katholische und die evangelische Kirche ihre alljährigen Spendenaktionen zu Weihnachten gestartet. Das wurde in den Nachrichten erwähnt.

Nichts gegen Spendenaufrufe! Aber ich hätte mir gewünscht, die christlichen Kirchen hätten für dieses wunderbare christliche Fest und seine herausragende Bedeutung geworben und nicht unmittelbar vor dem 1. Advent Spenden geköttet.

Dass ich mit meiner Bemerkung nicht die völlige Missdeutung und Entwertung des Weihnachtsfestes durch unsere Hingabe zu wahren Geschenkorgien meine, werden Sie hoffentlich nachvollziehen können.

semper aliquid hret

Die Arbeit der Kirchen, der Caritas und der Diakonie steht in der Kritik. Leider fällt sie in diesen Zeiten auf fruchtbaren Boden. Kirche scheint für viele Leute aus der Zeit gefallen (allen Luther-Feierlichkeiten zum Trotz). Sie wird -so mein persönlicher Eindruck- von immer mehr Leuten für überflüssig gehalten.

Weil wir gerade dabei sind: Wäre es nicht richtig, all die kirchlichen Feiertage zu streichen und sie (bezahlt) nur noch denjenigen, die auch Kirchensteuern zahlen, zu gewähren? Wieso feiert ein Christ Weihnachten? Ach ja, um mit der Familie zusammen zu sein und die Enkelchen mit Geschenken zu beglücken, die jedes Jahr mehr, größer und teurer werden? Einer der Merkel-Momente (Video ca. ab Min. 2:03), den ich gut fand. Dass viele auch diesem Gedanken nichts abgewinnen konnten, muss nicht extra erwähnt werden.

Viele Kirchen-Kritiker bewerten die in Deutschland nicht vollzogene Trennung zwischen Staat und Kirche (Kirchensteuer) ähnlich drastisch wie die Zwangsgebühren für die öffentlich-rechtlichen Sender.

Vielleicht hängt die Aversion auch mit den Missbrauchsfällen zusammen, die in der Verantwortung beider Kirchen geschehen sind und die immer noch nicht so verarbeitet wurden, wie viele sich dies gewünscht hätten?

Lautstark kritisiert werden die Kirchen aber auch oft von Menschen, die nicht damit einverstanden sind, dass diese sich für Flüchtlinge einsetzen.

Sie argumentieren damit, dass sich die Kirchen ihr soziales Engagement vom Staat bezahlen ließen. Um Fairness  bemühen sich die Ankläger selten. Auch wenn diese Leute nicht unbedingt identisch mit denen sind, die eine liberale Flüchtlingspolitik ablehnen, sie zeigen mit ihrer Kritik, dass das Schicksal von Flüchtlingen ihnen egal ist.

Die Aussage, man müsse den Flüchtlingen in ihrer Heimat helfen, also die Fluchtgründe bekämpfen, ist ein Ablenkungsmanöver mit dem auch massive Maßnahmen begründet werden. So will „man“ sich die Flüchtlinge vom Hals halten. Jedem ist bewusst, dass alle infrage kommenden Maßnahmen langfristig wirken, schnelle Erfolge nicht zu erwarten und vor allem, dass solche Maßnahmen wahnsinnig teuer sind.

Strategische Hilfe (?)

Unsere Regierung hat diese Finte für sich entdeckt. Im Schatten ihrer „Bemühungen“ um „nachhaltige Lösungen“ reisen Merkels Gefolgsleute durchs Land und versuchen, die Leute für dumm zu verkaufen. Die Regierung erzählt landauf landab, ihre Gespräche mit Regierungsmitgliedern kaputter afrikanischer Staaten und fragwürdigen Repräsentanten, seien sie im Interesse der Flüchtlinge und in unserem. Was wirklich helfen würde, nämlich die Lebensbasis der Menschen in afrikanischen Ländern dadurch zu verbessern, dass die Gewinne von Großkonzernen geringer werden, fällt bisher aus – vermutlich wegen der „guten“ Lobbyarbeit.

Einst verfügte es über eine diversifizierte Landwirtschaft. Dann empfahl der IWF dem Land in den 1980er Jahren, Cashewnüsse in Monokulturen anzubauen, um Auslandsschulden zu bedienen. Heute wird dort so gut wie alles importiert. Trotz der äußerst fischreichen Gewässer verfügt Guinea-Bissau heute über kein einziges großes Fischerboot.Quelle: EU-Afrika-Gipfel: Mit Poesie ist Afrika nicht geholfen | ZEIT ONLINE | LINK

In den verschlungenen Lieferketten der Weltwirtschaft vermischen sich Rohstoffe aus allen Kontinenten, und man kann sich sicher sein, dass in meiner Einkaufsstraße in East London ebenso wie in den Malls von Los Angeles und den Boutiquen von Rom Preziosen aus Afrika zum Verkauf stehen, deren genaue Herkunft niemand kennt. Und was die riesigen Konzerne der Öl- und Minen-Industrie betrifft, haben wir über die Investitionen, die unsere Rentenfonds dort tätigen, alle an ihren Profiten teil. Wenn aber statt Wertgegenständen etwas Unerwünschtes aus Afrika bei uns eintrifft, ist das Geschrei groß. Jedes Jahr sterben afrikanische Migranten – einige Flüchtlinge, andere durch Armut zu enormen Risiken getrieben – bei dem Versuch, in jämmerlich seeuntüchtigen Booten übers Mittelmeer nach Europa zu kommen.Quelle: Ausbeutung in Afrika – Tom Burgis analysiert die Komplizenschaft des Westens | LINK

[symple_box color=“red“ fade_in=“false“ float=“center“ text_align=“left“ width=““]Tom Burgis: „Der Fluch des Reichtums. Warlords, Konzerne, Schmuggler und die Plünderung Afrikas“ Westend Verlag, 352 Seiten, 24. Euro.[/symple_box]

Das Abkommen, das die EU vorschlägt, enthält nicht viel mehr als die altbekannten Konzepte, die zu nichts führen werden, außer dem immer gleichen Teufelskreis. Es verspricht kurzfristige Profite für europäische Konzerne und Beteiligungen für eine kleine afrikanische Elite. Mit den bekannten Folgen: steigende Ungleichheit in der Region, grassierende Armut, schwelende Konflikte.Quelle: Westafrika: Europa erzeugt die Flüchtlinge selbst | ZEIT ONLINE | LINK
(Ein Gastbeitrag von )

Praktische Hilfe

NGO’s versuchen aktive Hilfe zu leisten. Ihr Personal rekrutiert sich vor Ort überwiegend aus jungen Leute. Sie haben noch Ideale. Sie tun das nicht, um damit reich zu werden!

Christliche Werte sind mit der Einstellung zu den irdischen Repräsentanten unserer Kirchen abhanden gekommen. Deshalb haben viele vergessen, was der christliche Glaube in dieser Lage gebietet bzw. was Jesus Christus in der Bergpredigt gesagt hat. Mit solchen Verweisen erreicht man heutzutage rein gar nichts.

Schließlich können wir nicht alle aufnehmen!

Als ob davon je die Rede war.

Nach der Lesart rechter Journalisten sind Caritas, Diakonie und viele NGO’s Mitglieder der „Sozial-Mafia“. Berichte wie dieser, der übrigens vom Februar 2011 stammt, sind ein Beispiel unter vielen:

Caritas, die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtsverbände, die Partei „Die Linke“ und die Grünen fordern die Abschaffung des Asylbewerberleistungsgesetzes und verlangen die Gleichstellung von Asylsuchenden mit Hartz-IV-Beziehern.

Die jetzige Sozialhilfe für Asylbewerber in Form von Sachleistungen und Kleidung verletzte die Persönlichkeitsrechte der Asylbewerber. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hingegen betont, dass dieses Anliegen nicht finanzierbar sei. Schon jetzt sei Deutschland für Asylsuchende attraktiv. Bessere Leistungen würden den Andrang noch verstärken.Quelle: Hartz IV für Asylbewerber – Preußische Allgemeine Zeitung |
LINK

Wir lassen es zu, wie nach und nach fast sämtliche Institutionen unseres Staates durch spezifische, oft aber auch sehr allgemein gehaltene Kritik diskreditiert werden. Die Bereitschaft neben den Kirchen, politische Parteien, Gewerkschaften, Verbände, die Medien, ganze Berufsgruppen (Ärzte, Anwälte, Journalisten) herabzuwürdigen, hat in meinen Augen unglaublich zugenommen.

Über den beklagten Vertrauensverlust dürfen wir uns deshalb nicht wundern, weil wir dazu mit großem Enthusiasmus beigetragen haben. An erster Stelle haben wir das den virtuellen Stammtischen im Internet zu verdanken. Die Sozialen Netzwerke haben die Gesprächs- und Diskurskultur weltweit ruiniert. Die Klagen darüber werden jedenfalls international geführt – wenn auch mit gewissen Unterschieden.

Was hier im Netz „abgeht“ ist nicht ein Spiegel der realen Welt, sondern die reale Welt wurde durch die sozialen Medien negativ verändert. Punkt – Ausrufezeichen. Und dieser Verwandlungsprozess ist längst nicht abgeschlossen. Ich mache mir nichts vor: er ist auch nicht stoppen. War er nie!

Tichys Einblick ganz investigativ – ohne den Schreibtisch verlassen zu müssen

Der Journalist Alexander Wallasch, Tichys Einblick, spürt schon seit Monaten den Aktivitäten der noch relativ neuen NGO „Sea Watch“ nach. Für ihn und seine Leser*innen, die seine Vorliebe für üble Nachrede im investigativen Gewand teilen, war immer klar, dass die NGO’s, die im Mittelmeer Flüchtlingen das Leben retten, mit kriminellen Schleppern taktieren. Über Andeutungen geht Wallasch klar hinaus. So schreibt Wallasch: „Denn korrekt hätte es heißen müssen: „Schleuser haben illegal für vierstellige Euro-Beträge pro Passagier und mit aktiver Hilfe der deutschen NGO „Sea Watch“ Afrikaner nach Europa gebracht.“ An anderer Stelle führt er aus: „Vom illegalen Handwerk zum illegalen Aufenthalt: Hier kümmern sich tausende engagierte deutsche Mitbürger „für grenzenlose Solidarität“darum, die ablehnenden Entscheidungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge anzufechten.“

Von politisch Andersdenkenden werden diejenigen, die der dargelegten Sichtweise der Autoren bei Tichys Einblick nicht folgen mögen, vor allem in den sozialen Netzwerken ganz schnell als links-grün-versiffte Gutmenschen kategorisiert.

Ich bin also sozusagen persönlich herausgefordert. Das wird schwer, weil ich als … Gutmensch einfach keinen Blick für die Fakten habe. Und die Hirnwindungen klemmen halt so, als wolle man eine Waschmaschine bei 1400 Umdrehungen pro Minute auf einmal rechts- statt linksrum schleudern lassen.

Es bleibt aber kein Zweifel daran, dass die Anschuldigungen des italienischen Staatsanwalts Carmelo Zuccaro aus Catania, den NGOs (Nichtregierungsorganisationen) nachhaltig geschadet haben. Er behauptete, die NGOs würden mit Schleppern zusammenarbeiten. Wochenlang waren sie in eine Diskussion verstrickt, mussten sich vor Ausschüssen rechtfertigen und einen „Fakten-Check“ über ihre Tätigkeit vorlegen. Viele sprechen von „systematischer Kriminalisierung“. Die NGOs wehren sich mit Protestaktionen wie „Shame on you, Europe!“.Quelle: Regensburg: Helfer der Sea-Eye erzählen in Regensburg von ihren Einsätzen im Mittelmeer | LINK

Wallasch muss viel Zeit haben. Die hat er in die Beobachtung der Flüchtlingsschiffe per Internet investiert, die er und seine Leser*innen verdächtig finden. Es gibt also nicht nur Websites und Apps mit denen die Routen von Flugzeugen von jedem verfolgt werden können. Nee, sowas gibt auch für Schiffe.

Das ist einfach toll, was man bei dem verzweifelten Versuch lernen kann, mit publizistischem Druck neue Invasionen afrikanischer Flüchtlingen zu verhindern.

Und notfalls kann man ja Anschuldigungen erheben, die immer noch keiner bewiesen hat. Auf diese Wirkung zielen solche Artikel ab:

Da wird wahllos ein Berg von Müll auf die NGOs geworfen. Das wird viele Jahre Folgen haben. Die Leute werden immer weniger an die NGOs glauben, die nicht nur für die Flüchtlinge, sondern auch für die ärmeren Italiener und für die Entwicklungsländer eine unverzichtbare Stütze sind. Es sind diejenigen, die sich für das Wohl anderer aufzehren, die versuchen, zu helfen. Momentan werden Solidarität, Mitleid und humanitäre Hilfe  ins Banale gezogen. Das kann nicht akzeptiert werden
Loris de Filippi von Ärzte ohne Grenzen
Quelle: Parlamentsausschuss in Italien – Vorwürfe gegen Flüchtlingshilfsorganisationen | LINK

Es ficht solche Leute wie Wallasch nicht an, dass der besonders hartnäckige sizilianische Staatsanwalt Carmelo Zuccaro aus Catania trotz seiner wackeren Versuche, die Schuld der (deutschen) NGO’s nicht nachweisen konnte.

Wallaschs erzählt seine „Wahrheiten“, die selbstredend in diesen Kreisen (den Menschenfeinden, die ihre politische Heimat bevorzugt in der AfD haben dürften) besonderen Anklang finden:

Auch die Fotoauswahl der WELT könnte nicht passender sein. Unterzeile: „Flüchtlinge im Hafen von Trapani (Italien), sie wurden von der deutschen NGO See Watch gerettet.“

Man gewöhnt sich auch hier an die eigentliche Falschnachricht.

Denn korrekt hätte es heißen müssen: „Schleuser haben illegal für vierstellige Euro-Beträge pro Passagier und mit aktiver Hilfe der deutschen NGO „Sea Watch“ Afrikaner nach Europa gebracht.“

Warum die WELT nicht die Wahrheit schreibt, liegt in eigener Verantwortung.Quelle: Das lernen Migranten von ihren Betreuern: Verwahrlosung von Recht, Gesetz und Sitten |
LINK

Hervorhebung durch mich

Trotz aller Bemühungen hat Wallasch keine Beweise für seine Behauptung. Aber das macht nichts. Es handelt sich bei denen auf der anderen Seite ja um naive Gutmenschen, die die Realitäten einfach nicht sehen wollen oder verstehen können. Für die eigene Glaubensgemeinschaft haben Leute wie Wallasch vorgestanzte Antworten parat. Diese Sichtweisen werden zehntausendfach geteilt und gelikt. Nur — korrekt werden sie dadurch auch nicht.

https://youtu.be/H5PBsQtdd7I

Zwischendrin, in einem älteren Artikel von Juli d. Js. schreibt Wallasch plötzlich diesen Satz:

Ich persönlich glaube übrigens nicht an eine Zusammenarbeit der Retter mit Schleppern, da die Motive der Retter mE tatsächlich ehrenhaft sind.Quelle: NGOs und Schleuser im Mittelmeer II | LINK

Die Folgen der unbewiesenen Vorwürfe gegen Sea Eye und andere NGO’s beschreibt Dr. Ursula Putz,

Beide Schiffe fahren immerhin noch. Andere haben ihre Mission abgebrochen. Beweise für seine Anschuldigungen konnte Zuccaro nicht vorlegen. Auswirkungen auf die Arbeit von Sea-Eye hatten sie dennoch. Das Spendenaufkommen sei zurückgegangen, berichtet Putz. Das beeinträchtigt die Arbeit erheblich.

Quelle: Regensburg: Helfer der Sea-Eye erzählen in Regensburg von ihren Einsätzen im Mittelmeer | LINK

Ich persönlich glaube, dass die Hilfsaktionen einen so genannten Pull Factor mit sich bringen. Es wäre die Aufgabe einer verantwortungsvollen europäischen Politik, sich darum zu kümmern.

Es kann nicht wahr sein, dass die EU sich weiterhin so verhält wie es in den beiden letzten Jahren der Fall war.

 

Links

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5 Kommentare

  1. „links-grün-ver­siff­te Gut­men­schen“

    Hallo, wo bitte genau schreibt Wallsch das, wo haben Sie es bei ihm gefunden? Das wäre justiziabel, ich bitte um Benachrichtung.

    1. Wo habe ich behauptet, Wallasch hätte das gesagt oder geschrieben? Nirgends! Diese Bezeichnungen benutzen wie Sie wohl wissen, genug Leute, um die Gegenseite zu diffamieren.

      1. Sie stellen den Bezug exakt her. Jeder FachJurist wird ihnen das bestätigen können:

        „Über Andeu­tun­gen geht Wal­lasch klar hin­aus.

        Selbst­re­dend sind alle, die die­ser Sicht­wei­se nicht fol­gen möch­ten, links-grün-ver­siff­te Gut­men­schen.“

        Im übrigen bitte auch den Anwurf „üble Nachrede“ nochmal prüfen.

        1. Meines Erachtens mache ich das zwar nicht. Aber ich bin kein Jurist und habe von sowas auch keinen Schimmer. Da Ihre juristische Expertise also offenkundig über meine hinausgeht, habe ich die Textstelle geändert und meinen Standpunkt deutlicher gemacht. In diesem Sinne: Danke für den Hinweis.

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