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Vertrauen in die ? Medien?

Meine Kritik an pauschalen Manipulationsvorwürfen gegen die Medien war schon mal lauter! Sowas macht einen das auf Dauer echt mürbe. Geht mein Vertrauen dahin? Zumal ich weiß, wie …

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Meine Kritik an pauschalen Manipulationsvorwürfen gegen die Medien war schon mal lauter! Sowas macht einen das auf Dauer echt mürbe. Geht mein Vertrauen dahin?

Zumal ich weiß, wie leicht wir zu manipulieren sind und wie stark die Versuchung ist, genehme Propaganda statt guter und im besten Fall neutraler Information zu nutzen, um für die eigene Sache das «beste» herauszuholen. Du sollst nicht Lügen! Wen interessiert heute schon noch das 8. Gebot? Oder die anderen 9?

Die Lügen – Tools dafür werden immer raffinierter und undurchschaubarer. Zwar werden die Begriffe mit denen operiert wird (Filterblase, Fake News etc.) inflationär benutzt, aber – wenn wir ehrlich sind – wie oft stellen deren Wirksamkeit infrage, weil wir erfahren und klug genug sind und deshalb keine Gefahr sehen, selbst «Opfer» zu werden und in solche Fallen zu tappen. Es sind die anderen, die «dumm» genug sind, auf moderne Formen der Beeinflussung hereinzufallen. Wir doch nicht!

Instrumente der Beeinflussung

Dabei gibt es in meinen Augen ein deutliches Indiz dafür, dass viele von uns Gefangene solcher Tools sind. Die Verunsicherung vieler Leute hat extrem zugenommen. Das belegen nicht nur Statistiken oder Studien, sondern vor allem der Zorn, der aus dieser Verunsicherung entsprungen ist und der sich vor allem im Internet Bahn bricht.

Manche schauen keine Talkshows mehr. Das hat nicht den Grund, dass die Themen oder die Gäste langweilig wären. Manche passen, weil sie nachher gar nichts mehr wissen. «Irgendwie hat ja jeder von denen Recht…» Andere können die Teilnehmer nicht mehr ertragen, weil sie deren Meinung scheiße finden und diese nicht aushalten können. Wer der Befund nicht ganz falsch ist, wundert man sich darüber, dass so viele Online – Medien am gleichen Abend oder am Vormittag des Folgetages nicht selten durchgängig abwertende Berichte über die Talkshows veröffentlichen. Da spielt die politische Seite kaum noch eine Rolle. Irgendeiner ist immer unter den Talkgästen, der das Fett der Kommentatoren abkriegt. Talkgäste sind ein gefundenes Fressen für viele Medien.

Mea Culpa

In der letzten Zeit bin ich gleich mehrfach auf Propaganda hereingefallen. Ich könnte die Beispiele hier anführen. Ich lasse das, weil es nur ablenken würde.

Ich würde mich schon wohler fühlen, wenn wir diese überbordende und auf mich destruktiv wirkende Skepsis soweit wieder einfangen könnten, dass wir von «den» Journalisten nicht Sachen fordern würden, die wir selbst nicht ansatzweise beherzigen.

Ich denke an Objektivität und Fairness.

In den Diskussionen darüber wird das Zitat von Hajo Friedrichs oft bemüht:

Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, nicht in öffentliche Betroffenheit versinken, im Umgang mit Katastrophen cool bleiben, ohne kalt zu sein. Nur so schaffst du es, daß die Zuschauer dir vertrauen, dich zu einem Familienmitglied machen, dich jeden Abend einschalten und dir zuhören.Quelle: „Cool bleiben, nicht kalt“ – DER SPIEGEL 13/1995 | LINK

Quelle: „Cool bleiben, nicht kalt“ – DER SPIEGEL 13/1995 | LINK

Wahrheit?

Es gibt tendenziöse, fehlerhafte und unvollständige oder einfach nur falsche Berichte wahrscheinlich in allen Medien auf der ganzen Welt. Übrigens auch lange vor 1995 (dem Jahr des Friedrichs-Zitats).

Ebenso wie es gute, schlechte und beschissene Blogs gibt, die derart tendenziös sind bei fast allen Themen, die sie behandeln, dass es einen – wenn man drauf stößt, geradezu sprachlos machen kann. Oder eben mürbe.

Aber an die eigene Nase fassen diese Blogger oder Journalisten sich scheinbar nie. Kann das sein, dass ein Blog wie «Propagandashow» von Leuten geschrieben wird, die nie Zweifel an ihrem Tun haben? Wer ihn kennt wird jetzt nur lachen können. So dumm sind Menschen nicht. Diese Blogger fühlen sich berufen. Der Erfolg gibt ihnen doch Recht? Ja, wer sich so richtig verarschen lassen möchte, ist dort bestens aufgehoben. Seltsam finde ich, dass es diesen ausgeprägten Hang dazu gibt.

Richtigstellung – eigene Fehler

Ich habe dort und auch anderswo nie eine Korrektur oder Richtigstellung gelesen. Das ist ein weiteres Problem in der heutigen Zeit. Zeitungen müssen Gegendarstellungen bringen. Die Art in der sie dies und an welcher Stelle ihres Blattes sie dies tun, ist häufig fragwürdig. Auch TV-Sender bringen solche Gegendarstellungen – meistens am Ende der Sendung. In Blogs findet man solche Korrekturen oder Gegendarstellungen eigentlich nie.

Oder irre ich mich? Wie sind in dieser Hinsicht Ihre Erfahrungen?

Es gibt nicht wenige Blogs, die sich voll und ganz auf Verschwörungstheorien konzentrieren, dem Kampf gegen den Islam oder gegen Linke, Grüne oder Andersdenkende und die bei ihren Leserinnen/Lesern eine ungeheure hohe Wertschätzung genießen. Dort ist das Programm, was die Verantwortlichen den so genannten Mainstream Medien unentwegt vorhalten. Das ist fast witzig. Leider spricht genau diese Methode so unglaubliche viele Menschen an. Ich kann mir das nur mit der großen Verunsicherung erklären, von der ich schon geschrieben habe.

Vieles von dem, was im Internet behauptet und ständig (an unterschiedlichsten Stellen) wiederholt wird, wurde zwar (eindeutig) widerlegt. Die ursprüngliche Stelle, von der die Fake News ausgegangen ist, lässt sich kaum identifizieren – wenn überhaupt. Wie gesagt, Gegendarstellungen oder Richtigstellungen finden sich in der Regel nicht.

Vertrauensverlust

Es geht nicht nur um den Vertrauensverlust der Medien. Mir fällt auf Anhieb keine Instanz mehr ein, von der ich behaupten würde, sie genösse noch ein besonderes Vertrauen in der Bevölkerung.

  • Gott
  • Religion
  • Kirche
  • Bischöfe
  • Pfarrer
  • Ärzte
  • Lehrer
  • Professoren
  • Unternehmen
  • Unternehmer
  • Journalisten
  • (die Liste ist bestimmt nicht vollständig)

Als ich  jung war hatte ich ein paar Idole. Willy Brandt war eins davon, Egon Bahr war das bis zuletzt. Einstein, Ghandi, Schweitzer, später Mandela – sind die Namen meiner Helden.

Fällt mir eine aktuelle Politikerin, Politiker, Bischof oder so ein, über die es im Internet nicht irgendwelche herabwürdigen Bildchen oder Kommentare zu finden gibt? Wir machen uns lustig über alles und jeden und nennen es im Zweifel Satire. Die darf ja angeblich alles. Straffrei bleibt, wenn einer Katholiken «Kinderfickersekte» nennt.

Zeitgeist

Das ist der Zeitgeist oder wie man diese Scheiße nennen soll, in der wir waten! Lohnt es sich überhaupt noch die Frage zu stellen, wohin uns das alles führt? Wenn wir zu nichts und niemanden mehr Vertrauen haben und selbst eifrig dazu beitragen, dass kein neues entstehen kann?

Infografik: EU-Bürger haben wenig Vertrauen in die Medien | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

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Horst Schulte
Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

4 Gedanken zu „Vertrauen in die ? Medien?“

  1. Hallo zusammen,
    ich stimme zu, dass das Problem aktuell ist. Und manchmal lese ich ausländische Zeitungen um mehr wahrheitlich Information zu haben. Ich wünsche unseren Journalisten profesionell für die Menschen zu arbeiten.
    Grüße aus Österreich.
    Ellina.

    Antworten
    • Hallo Ellina, sich umfassend zu informieren ist so wichtig. Vor allem ist die Sicht von außen immer wertvoll. Insofern sind die Berichte ausländischer Zeitungen hilfreich. Schade, dass so viele Menschen immer weniger Vertrauen in «die Medien» haben.

      LG Horst

      Antworten
  2. Also mich hätten Beispiele, wo du auf Propaganda reingefallen bist, schon interessiert! Weil ich davon ausgehe, dass du eben auch «alle Seiten» liest und siehst – und das ist doch eigentlich die einzige Chance, nicht reinzufallen. Es entsteht dann mehr eine Haltung von «nichts Genaues weiß man nicht» als dass man einer Seite glaubt.
    Politiker, denen ich vertraue? Mal nachdenken: Martin Häusler (EU/Grüne/Agrarthemen), Julia Rheda (EU/Piratin, Bürgerrechte)… und dann muss ich schon grübeln…
    ABER: M.E. ist es falsch und ziemlich naiv, ein «Vertrauen zu Politikern» haben zu wollen, wie man etwa einem guten Freund vertraut. Politiker wären schlecht beraten, würden sie immer sagen, was sie selbst gerade denken! Es sind Funktionärinnen (um auch mal gendergerecht abzuwechseln), die Parteien, Strömungen und/oder ihre Ämter in der Regierung oder sonstwo vertreten MÜSSEN. Ich kann also durchaus vertrauen, z.B. dass Lindner die Interessen der FDP vertritt und Özdemir die der GRÜNEN. Wer das kritisiert – und dafür gibts ja Gründe – kritisiert eigentlich das Parteiensystem, sollte dann aber so aufgeklärt sein, das auch so zu sehen.
    Das allgemeine Talkshow-Bashing kann ich nicht nachvollziehen. Mir passt es, dass zu allem Aktuellen gleich mal eine Talk-Runde kommt. Das gibt mir einen Eindruck, was unsere «Eliten» so denken – und oft sind die Gäste ja durchaus nicht miteinander einig, ich sehe also ein Spektrum, in dem auch meine spontane (!) Meinung durchaus vorkommt. Auch ist mir unverständlich, warum die Kritiker das anschauen, wenn es ihnen zu tendenziös ist – die Runden auf Phoenix sind sachlicher, aber weniger erfolgreich, warum?

    Nochmal: Vertrauen – etwas Aktuelles: Katar! Schon gleich hab ich die offizielle Version der Blockade-Staaten nicht geglaubt. Und finde in den Mainstream-Medien durchaus viele Infos über die verschiedenen Interessen, die vermutlich dahinter stehen. Dass nun alles wieder «russische Hacker» gewesen sein sollen – geschenkt! Sobald «russische Hacker» angeführt werden, enthalte ich mich lieber einer Meinung. Das ist das Beste, was ich tun kann.

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  3. Hallo Claudia,
    da wäre die Sache mit der Privatisierung der Autobahnen. Jens Berger, Nachdenkseiten hatte behauptet, die Mainstream-Medien hätten kaum darüber berichtet. Übermedien hat das widerlegt.

    Oft genug – zu oft – ist die Kritik von sogenannten alternativen Medien an sogenannten Mainstream-Medien berechtigt, dass sie bestimmte Themen und Perspektiven unter den Tisch fallen lassen. Oft genug – zu oft – ist diese Beschwerde aber auch eine bloße Behauptung. Der Satz „Darüber berichtet natürlich keiner“ fällt häufig als Reflex, und je häufiger er wiederholt wird, desto weniger sehen Leute noch nach, ob er überhaupt stimmt.Quelle: Keiner schreibt über die Privatisierung der Autobahnen! | Übermedien | LINK

    Die Fehler in der ARD – Berichterstattung über die Ukraine war ein besonders krasser Fall. Dr. Gniffke musste das schließlich selbst einräumen. Das war ein Vertrauensverlust, von dem sich das Medium bei vielen Leuten bis heute nicht erholt hat.

    Ich hatte nach der versuchten Abschiebung eines 20jährigen Afghanen in Nürnberg voreilig kommentiert. Für die «Tumulte» haben angeblich nicht die Berufsschüler (wie ich den ersten Berichten dazu entnommen hatte) gesorgt, sondern Linksautonome, die offenbar von Anwohnern oder Mitschülern aktiviert wurden. Außerdem soll der junge Mann gewalttätig gewesen sein. Das widerspricht sich alles. Es kommt darauf an, welche Medien man liest. Ich beziehe mich dabei nicht auf rechtsradikale NaziBlogs wie PI News oder so etwas. Ich habe das Gefühl, dass bestimmte Gruppen aus Eigennutz solche Vorgänge instrumentalisieren. Das sind nicht nur die Rechten.

    Die Diskussionen über Armut und generell über die Auslegung von irgendwelchen Statistiken ist ein weiteres Fiasko. Offenbar gibt es in Deutschland doch gar keine Armut. Fragt man Prof. Hüther, IW Köln, steht das außer Frage. Für Prof. Fratscher, DIW Berlin, ist das Gegenteil der Fall. Prof. Bofinger (Wirtschaftsweiser) sagt, nicht Schröders Agenda habe zur Verbesserung der Lage in Deutschland wenig beigetragen (…»Bedeutung der Agenda wird massiv überschätzt»…). Sie habe dazu geführt, dass das Lohnniveau deutlich abgesenkt wurde. Das sind Aussagen, die man nur hier und da hört oder liest. Aber es gibt wiederum viele Aussagen, die das genaue Gegenteil behaupten.
    Die Talkshows bei Phoenix und auch anderswo sind so manches Mal besser als die bei ARD und ZDF. Obwohl sie nicht mehr Sendezeit haben, sind diese Sendungen interessanter. Das kommt mir auch so vor. Wahrscheinlich bewirkt die erwartete Quote eine gewisse Konditionierung der Teilnehmer. Keine Ahnung, was der Grund dafür sein könnte.
    Die Berichterstattung über Katar hat mich zuerst mal nur irritiert. Ich war der Meinung, dass vor allem die Saudis diejenigen sind, die den Terror unterstützen. Mag ja auch an mir liegen. Oder ich lese einfach die falschen Medien. Das ist schon alles nicht ganz einfach. Und verwirrend ist es sowieso.

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