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Was ist das blödeste am Fernsehen?


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Zu viel Fernsehen wurde auch früher ™ schon kritisch beäugt. In höheren Kreisen hatte man bereits Anfang der 60er Jahre die Sorge, dass zu viel davon blöd machen könnte.

Obwohl es mangels Angebot für uns Kinder noch wenig zu gucken gab, erinnere ich mich an die diesbezüglichen Ermahnungen der Mutter meines Freundes. Er und ich schauten die infrage kommenden Sendungen trotzdem – und zwar bei uns zu Hause.

Was ist so blöd am Fernsehen? Sind es die Zuschauer, die den Ausknopf wieder mal nicht finden, obwohl sie das Programm mies finden. Oder handelt es sich um das Programmangebot? Vielleicht sind es ja die Talkshows, die einfach nur nerven?

Mit 63 bin ich soweit, mir die Sendungen mit Bedacht herauszusuchen, die ich gucken will. Dieses Muster hat sich nämlich bewährt. Es ist wie damals bei Flipper, Fury und Lassie. Anders kam nichts in der Kiste.

Im Moment haben die (meisten) Talkshows Sommerpause.

Wie doof, dass ARD und ZDF noch nicht darauf gekommen sind, sie zu wiederholen!

Das würde das Glück der TV-Zuschauer erst komplett machen. Aber die Programmverantwortlichen scheuen noch davor zurück. Der durchschnittliche Zuschauer der öffentlich-rechtlichen Sender ist bekanntlich deutlich älter als der der Privaten.

Die Penetranz mit der die GEZ-Sender in der Primetime monatelang nur noch Wiederholungen zeigen, lässt darauf schließen, dass sie ihre Zuschauer nicht nur für alt, blöd und vergesslich halten. Sie unterstellen wahrscheinlich, dass der Anteil von Demenz oder Alzheimer in unserer Altersklasse jedem Statistikwert spottet.

Geldprobleme werden es doch nicht sein, die uns dieses Mist-Programm Sommer für Sommer und Jahr für Jahr bescheren. Bei jährlichen Zwangseintreibungen von 8,1 Milliarden Euro (2016) hören wir staunend, dass die öffentlich-rechtlichen Sender mehr Geld benötigen, um ihrem Auftrag gerecht zu werden.

Sie brauchen, damit der Ärger der Zuschauer*innen auf dem heutigen Niveau gehalten werden kann, mehr Geld. Wofür? Um mehr Wiederholungen zeigen zu können?

Im verlinkten Spiegel – Artikel vertritt der Autor die Ansicht, Talkshows hätten – trotz aller Ärgernisse – einen gewissen Nutzwert. Beispielsweise für die Debattenfähigkeit im Land.

Möglicherweise erfüllt die Talkshow einen ähnlichen Zweck, und möglicherweise rührt daher das allgemeine Unbehagen daran.

Es genügt die Illusion, dass andere zu jedem nur denkbaren politischen oder gesellschaftlichen Thema einen Standpunkt haben, um sich am Ende diskursiv grundversorgt zu fühlen – ohne sich die Mühe machen zu müssen, die eigene Haltung zu formulieren, geschweige denn zu verteidigen.Quelle: Talkshows: Reiz und Relevanz von Diskussionen im TV – SPIEGEL ONLINE | LINK

Die »eigene Haltung« formulieren aber in Zeiten der sozialen Netzwerke und des Internets im Allgemeinen entsetzlich viele Leute. Auch viele, die besser geschwiegen hätten (dazu bitte keine blöden Kommentare bitteschön!).  Ansonsten hätte sich Maas mit seinem Hate Speech Kampf ja auch nicht so weit aus dem Fenster legen müssen.

Ich glaube, Deutsche sind diskussionsfreudig; Türken übrigens auch, leider nur nicht auf allen Kanälen gleichermaßen. Es wird uns Deutschen nachgesagt, dass wir dazu neigen würden, alles und jedes infrage zu stellen. Ich denke, da ist was dran. Dabei wird oft und fix übertrieben.

Talkshow helfen leider wohl nicht dabei, Maß und Mitte nicht zu verlieren. Sie können im Gegenteil wohl eher dazu beitragen, dass die Polarisierung voranschreitet. Ich habe häufig das Gefühl, dass jeder Teilnehmer Recht hat mit dem, was er sagte. Je schwieriger das Thema ist, desto mehr verwirrt mich diese Einsicht. Am Ende macht mich das sogar aggressiv. Verwirrt und aggressiv. Die Voraussetzung für jede Diskussion im Internet übrigens.

Wenn es darum geht, Kritik am TV-Programm zu üben, würden mir persönlich nicht Talkshows als erstes in den Sinn kommen. Sie rangieren schon auch weit oben. Aber viel schlimmer finde ich die Programmgestaltung in den Sommermonaten.

Ich kann nach all den Jahren mit sich weiter steigernden Sommerwiederholungsexzessen nur den Schluss ziehen, dass den Verantwortlichen beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen Interessen und Meinungen der Zuschauer vollkommen egal sind. Es kümmert sie kein bisschen, was wir Zuschauer über ihre Leistung (Programmangebot) denken.

Vielleicht ahnen sie ja längst, dass das der öffentlich-rechtliche Rundfunk in dieser Form eines Selbstbedienungsladens keine gute Zukunft mehr hat. Das wäre eine mögliche Erklärung für dieses gewaltige Maß an Ignoranz.

Ich persönlich bin, wie meine Leser*innen wissen, einigermaßen internetkritisch. Trotzdem nutze ich die vielfältigen Angebote immer stärker. TV war mal.

Ab und an schau ich mir im Fernsehen noch die eine oder andere Talkshow an oder auch mal einen Film, wenn ich ihn denn noch nicht gesehen habe. Ansonsten nutze ich Apple TV, Amazon oder andere Streamingangebote. Das hat zudem noch den Vorteil, dass ich ganz selbstbestimmt mein Programm wählen kann.

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