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Wie irritierend: Trump scheint seine Wahlversprechen einlösen zu wollen

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So komisch, dass dieser Präsident sich so schnell an die Arbeit gemacht hat und das tut, was Politiker …

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So komisch, dass dieser Präsident sich so schnell an die Arbeit gemacht hat und das tut, was Politiker normalerweise eigentlich nie tun: nämlich seine Versprechungen in die Tat umsetzen.

Komisch ist es aber nicht, weil Trump ja gar kein Politiker sein will.

Vor diesem Hintergrund ist die Aufregung, die viele (mich eingeschlossen) sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Europa entwickelt haben, paradox.

Gewiss werden die Wähler Trumps große Genugtuung über ihre Wahl verspüren. Der Mann erfüllt ihre heißen Erwartungen quasi im Handumdrehen. Für sie scheint es gut zu laufen. Noch jedenfalls.

Keiner weiß, auch wir – seine Gegner – nicht, was alles noch kommt und ob sich seine aggressive Politik gegen Nachbarländer, Medien und alle erklärten Feinde im In- und Ausland womöglich bewähren könnte und für wen.

Der Dow Jones spinnt, mancher Spitzenmanager kriecht Trump, wie es dargestellt wird, in den Allerwertesten und geloben Besserung, wenn es um die Schaffung von Arbeitsplätzen in den USA geht.

Nochmal: Ist es nicht genau das, was sich viele Menschen, vielleicht sogar viele von denen, die eigentlich gegen Trump sind, von ihren Regierungen wünschen?

Es gibt die andere Seite. Die hat damit zu tun, dass wir gern auf Bewährtes vertrauen. Wir übergeben die Verantwortung an Menschen, von denen uns erzählt wird, dass sie über die entsprechenden Kompetenzen verfügen.

Manche bei uns tun sich zwar schwer damit, einen Ex-Alki und Buchhändler als Bundeskanzler vorzustellen aber er steht -systemgemacht- jetzt nun mal zur Debatte. Der Ärger darüber mag ein Stück weit daher rühren, dass wir ihn nicht selbst wählen dürfen. An solchen Feinheiten will die etablierte Politik leider immer noch nichts ändern. Immerhin gibt es entsprechende Diskussionen darüber. Selbst in der CDU wird mehr Volksbeteilung inzwischen nicht mehr komplett abgelehnt.

Ja, Trump hat das Vertrauen vieler Millionen Menschen erhalten. Und das hat er mit genau den Ansagen geschafft, von denen er in der ersten Woche seiner Amtszeit schon einige mit einigen (buchstäblichen) Federstrichen angeschoben hat. Interessantes Stilmittel, Trump an irgendeinen Schreibtisch zu setzen und ihn dabei zu zeigen, wie er ständig irgendwelche Papier unterschreibt. Seine Steuererklärung wird es wohl nicht gewesen sein.

Es ist nicht schön, dass man mit einem engen Nachbarn nach dieser Woche auf diplomatischem Parkett ausgerutscht ist und die Beziehungen auf unbestimmte Zeit ruiniert hat. Auch, dass eine Reihe von Spitzenbeamten des State Departments erklärt hat, diese neue Politik nicht mittragen zu können und nun geschlossen aus dem Dienst ausgeschieden ist, wird dem Erscheinungsbilder der Amis im Ausland nicht zustatten kommen. Die Kompetenz dieser langjährigen Mitarbeiter geht komplett flöten. Und das in einer Zeit, in der Trump nicht mal sein Kabinett komplett hat und viele der 4000 Stellen von Spitzenbeamten im Washingtoner Politapparat noch neu besetzt werden müssen.

Aber was ist das schon gegen eine schöne hohe Mauer für die man selbst nichts und der Staat, gegen den diese Mauer wirken soll, die Zeche zahlt? Auch, wenn sie im Resultat die erhoffte Wirkung nicht entfalten dürfte. 50% aller Mexikaner kommen mit normalen Visa ins Land und bleiben nach dessen Ablauf in den USA. Außerdem wissen viele Menschen – die Schlepper auf beiden Seiten der Grenzen ganz sicher – wie man Tunnel baut. Das habe ich mal gelesen. Trump weiß davon vielleicht nichts und es soll ja ganz schön schwierig sein, ihm gewisse Wahrheiten beizubringen.

Es gibt Stimmen in Deutschland, Jakob Augstein, gehört dazu, die es immerhin für möglich halten, dass der Mann „Erfolg“ haben könnte. Nach welchen Kriterien man diesen irgendwann einmal messen möchte, kann noch niemand beantworten.

Was weiß ich denn? Ich habe gelernt, dass das Unglück der Welt und der 2. Große Krieg in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts u.a. dadurch verursacht wurde, dass die Nationen auf der Welt sich stark gegeneinander abgeschottet haben.

Nationalismus und Protektionsmus waren die Väter des Übels, das über die Menschen gebracht wurde. Alle Politiker der Welt haben sich – vielleicht zu selten ausgesprochen – nach der Katastrophe dafür entschieden, diese (handwerklichen) Fehler nicht zu wiederholen.

Wir sehen, dass wir aus der Geschichte wenig gelernt haben. Heute versprechen Politiker wie Trump und Le Pen, es durch die Rückbesinnung auf die Nation richten zu können. Nationalismus und Protektionismus gegen wirtschaftliche und soziale Not. Das hat schon einmal nicht geklappt. Viele Wähler in Amerika hat das nicht gekümmert und nichts spricht dafür, dass das nicht ebenfalls in Europa passieren könnte.

Leider ist das Zeitfenster nicht groß. Wir werden die Konsequenzen des Trumpschen Totalversagens nicht rechtzeitig erleben, vielleicht nicht einmal absehen. Vielleicht wird Trump mit seinem Starke-Mann-Spiel ein Strohfeuer entfachen. Langfristig geben ihm Experten keine Chance.

So bleibt nur die Hoffnung darauf, dass die Menschen sich besinnen, in dem sie sich ein Bild von dem machen, was Trump in den USA in Gang gesetzt hat und ihre Intelligenz ihnen sagen möge, dass dieser Weg ein Irrweg ist.

Meine Hoffnung ist, dass insbesondere Europa den Sieg dieses grenzdebilen, selbstverliebten Narzissten in den USA mit einer klaren, eindeutigen Politik quittieren wird. Hoffentlich gehen die Verantwortlichen mit Selbstbewusstsein in die zu erwartenden Auseinandersetzung mit der Administration Trump.

Ich fürchte, dass wenig dafür spricht. Hoffentlich höre ich nicht zu häufig von unseren Werten, die wir gegenüber den USA hochhalten müssten, sondern erlebe live und in Farbe, das Merkel und ihre Mitstreiter auf europäischer Ebene diesem Mann ihre Vorstellungen einer freien Gesellschaft, Demokratie und Menschenrechten klarmachen wird. All diejenigen, die Merkels Aussagen nach Trumps Sieg als Unverschämtheit abtun wollten, sollten inzwischen einsehen, für welchen Idioten sie sich stark gemacht haben.

Deutschland und die USA seien durch gemeinsame Werte verbunden. Sie nannte Demokratie, Freiheit, den Respekt vor dem Recht und der Würde des Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung. „Auf der Basis dieser Werte biete ich dem künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, eine enge Zusammenarbeit an.“Quelle: US Wahl: Angela Merkel erinnert Donald Trump an demokratische Werte – SPIEGEL ONLINE | LINK

Ich weiß, es besteht diesbezüglich wenig Hoffnung. Die Rechten sind halt, wie sie sind. Auch die können Fehler nur schwer einsehen.





Artikelautor: Horst

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!