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Wie ör Sender ihre Macht missbrauchen und das Zuschauerinteresse ignorieren


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Es ist sicher nicht falsch, wenn man sagt, dass Jazz innerhalb der Musikwelt ein gewisses Nischendasein bestreitet. Mancher wird mir dieses »Urteil« möglicherweise auch übel nehmen, weil er sein Herz an diese Musik verloren hat. Aber Jazz ist nun einmal eine Musikrichtung, die erfahrungsgemäß nicht jedem gefällt.

Ich mag Jazz sehr gern. Meine Vorliebe liegt aber im Bereich populärer, »gefälliger« Musik. Dabei – soviel ist klar –  auch das schon wieder Definitions- bzw. Geschmackssache ist. Modern Jazz ist nicht so meins. Aber auch dabei gibts Ausnahmen. Oscar Petersen oder – natürlich – Miles Davis »muss« man mögen.

Zu den Interpreten, die ich gern höre, zählen Till Brönner, den ich schon mehrfach live erlebt habe aber auch Künstler wie Miles Davis, Norah Jones, John Coltrane, Chet Baker, Nina Simone, Jamie Cullum, Billie Holiday, Gregory Porter, Mark Murphy oder auch Bands wie Spyro Gyra und Fourplay. Das sind längst nicht alle, eher ein winziger Teil der Jazz-Künstler, die ich mag und deren Musik ich gern höre.

Übrigens meistens via Spotify. Der Kauf meiner letzten CD liegt wohl schon Jahre zurück. Manchmal überfällt mich deshalb ein schlechtes Gewissen.

Im riesenhaften Musik-Angebot, zumal seit dem die neuen technischen Möglichkeiten um sich gegriffen haben (das Streamen, die allzeitliche Verfügbarkeit so gut wieder jeder Art von Musik), gehen neue Künstler mit ihrer Musik höchstwahrscheinlich schnell »verloren«, einmal ganz abgesehen von den wirtschaftlichen Aspekten dieser Neuerungen, insbesondere natürlich für die Künstler.

Mit dem Erscheinen der Streamingdienste der riesenhaften Angebote von Spotify und Konsorten ist es für die Künstler nicht leichter geworden. Wie schwer es ist, als Musiker in einem solchen Nischensegment auch wirtschaftlich zu überleben, zeigt das Beispiel von Anna-Lena Schnabel (27).

Die junge Frau hat im letzten Jahr mit ihrem Debüt-Album (»Books, Bootles & Bamboo«) den Jazz – Echo in der Kategorie »Best Newcomer« gewonnen.

Für die öffentlich Präsentation der Preisverleihung zeichnet traditionell der NDR verantwortlich. Verliehen wird der Preis vom Bundesverband Musikindustrie e.V.

In diesem Video, das man neben anderen Aufzeichnungen von Auftritten der Künstlerin bei Youtube findet, spielt Frau Schnabel naheliegenderweise eines der Stücke, die auf ihrem o.g. Newcomer-Album zu finden ist. Es ist allerdings just das einzige Stück, das nicht von ihr komponiert wurde.

Man fragt sich sofort, wie das denn sein kann. Die Erklärung ist ebenso einfach wie empörend.

Der NDR übte Druck auf die Künstlerin aus. Sie sollte dieses Stück spielen, weil ihre eigenen Werke »nicht gefällig« genug seien.

Wie verloren sich junge Musiker, selbst von der Qualität dieser Saxophonistin fühlen müssen, demonstriert ja auch, dass sich bisher zu dieser eigentlich ungeheuerlichen Zuschauerbevormundung (Machtmissbrauch ist es zudem) niemand kritisch geäußert hat.

Schnabels Auftritt hätte nicht stattgefunden, wenn sie sich widersetzt hätte.

In einem Artikel von »Zeit online« liest man heute:

Der Preis ist nicht dotiert; das Hotel muss sie vorstrecken, ihr kleines Label Enja soll ihr das Geld später erstatten, worüber dessen Chef Matthias Winckelmann recht erstaunt ist: Dass die Echo-Veranstalter nicht einmal die Übernachtung bezahlen!Quelle: »Der Preis der Anna-Lena Schnabel«: Fernsehen über die Verlogenheit des Fernsehens | ZEIT ONLINE |
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Ihr Bruder musste 70 Euro für den Eintritt bezahlen und zusätzlich noch einmal 40, – Euro, damit er neben seiner Schwester sitzen durfte.

Man kann mit Fug und Recht davon sprechen, dass diese Veranstaltung auf Kosten der Künstler stattgefunden hat!

Dankenswerterweise hat der Dokumentarfilmer Jan Bäumer über diesen Vorgang, der sicher viele Musikfreunde einigermaßen sprachlos machen dürfte, einen 45minütigen Film gedreht.

Er wird heute Abend bei 3Sat um 22:05 Uhr gezeigt. Hier der Link zur Mediathek.

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