Kategorien
Flüchtlinge

Wieder zu Kurz gedacht?

Klingt einfach, was der österreichische Außenminister, Sebastian Kurz, über sein neues Schließungsprojekt im verlinkten Video ausführt.

Dieser Politiker betet seine Lösung runter und erhält einmal mehr großen Applaus. Auch seine klare Haltung gegenüber der Türkei überzeugt viele. Bei ihm ist es anders als bei der zurückhaltenden deutschen Regierung, die für ihren „Schmusekurs“ viel Kritik bekommen hat.

Immerhin hat Gabriel endlich mal den türkischen Botschafter einbestellt. Sonst passiert das gewöhnlich nur anders herum.

Facebook

Mit dem Laden des Beitrags akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Facebook.
Mehr erfahren

Beitrag laden

Aber was hilft die Kurz’sche Alternative, wenn die EU-Kollegen so unbeweglich bleiben? Vielleicht werden viele Jüngere die Nase rümpfen und denken: alte Männer und Frauen halt. Junge Politiker sollten mal ran, die würden das besser können. Politik á la Kurz halt. Aber ich glaube nicht mal, dass viele junge Leute so denken werden. Viele junge Leute stehen auf Europa, Jugendliche sogar, wie ich gestern las, auf Angela Merkel.

Flucht übers Mittelmeer   — (Vergrößern mit Klick)

Aktuell steht die Schließung der Mittelmeerroute im Zentrum der kurz’schen Bemühungen.

Seine Freunde in der EU sind zahlreich. Aber wird das reichen, um seine EU-Kollegen (Victor Orban, Beata Szydło, Bohuslav Sobotka, und Robert Fico mal ausgenommen) von dieser weiteren Schließung zu überzeugen? Wenn wir die Toten, die Not und das Elend nicht zu sehen kriegen, könnte das klappen. Die Schließung der Balkanroute hat es bewiesen. Proteste hielten sich in Grenzen und zwar buchstäblich.

Die nächste Frage könnte lauten: Was schießen wir als Nächstes. Womit wir wieder bei Grenzschließungen der EU-Staaten und bei Obergrenzen angelangt wären.

Obwohl Kurz noch sehr vom Erfolg seines letzten Routenschließungsprojekt beseelt ist und obwohl er bei vielen Grenzfetischisten derart beliebt ist, wird der Kampf mit dem verbleibenden, sich uneinsichtig zeigenden Teil der europäischen Öffentlichkeit, kein leichter werden. Lösungen für die Probleme hat niemand parat. Wir sollten dann aber auch nicht so tun.

Kurz suggeriert schließlich nur, das Richtige tun zu wollen.

Indes steigt die Zahl der Flüchtlinge, die in Italien landet, weiter an. Deshalb verlangt der öffentliche Affekt nach starken (beruhigenden?) Ansagen aus der Politik.

In Deutschland kennen wir das nicht. Die AfD mit ihren „zupackenden Worten“ ist nicht unbedingt das, was die Leute hören wollen. Ihr Geschimpfe beunruhigt sie eher noch mehr.

Da ist Kurz als Regierungsmitglied und neuerdings ÖVP-Chef ein anderes Kaliber. Genau deshalb mögen viele Deutsche Sebastian Kurz wohl auch so gern. Da stimmt es nicht verdrießlich, dass er Schleuser und NGO’s in einen Topf wirft. Kurz sagt immer, „die Menschen“ sollten gar nicht erst zu uns kommen.

Quelle: UNHCR Global Trends 2016

Auch von Innenminster de Maizière wird der Eindruck erweckt, als seien Schlepper und Helfer der Grund für die wieder ansteigende Anzahl von Flüchtlingen.

Andererseits stellen die EU-Außenminister dieser Tage fest, dass in Afrika eine Hungerkatastrophe bevorstehen könnte, die 20 Millionen Menschenleben kosten würde. Betroffen sind die Länder, Jemen, Nigeria, Somalia und der Süd-Sudan.

Ich habe das Gefühl, als vermieden manche Politiker aus Furcht den Gedanken daran, welche Konsequenzen die Flucht von 65 Millionen Menschen aus ihren Heimatländern für Deutschland oder Europa mit sich bringen könnten. Der Kurz-Plan wirkt handfester als das (sorry) etwas hilflos anmutende  Marshallplänchen für Afrika? Das Projekt ist wahrscheinlich ein guter Anfang. Aber wie lange wird es dauern bis eine Wirkung einsetzt, die Einfluss auf das Migrationsproblem nehmen könnte?

Menschen fliehen längst nicht „nur“ wegen Krieg und Gewalt. Vielen stellt sich die Alternative nicht mehr, in ihrem Land zu bleiben und auf Besserung zu hoffen. Ihre Devise heißt deshalb: Fliehen oder sterben. Die Flüchtlingsbewegungen, die vom UNHCR veröffentlicht werden, belegen das anschaulich.

Herkunftsländer Flüchtlinge seit 1980 (UNHCR)  (Klick zur Vergrößerung)

Jeder weiß, dass Kurz‘ Vorschlag vermutlich dazu führen wird, dass die Menschen woanders stranden. Die gleichzeitig geforderte Einstellung des „Fährverkehrs“

Bamf Statistik 31.12.2016

Eine Oxford-Studie vom März 2017 (Autoren: Elias Steinhilper und Rob Gruijters) hat ergeben, dass verstärkte Rettungsaktionen im Mittelmeer eben nicht zu mehr Flüchtlingen führt. Wie das aber mit Studien heute so ist, ihnen wird immer nur von einer Seite geglaubt. Gäbe es eine Studie, die nicht auf dem Bauchgefühl der Menschen beruhte und das exakte Gegenteil „behaupten“ würde, so wäre diese nicht weniger umstritten.

Ein Anfang scheint gemacht:

Facebook

Mit dem Laden des Beitrags akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Facebook.
Mehr erfahren

Beitrag laden

Meine Frau kommt bei Diskussionen zum Thema immer mit dem Todschlagsargument: „Wir können doch nicht alle hier aufnehmen“.  Was soll ich darauf antworten? Klar, können wir nicht! Abgesehen mal von allen existenten technischen, kapazitativen und finanzielle Einschränkungen macht mir die Polarisierung im Land die größten Sorgen. Die Probleme, die wir mit manchen Flüchtlingsgruppen haben, hatte ich genauso wenig kommen gesehen wie die massive Feindseligkeit, mit der viele Deutsche Flüchtlingen und ihren Unterstützern begegnen.

Die Lösung für diese und andere Schwierigkeiten ist, dass wir Europa abriegeln. Flüchtlinge, die es geschafft haben, die EU-Außengrenzen zu überwinden, sollen zum Beispiel nach Libyen zurückgebracht werden. Das macht einigen Europäern aber noch Kopfschmerzen, weil es sich um einen Failed State handelt und die Sicherheit der zurückgeschickten Menschen nicht gegeben ist.

Gelegentlich der G-20 Randale hatte ich ein Gespräch mit irgendeinem linken Krawallkopf mitbekommen. Er wurde gefragt, wo denn für ihn die Aufnahmegrenze für Flüchtlinge liegen würde. Er wich der Frage aus und sagte sinngemäß: „Wir können mit all unserem Wohlstand doch nicht dabei zusehen, wie Millionen von Menschen draufgehen“. Was für ein abstruser Gedanke. Da setzt bei diesem brennenden Menschheitsproblem dieser dumme (linke) Idealist doch tatsächlich darauf, dass Menschen in Deutschland so etwas wie ein Verständnis für Solidarität hätten und das auch noch mit irgendwelchen dahergelaufenen schwarzen muslimischen Hungerleidern? Starker Tobak. Wie naiv kann so ein Gutmensch eigentlich sein, der andererseits vielleicht sogar dabei geholfen hat, PKW’s von Krankenschwestern oder anderen „hart arbeitenden“ Leuten in Hamburg in Brand zu setzen? Dafür könnte Wut ein Motiv sein.

Solche Wut etwa, wie die, die andere (gute deutsche Bürger) spüren, wenn sie Flüchtlingsheime anstecken, Flüchtlinge durch ihre Städte jagen und in den sozialen Netzwerken die menschenverachtende Hetze über Migranten herauslassen.

Kein Wunder, das so viele Leute so wütend sind. Nicht nur, dass keine politischen Lösungen zu entdecken sind. Die EU bleibt völlig zerstritten, Deutschland ist isoliert.

Mancher glaubt, dass sich der Zeitpunkt nähert, an dem wir gezwungen sind, uns mit Waffengewalt gegen Invasoren zu wehren, die uns Deutschland nehmen wollen. So falsch ist das Bild nicht, denn, was passiert mit den Menschen, die vom italienischen Festland wieder zurückgebracht werden nach Afrika, beispielsweise nach Libyen? Interessiert uns, was aus diesen Menschen wird oder liegt vielen nur etwas daran, dass sie nicht nach Deutschland kommen? Viele mögen intellektuell und emotional mit solchen Fragen überfordert sein. Den Eindruck krieg ich, wenn ich manche Kommentare in den sozialen Netzwerken zu solchen Fragen lese. Vielleicht ist es eine Art von ohnmächtiger Wut, die viele dazu verleitet, so unmenschlich über andere zu urteilen. Vielleicht ist es auch nur das, was Henryk M. Broder in alter Zynikermanier „den puren Selbsterhaltungstrieb“ nennen würde?

Wir könnten Alternativen denken. Wir können bereit sein, wirklich zu teilen. Nicht nur, in dem wir an Weihnachten einen Scheck an eine wohltätige Organisation schicken oder per PayPal eine NGO unterstützen. Wir tun das schon heute für hunderttausende von Flüchtlingen und zwar ständig. Über unsere Steuern und Abgaben. Das ist alles richtig. Wir finanzieren damit all die vielen Menschen, die wir bisher schon hier im Land aufgenommen haben.

Und es ist richtig, etwas abzugeben von dem, was wir eigentlich für uns erarbeitet haben. Wir investieren Geld in Menschen, die wir nicht kennen und die uns auch kulturell sehr fremd sind. Ich kann verstehen, dass wir dazu neigen uns vor dem Fremden zu verschließen.

In unserer Gemeinde leben auch viele Flüchtlinge. Sie sind gerade jetzt im Sommer sehr sichtbar. Oft sind es junge Männer. Sie dürfen noch nicht arbeiten. Also verlassen sie ihre Wohnungen und stehen in Gruppen zusammen. Sie fallen auf. Ich kann nachvollziehen, wenn das auf manche verstörend oder beängstigend wirken sollte. Aber es gibt auch andere Geschichten zu erzählen. Beispielsweise die einer syrischen Frau, die 2015 nach Bedburg gekommen ist und jetzt regelmäßig in einer kleinen Regionalzeitung über ihre Erfahrungen in Deutschland schreibt. Ich freue mich über die syrischen (?) Eltern, die uns nachmittags oder früh abends beim Spaziergang mit ihrem kleinen Sohn begegnen, der auf seinem Dreirad fährt. Ich weiß nicht, aus welchem Teil der Welt diese Menschen zu uns gekommen sind und was ihnen vielleicht widerfahren sein mag. Wo sind die Eltern, die Geschwister des Elternpaares, wo die anderen Verwandten? Wie fühlt man sich in einem Land, das so fremd ist? Ich gehöre zu denen, die zu dem Satz: Refugees welcome stehen! Ich habe ein bisschen geholfen, die Leute nach ihrer Ankunft zu versorgen und dabei darüber nachgedacht, welche Schicksale die Menschen dazu veranlasst haben, ihre Heimat zu verlassen. Mit Gefühlsduselei hilft man keinem Menschen. Aber es schadet nicht, sich nur für einen Moment in die Lage der jungen Männer, der Kinder, der Eheleute, all derer, die hierher gekommen sind, hineinzudenken. Vielleicht kann das auch ein bisschen helfen, den Hass und die Ablehnung abzulegen.

1

Von Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 65 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

1 Anwort auf „Wieder zu Kurz gedacht?“

Jede Medaille hat zwei Seiten. Auf der einen Seite das Individuum, auf der anderen eine anonyme Masse von Zuwanderern, Andersartigen, Andersdenkenden, Linken, Rechten, Juden, AfDlern…, auf die sich prächtig einschlagen läßt. War immer so, wird wohl immer so sein, scheint in der Natur des Menschen zu liegen. Er braucht immer einen Sündenbock um persönlichen Frust, den jeder mal irgendwo irgendwann in seinem persönlichen Bereich erlebt, abzulassen. Entscheidend ist, dies zu erkennen, um rechtzeitig für sich persönlich die Reißleine ziehen zu können. Egal, wie sehr ich vor dem Islam in Europa warne, ich setze nicht deswegen keine Flüchtlingsheime in Brand, weil ich Angst vor Strafe habe, sondern aus der Erkenntnis, dass dies der vollkommen falsche Weg ist, irgendein Problem zu lösen.

„Wir können bereit sein, wirklich zu teilen“
Wie das einem Chinesen erklären, der sich vielleicht jahrelang ein weiteres Kind gewünscht hätte, aber nicht durfte und jetzt zusehen soll, wie Einwanderer aus dem arabischen oder afrikanischen Raum sich vor seinen Augen munter vermehren?
Auch meine Bereitschaft, Menschen zu helfen, die sich z. B. aus fanatisch-religiösen Gründen in ihren Ländern ins Abseits manövriert und nicht weiter entwickelt haben, hält sich in Grenzen.
Grundsätzlich wäre es wünschenswert, wenn die Mehrheit in ihren angestammten Ländern bleiben würde. Alles andere ist verantwortungslos – der eigenen Bevölkerung UND den chancenlosen Zuwanderern gegenüber.

Vor allem sollten wir aufhören, ständig unsere deutschen Maßstäbe an andere Länder anzusetzen. Hier ist dies schlecht, dort werden Schwule verfolgt… wir kommen aus der Kritik nicht mehr heraus. GB ist schlecht, Polen, Ungarn, Trump sowieso, nur hier ist alles in bester Ordnung und vorbildlich.
Das ist das tägliche Brot der mittlerweile unzähligen NGO’s: Würden sie wirklich weltweit etwas bewirken, würden sie überflüssig, und daran haben sie selbst das geringste Interesse.

Gute Ratschläge aus Deutschland, geboren aus einer Wohlstandsgesellschaft ohne echte Probleme, finden nicht überall Anklang, wie wir eben wieder aus der Türkei vernehmen. Die haben Null Humor für „Entspannungsübungen für türkische Systemkritiker“ – wie von einem deutschen Verhafteten durchgeführt ?!?

Der Marshallplan für Afrika wird genauso scheitern wie alle anderen „Rettungs“-Aktionen, die Frau Merkel anfaßt. Er ist auch kein Anfang. Hungersnöte gab es in Afrika, seit ich denken kann. Milliarden wurden weltweit über Jahrzehnte eingesetzt, waren höchstens ein Tropfen auf den heißen Stein, versickerten größtenteils. In Afrika wie in Palästina.
Mich hätte interessiert, wie die deutsche Bundesregierung argumentiert, warum das dieses Mal wirksamer sein sollte. Weil man noch mehr Steuergelder in die Hand nimmt? *Hust* Aber das hinterfragt die 4. Gewalt nicht.

Um den äußerst verschiedenartigen afrikanischen Staaten von außen helfen zu können, müssen Sie Kolonialisierung betreiben. Das fällt aus. Hilfe kann also nur von innen kommen, sie müssen es selbst leisten. Solange dies nicht geschieht, werden wir mit unserer Scheckbuch-Diplomatie nur unser Gewissen zu besänftigen suchen, ansonsten weiter „beim Sterben zusehen“.
Das sind leider auch für junge G20-Demonstranten die harten Fakten, denen sie sich ohne Selbstüberschätzung stellen sollten. Ein Kapital, was man selbst nicht erarbeitet hat, kann man leicht verteilen. Die Linken fordern, fordern… jetzt in Hamburg wieder zahlreich das sofortige Abschalten von 20 Kohlekraftwerken. Auf Nachfrage, wo dann der Strom herkommen soll, kann nur ausgewichen werden, was sonst?

Wir können und sollten im Rahmen unserer Möglichkeiten – und dazu kann nicht gehören, Selbstmord zu begehen – immer nur Einzelnen helfen.
Deutschland hat in der Geschichte harte Jahre hinter sich, der Wohlstand ist nicht vom Himmel gefallen, sondern wurde hart erarbeitet. Wir sind Niemandem etwas schuldig.

Warum eigentlich konnte die syrische Frau in Bedburg nicht auf legalem Wege nach Deutschland kommen? Fragen über Fragen an völlig verantwortungslose und unfähige Politiker in D und der EU.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.