Medien   ·  2 Min.

Alles übertrieben

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Ehrlich! Ich bin ein großer Satire- und Kabarettfan, gehöre aber andererseits nicht zu denen, die Hagen Rether auf seine eine gekonnt provokante Art so beschrieben hat: „Sie gehören auch zu denen, die Ihre Eintrittskarte aufheben, um anhand dieser später beweisen zu können, Mitglied des Widerstandes gewesen zu sein“. 


Ich kriege immer mehr das Gefühl, dass jeder Halbsatz eines Politikerinterviews in den betreffenden Redaktionen genauestens auf sein Skandalisierungspotenzial gecheckt wird.

Und es ist so einfach, fündig zu werden.

Es geht dort aber nicht etwa um Journalismus, auch wenn man dies aufgrund des Frontpersonals denken könnte. Es geht um erfolgreiche Unterhaltungsformate. Die erfolgreichsten sind „Heute Show“, „Extra 3“ oder die „Mitternachtsspitzen“. Sie generieren ein Heer von Nachahmern, die das Internet mit allerlei Papperln überfluten, die oft aber längst nicht immer witzig sind.

Ich bin seit Jahren Fan von Satire- und Kabarettsendungen. Ich fand zum Beispiel „Rudis Tagesshow“ göttlich, die Anfang der 1980er Jahre ausgestrahlt wurde. Ich habe mich prächtig amüsiert und war betrübt, als die Sendung 1987 eingestellt wurde.

Für solche Erfolgssendungen braucht man aufgeweckte Mitarbeiter und scheinbar auch den skrupellosen Willen, die Pointe als Selbstzweck zu verstehen und sie notfalls auch über die Wahrheit zu stellen. Getreu dem bekannten Motto: Lieber einen Freund verlieren, als auf eine gute Pointe zu verzichten.

Es scheint uns nicht zu stören, dass in solchen Formaten Menschen vorgeführt und beleidigt werden, die nicht einmal etwas dem Thema des eigentlichen Jokes zu tun haben. Statisten sind lustiges Beiwerk. Es reicht schon, lustig auszusehen oder einen eigentümlichen Dialekt zu sprechen – schon ist der Depp im Kasten – zur Freude der ZuschauerInnen.

Ich finde, es ist an der Zeit die Frage zu beantworten, ob die Kreativität, die wir zur Erschaffung einer häufig so stark konstruierten Wirklichkeit einsetzen, nicht stark zur allgemein beklagten Demokratieverdrossenheit im Land beträgt. Vermutlich nicht weniger, als das zu Recht kritisierte Verhalten mancher Politiker.

Beispiel gefällig?

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Artikelautor: Horst

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!