Autorenmühsal: In Mehr Als 200 Artikel Gegen ARD- Und ZDF – Talkshows Gewettert

Ich frag mich, warum in neurechten Blogs fast jede politische Talkshow im öffentlich-rechtlichen Fernsehen mit miesen, für mich oft unfairen Kritiken quittiert wird. „Maischberger“, „Maybrit Illner“ und „Anne Will“ sind bevorzugte Ziele. Es ist also wohl eine Frage der Relevanz.

Die Quote von Talkrunden wie die „Phoenix Runde“ ist sicher deutlich kleiner. Wahrscheinlich ist die Kritik dieser Talk-Runde deshalb so selten? Womöglich aber auch, weil sie weitaus angenehmer ist, für Zuschauer wie für Kritiker. Vielleicht wird sie sogar nur deshalb mal erwähnt, weil ein guter Freund unter den Teilnehmern sitzt?

Die Berichterstattung über die drei Talkshows hat, wenn ich richtig gezählt habe, jeweils so um die 70 Beiträge im Blog Tichys Einblicke, zum Content beigesteuert. Da kriegt man also noch was für die „Zwangsgebühren“! Ehrliches Journalistenhandwerk.

Wenn sie es nicht tun…

Ich finde allerdings, man merkt es den Autoren an, dass sie diese Sendungen von Herzen ablehnen. Ich habe Konzertkritiken gelesen, bei denen die Autoren ähnlich konditioniert schienen. Ist halt blöd für Klassik-Liebhaber, ein schnödes Pop-Konzert besuchen und beschreiben zu müssen. Den Text mit knapp 1000 Wörtern kriegen sie schon noch hin. Aber Spaß macht das nicht, und der Krieg gegen die öffentlich-rechtlichen Meinungsmonopolisten muss geführt werden.

Autoren und Kommentatoren sind so auffällig gleichgesinnt, dass die dort herrschenden apodiktische Gewissheiten intern gesehen wohl als vollkommen normal durchgehen werden. Das ist für mich ein Ausdruck der Veränderungen in unserer Gesellschaft, die besorgt machen sollte.

Solche Leute, die ihren Widersachern, also den von wirren linken 68er Gutmenschen indoktrinierten Dummköpfe, unvollständige Falschinformationen nachsagen und ihnen Unverständnis und ideologische Verblendung attestieren, ist nur die logische Folge einer gepflegten Meinungsmonokultur. Die Wirkung von Filterblasen haben längst noch nicht alle als gesellschaftskritisches Element unserer Gegenwart verstanden.

Political Correctness

Bei solchen Monomeinungsblogs ist es so, dass political correctness zwar zum Feindbild gehört. Verdammt wird sie, wenns gerade beliebt. Mancher Autor hat sie hinter sich gelassen, empört sich jedoch, wenn „andere“ sie ebenfalls über Bord werfen.

Wehe, man trifft in kontroversen Kommentaren einen Ton, der den Boden der political correctness verlässt! Die Kommentare werden dann noch schneller gelöscht, als diejenigen, die etwa nur unterschwellige Kritik äußern. Ich kann ein Lied davon singen.

Die political correctness ist noch nicht abgeschafft, sie befindet sich längst noch nicht „auf dem Müllhaufen der Geschichte“, wie die AfD es allen gern vorschreiben wollte.

Worum geht es den Steuermännern rechter Blogs?

Es ist das Niedermachen eines TV-Formates mit Einfluss. Politische Talkshows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen haben ihr Publikum.

Rechte Blogs ködern auch mit ihren Verrissen dieser Talkrunden, die aufgrund der Quotenhörigkeit der öffentlich-rechtlichen Sender für „die Mitte“ konzipiert sind, ihre rechten Anhänger. 

Trotz der Kritik, denen wir in den sozialen Netzwerken und manchen Foren begegnen, finden sie ein breites Publikum. Sechzig plus X Minuten politische Allgemeinplätze, wenig Substanz, wenig Tiefgang. Trotzdem, es sind die überwiegend liberalen Positionen, die in solchen Runden wirken, Positionen einer offenen Gesellschaft, die den Rechten ein Dorn im Auge sind.

Rechte Blogger haben offenbar ein anderes Verständnis von Demokratie

Mich stört und irritiert, dass die dortigen Leser/innen alles schlucken, was die Damen und Herren Vorkoster ihnen kredenzen. Das erkennt jeder, der es sich antut, die Kommentarspalten zu lesen. Dort herrscht im Hinblick auf Meinungsvielfalt eine erschreckende Monokultur. Es kommt mir so vor, dass auch in manchen Kommentarspalten großer Medien Rechte die Meinungsführerschaft mehr und mehr übernehmen. Bei einigen sehe ich es inzwischen als zwecklos an, dort überhaupt noch zu kommentieren. Ich gebe allerdings zu, dass ich mich meinerseits im Ton nicht zurückhalte. Wenn Ulf Poschardt neulich in einem Newsletter meint, wir sollten uns mehr Mühe geben und zivilisierter miteinander umgehen, so habe ich dazu heute meine eigene Meinung:

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Mich erschrecken nicht die sich diametralen Ansichten über die Probleme unserer Zeit und der Gesellschaft und ihre recht einseitige Bearbeitung. Der stets gegenwärtige penetrante Vorwurf gegen alle die anders denken, stößt mich total ab. Nur das ist der Grund dafür, dass ich mich nicht zurückhalte, wenn es um Grenzen geht, die manche penetrant überschreiten.

Diese Haltung verstört mich, obwohl ich schon mittlerweile schon einiges erlebt habe. Zum Glück finden die Scharmützel im virtuellen Raum statt. Aber wir treffen mehr und mehr auch im wirklichen Leben auf unvereinbare Positionen. Die Neigung zu extremen Meinungen und Verschwörungstheorien nehmen zu.

Es ist mitunter unterhaltsam oder lustig, mit Leuten zu diskutieren, die einem freimütig die Quelle ihre Weisheiten nennen. Nein, die lachen dabei nicht. Und das ist wiederum einfach nur erschreckend.

Zukunft

Keine Ahnung, ob wir irgendwann in der Lage sein werden, die Kommunikationssysteme, die uns heute zur Verfügung stehen, zu beherrschen. Stichwort: Medienkompetenz. Haben wir noch Zeit zu beweisen, dass uns das ohne staatliche Eingriffe gelingt? Kriegen wir die Wild-West-Szenerie in zivilisierte Bahnen gelenkt? Oder eskaliert die Sache, und wir verlieren das, was ich als besonders hohes Gut in meinem Leben schätzen gelernt habe? Höre ich etwa: „Der glaubt tatsächlich, wir lebten in einer Demokratie“? Typisch, solche Sprüche. Sie werden auch von denen gesagt, die sich nach eigenem Bekunden schon darauf freuen, Mitglieder unserer Regierung und alle die mitgemacht haben, zur Rechenschaft zu ziehen. Woran erinnert das?

Ist es nicht eigenartig, dass sich Gesellschaften in einem solchen Ausmaß polarisieren? Theoretisch müsste mehr Kommunikation doch vielmehr zu einem besseren gegenseitigen Verstehen führen.

Vielleicht vergeht das und die Dinge normalisieren sich mit der Zeit. Hoffentlich haben wir Zeit? Wenn ich den technischen Fortschritt einerseits mit Wohlwollen, andererseits auch mit Skepsis verfolge, so macht mich das – allein schon wegen des irren Tempos – nicht besonders optimistisch.

Wir Menschen sind so analog wie nur irgendetwas. Die Leute lachten damals herzlich, als Angela Merkel über das Internet sagte, es sei noch #Neuland für viele. Sie lachen immer noch. Wahrscheinlich haben sie nicht verstanden, dass wir noch verdammt viel lernen müssen.


Update: 10.04.

„Hart aber fair“ habe ich vergessen. Diese Sendung sehe ich mir ziemlich selten an. Gestern aber doch. Es war echt furchtbar. Und das findet natürlich auch Tichys Einblick. Allerdings doch – wie überraschend – wieder aus anderen Gründen als ich.

Autor Wallasch „stiehlt“ die spaltende Aussage des Hamed Abdel-Samad und verwendet sie als Überschrift seines Artikels: „Mit dem Wertesystem des Islam gibt es kein Zusammenleben“. Damit weiß eigentlich jeder, worum es in seinem Artikel gehen wird.

Horst Schulte

Irgendwann Anfang der 2000er Jahre habe ich mit dem Bloggen angefangen. Es ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo.

horstschulte.com · bedburgisches.de · blogmemo.de

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