Die harsche Kritik der linken Mitte gefährdet die deutsche Autoindustrie

Ich kann nicht glauben, was Ulf Poschardt heute Abend vom Stapel gelassen hat. Sein Stichwort „PS-Antipatriotismus“ macht klar, für wen der Welt Chef seinen Artikel geschrieben hat. Den deutschen Patrioten.

Grotesk aber ist – und geradezu unverantwortlich – der destruktive Lärm des Öko-Jakobinertums, das vor allem in subventionierten Biotopen funktioniert.

Ulf Poschardt

Die deutschen Patrioten werden entzückt sein. Die haben von Anfang an die Meinung vertreten, dass die öffentliche Resonanz auf die Betrugsfälle der Autoindustrie übertrieben wäre. Diese Leute machen den Großteil der Welt-Leserschaft aus. Poschardt selbst kriegt für seine Positionen nicht immer Beifall. Er ist denen vermutlich zu liberal. In diesem Fall ist die Zustimmung zu Poschardts Artikel (ganz unten) bereits jetzt (kurz nach der Veröffentlichung) positiv.

Autoliebhaber Poschardt mag nicht, dass die „linke Mitte“ Kritik am Verhalten unserer wichtigsten Industrie übt.

Die Arschlöcher in Nadelstreifen betrügen seit Jahren ihre Kunden und Mitarbeiter und Porscheliebhaber Poschardt schließt sich dem Wehklagen und den Drohungen von VW-Chef Herbert Diess an.

Blamabel

Poschardt spielt die Skandale herunter: „Das Sündenregister der Autoindustrie ist blamabel.“

Poschardt stellt sich offenbar einen großzügigeren Umgang mit diesen Verbrechen vor? Wir sollten unsere Empörung drosseln, in uns gehen und angesichts von sehr vielen bedrohten Arbeitsplätzen mit dem Schwamm drüberwischen?

Poschardt empfiehlt uns, der „linken Mitte“ es unseren rechten Kameraden gleichzutun und aus patriotischen Gründen die Dimension dieser systemimmanenten betrügerischen Schweinereien ein bisschen lockerer nehmen. Mir fällt dazu nichts mehr ein! Der Mann hat einen Knall.

Passend zum Beitrag:
Milliarden von Menschen, die auch möchten, dass es ihnen und ihren Kindern mal besser geht

Poschardt sorgt sich um die deutsche Schlüsselindustrie, deren moralische Verkommenheit in diesem schwierigen Kontext nicht so hochgespielt werden darf. Er warnt, dass wir, die linke Mittelschicht, uns mit unserer Empörung am Ende doch nur wieder selbst ins Knie ficken. Was ja im Grunde ja nichts anderes heißt als: Ihr habt gegen die ohnehin keine echte Chance. 

Denn wenn all die Menschen nach dem Rückbau der verbliebenen deutschen Industrien arbeitslos auf deutschen Straßen stehen, ist keinem geholfen. So zynisch das auch ist, vielleicht hat der Mann mit seiner Mahnung zur Vorsicht ja Recht?

Seinen Aufruf zur „Besonnenheit“ in diesem vergeblichen Kampf gegen das Großkapital, in dem wir von der Politik NULL Unterstützung erwarten dürfen, hätte er nur noch diesen Satz hinzufügen müssen:

Spart euch die Kritik, kehrt statt dessen eure Groschen zusammen, und nutzt die großzügig „gesponserten“ Angebote der Autoindustrie. Die meinen es schließlich nur gut mit euch!





5 Gedanken zu “Die harsche Kritik der linken Mitte gefährdet die deutsche Autoindustrie”

  1. Es gibt höhere Werte als Arbeitsplätze, das werden manche Leute nie verstehen.

    Ich denke, dass dieser ganze Skandal rund um Betrugssoftware (typisch, dass es oft „Schummelsoftware“ heißt) einen gar nicht kleinen Beitrag zur allgemeinen Politikverdrossenheit geleistet hat – insbesondere auch, wie die Politik damit umgeht.

    „Moralische Verkommenheit“ zeigt sich an vielen Stellen – und wenn „oben“ immer öfter dabei ist, sieht „unten“ immer weniger Grund, sich anständig zu benehmen.

    • Zu Beginn waren viele dazu geneigt, diesen Skandal herunterzuspielen. Dabei waren durchaus nationale Motive erkenntbar. Ich war noch ein bisschen unentschieden. Danach hat allerdings genau das eingesetzt, was du beschreibst. Ich glaube nämlich auch, dass dieses „Zusammenwirken“ von Autoindustrie und Politik sehr viel Vertrauen gekostet hat. Nichts hat den Grad von Korruption in unserem Land so sichtbar werden lassen, wie diese elende Betrugsstory. Und jetzt wollen die uns Angst machen, weil die Reaktionen genau darauf ihre Geschäfte „beeinträchtigen“ könnte. Dabei ist das nicht mal ausgemacht, so wie sich die Politik heute noch dazu verhält. Diese feigen Memmen tun nix.

  2. „der destruktive Lärm des Öko-Jakobinertums“
    Hach wie putzig, solche sprachlichen Folgen politischer Selbst-Enthirnung mancher (ähhh…) „Journalisten“ lesen zu dürfen.

    • So schön können das nur springersche Intellektuelle ausdrücken. Dabei ist Ulf Poschardt, wenn es nicht gerade um Autos geht, noch einer der liberalsten Chefredakteure, die dort vielleicht je gearbeitet haben.

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