Da bin ich mit Julian Reichelt von der BILD mal ganz einer Meinung:

Den Kollegen von und wünsche ich alles Gute und viel Erfolg für ihr neues Paid-Content-Modell und den Mut, für alles Herausragende dann auch wirklich Geld zu verlangen. Der Spiegel ist immer noch zu gut und zu wichtig, um sich zu verschenken. Good luck!

Es kann nicht ewig so weitergehen, dass qualitativ hochwertige Beiträge für umme angeboten und konsumiert werden können. Darunter müssen auf Sicht auch wir Verbraucher leiden. Das werden die meisten sicher einsehen.

Ich finde, dass man sich allerdings intelligentere Systeme einfallen lassen sollte. Die jetzigen adaptieren meines Erachtens die Bezahlsysteme aus der »alten Welt« viel zu linear auf das Internet.

Was ich damit meine?

Ich werde auf gar keinen Fall die Zahl meiner Abos weiter ausweiten, nur weil jetzt mehr und mehr Onlineangebote bezahlpflichtig werden. Schließlich muss ich finanziell haushalten. Auch, wenn ich mich jetzt zunehmend damit schwer tue, mich für das eine oder das andere Angebot zu entscheiden. Ich will kein Abo zum Beispiel bei der NZZ, beim Spiegel und bei Welt-Online und wer weiß wo noch. Dafür habe ich mein Abo der Printausgabe des Kölner Stadt-Anzeige nach 42 Jahren nicht gekündigt, um mich jetzt auf die vielen guten Online-Angebote zu verlegen. Das war nur solange ok, solange diese noch überwiegend kostenlos waren.

Jetzt heißt es, eine Entscheidung zu treffen.

Lieber wäre es mir, ich könnte á la Blendle.com oder Piqd die Artikel, die mir von anderen empfohlen werden oder die ich als besonders interessant identifizieren könnte, auswählen, bezahlen und lesen könnte. Leider stelle ich fest, dass einige Verlage bzw. Online-Angebote sich von Blendle wieder zurückgezogen haben. Ich kenne die Begründung für diese Maßnahme nicht, könnte mir aber vorstellen, dass die Motive mit den internen Überlegungen über diverse Bezahlsysteme zusammenhängen. Es macht natürlich keinen Sinn, Abos für relativ viel Geld anzubieten und gleichzeitig ausgewählte oder gar alle Artikel via Blendle zur Verfügung zu stellen.

Was meinen Sie zu dieser Entwicklung im ehemaligen »Blätterwald«?

Irgendwann Anfang der 2000er Jahre habe ich mit dem Bloggen angefangen. Es ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo.

horstschulte.com · bedburgisches.de · blogmemo.de

Dieser Beitrag hat 8 Kommentare
  1. Ich hatte nie ein Zeitungs-Abo (meine Eltern hatten so etwas mal vor Jahrzehnten) und habe, wenn überhaupt, dann bloß gelegentlich mal ein Blatt gekauft. Meist Wochenzeitungen.
    Ich finde es jedenfalls interessant, dass den Verlagen (es sind ja nur zwei oder drei, die den Zeitungsmarkt unter sich aufgeteilt haben) seit gut zwanzig (20!) Jahren kein Geschäftsmodell eingefallen ist, wie sie im WWW mit ihren Publikationen Geld verdienen können. Es muss ihnen wohl gut gegangen sein.

    Wahrscheinlich hat bisher permanentes und intensivstes Lobbyieren gereicht, um via willfähriger Gesetzgebung die monetären Interessen durchgesetzt zu bekommen, nebst der gebetsmühlenhaften Fantasterei über das sogenannte »Gratis-Web«, das beendet werden müsse — das es aber tatsächlich nie gab. /Rantmodus beendet.

    Nein, auch ich kann mir nicht so recht vorstellen, wie zahlbares Zeitungswesen erfolgreich aussehen könnte.

    Problematisch ist doch Folgendes:

    Ich kaufe eine Zeitung (Papier). Dafür zahle ich einen Betrag, täglich. Ich lese in dieser Zeitung die Artikel, die mich vorrangig interessieren. Ich blättere meist seriell durch und stoße dabei natürlich auf weitere Artikel, die ich ebenfalls lese, an die ich vorher gar nicht gedacht hätte. Und zwar einfach deswegen, weil ich zufällig darauf stoße!
    Das funktioniert online am Bildschirm schon nicht so gut, denn dort klicke ich das an, was mich interessieren könnte, aber ich stoße eher weniger zufällig auf andere Artikel (oder gar ganze Themen). Das Onlineangebot ist ja fast immer kategorial aufgeteilt.
    Der Online-Zugriff ist wohl einfach selektiver als der meist serielle Zugriff aufs Printprodukt.

    Wie soll da die Bezahlung funktionieren? Pro Artikel? Wie würde sich das »anfühlen«?
    Anders gefragt: Wie wäre es, wenn ich im Restaurant nicht für das Menü bezahle, sondern (Menü-) Schritt für Schritt:

    Kunde hat das Schnitzel angeschnitten: Klick – 2,95 €
    Jetzt sticht er ein Pommes-Stäbchen auf: Klick – 0,25 €
    Eben nimmt er Salat auf die Gabel: Klick – 0,37 €
    Er trinkt einen Schluck Bier: Klick – 0,19 €

    Man hätte – im übertragenen Sinn – ständig die Registrierkasse im Ohr, während man liest, und am Ende der Morgenlektüre bekäme man die Summe aufgelistet, die abgebucht wird.

    Würdest du so Zeitung lesen wollen?

    Dann: Macht eine »Tages«-Zeitung in einem fließenden Onlinemedium überhaupt Sinn?

    Vielleicht könnte ich mir so etwas wie einen permanent in Aktualisierung befindlichen News-Feed vorstellen, den ich je nach gerade für mich aktueller Interessenlage unmittelbar thematisch steuern oder gewichten kann. Dann wäre wieder ein Abo-Modell denkbar.

  2. Keine Ahnung, ob wir bei dieser Art von revolutionären Umbrüchen unterstellen sollten, dass es den Verlagen zu gut gegangen wäre. Wahrscheinlich hat »man« darauf gesetzt, dass die Politik das schon irgendwie richten würde. Aber das Internet und seine Nutzer sind nichts, worauf sich so einfach Einfluss nehmen ließe.

    Die Beschreibung zeigt das Dilemma. Einerseits finde ich es gut, auf kuratierte Artikel einzugehen und mich vielleicht davon sogar etwas tragen zu lassen. Andere werden sagen, ich will aber nur das lesen, worauf ich selbst aufmerksam werde und was mich interessiert. Vielleicht schließt das eine das andere ja auch nicht aus. Aber die Vorgehensweise, die du mit deiner Klickliste beschreibst, würde natürlich nicht funktionieren.

    Ich brauche zuerst einen Aufmacher. Was ist gerade passiert in Italien hinsichtlich der Regierungsbildung. Dann suche ich mir dazu einen oder ein paar Artikel aus, die ich darüber lesen möchte. Dafür brauche ich zunächst sowas wie ein Aggregat. Noch gibt es sowas ja. Dieses bewusste auswählen bzw. Themensetzen ist natürlich nicht annähernd vergleichbar mit dem bisherigen Durchblättern von Tageszeitungen, Wochenmagazinen oder anderen Publikationen im Printbereich. Ärgerlich ist jedenfalls, wenn man jetzt bei den großen Online-Angeboten auf interessant scheinende Artikel stößt und dann auf eine PayWall trifft. Wahrscheinlich wird es aber diese Komplett – Angebote mit Magazin-oder Tageszeitungscharakter doch auch in Zukunft geben. ?

    1. »Ärgerlich ist jedenfalls, wenn man jetzt bei den großen Online-Angeboten auf interessant scheinende Artikel stößt und dann auf eine PayWall trifft.«

      Genau da sehe ich eine große Problematik. Ich bin ziemlich sicher, dass dieses Anteasern mit nachfolgender Zahlungsaufforderung als Zahl-Modell nicht funktionieren wird. Die Reaktion darauf wird eher ablehnend sein. »Was, jetzt, wo ich Lunte gerochen habe, soll ich zahlen? Nö, dann mal lieber nicht.« Das löst, glaube ich, eher eine Trotzreaktion aus. Zumindest bei mir.

      Ich vermute, am ehesten funktionieren Modelle, die von vornherein nicht kostenlos sind und dabei meinem gewünschten Lesemodell entsprechen. Welches auch immer das sein mag…

      Einzelartikel-Modelle sehe ich eher so, wie jetzt bei der Stiftung Warentest – wo ich das auch akzeptiere und schon mehrfach genutzt habe: Ich bekomme für einen Einzelpreis eine in sich abgeschlossene Informationseinheit (einen Testbericht), die mich jetzt akut interessiert.

  3. Den Spiegel habe ich vor Jahren regelmäßig gekauft. Trotzdem habe ich selten das Heft durchgearbeitet, außer im Urlaub. Heute kaufe ich mir überhaupt keine Magazine mehr. Vor dem Internet habe ich regelmäßig Computerhefte gelesen und verrückt viel Geld dafür ausgegeben. Sowas braucht man heute überhaupt nicht mehr. Das Internet hat uns verdorben und eine Kostenloskultur etabliert gegen die die Verlage wohl kaum mit den bisherigen Methoden und Versuchen nicht ankommen werden. Da stimme ich dir zu. Die wachsende Skepsis gegenüber den »Systemmedien« (was immer das ist) machen es nicht leichter, für gute Inhalte akzeptable Preise zu erzielen. Woher werden wir künftig qualifizierte und halbwegs neutrale Informationen und Nachrichten erhalten? Wenn die Strukturen nämlich zerschlagen sind, wird auch die Welt des Journalismus eine ganz andere sein. Ich weiß gar nicht, ob diese schöne neue Internetwelt das alles eigentlich kompensiert bekommt.

  4. Diese Plus-Abos kommen für mich nicht in Frage. Ich will nur für das zahlen, was ich auch lesen will – und verstehe nicht, warum sich die Verlage seit 20 Jahren weigern, das in ihren Online-Präsenzen umzusetzen. Das verstorbene SPIEGEL-Angebot »Later pay« ging in diese Richtung, war allerdings insofern ein Rohrkrepierer, als man sich für die ersten 5 Euro nicht anmelden musste. Das basierte dann allen Ernstes auf Cookies – die bei mir sowieso bei Schließen des Browsers gelöscht werden.
    Statt dessen hätten sie doch alle BLENDLE pro Artikel einbinden können – oder eben ein eigenes gemeinsames Blendle erschaffen, wenn es ihnen nicht behagt, einem holländische StartUP Provisionen abzugeben.

  5. Bei BLENDLE fand ich es im übrigen auch suboptimal, dass da Artikel drin waren, die draußen kosenlos zu lesen waren. Immer erst einen Headline-Check zu machen, fand ich blöd.
    ZEIT und WELT scheinen raus gegangen zu sein.

    1. Die Fälle, dass Blende-Artikel kostenlos im Netz zu lesen waren, kenne ich auch. Es handelte sich nicht um Ausnahmen – leider. Ich finde kuratierte Artikel eigentlich gut. Natürlich sind Empfehlungen additiv. Sie ersetzen nicht die »Verantwortung«, sich selbst die gewünschten Informationen zum Zeitgeschehen zu beschaffen. Für viele scheint das allerdings ein Problem zu sein. Ich sage das ohne Hochmut. Aber wenn ich die einschlägigen Blogs so anschaue und die Thesen lese, die Leser dort vertreten, wird mir regelmäßig schlecht. Auch wenn ich grundsätzliches Verständnis für die Kritik an Medien habe, die Richtung, die die »Systemkritik« nimmt, ist längst demokratiegefährdend. Wer mit solchen Überlegungen auf solche Leute zugeht, wird als Dummkopf und Naivling abgetan, weil er ja nur das glaubt, was ihm das System an die Hand gibt. Rumspinnen ist halt viel attraktiver.

      Mir zeigen diese Entwicklungen auch, wie wichtig ein funktionierender Journalismus wäre. Dazu gehört auch eine faire Bezahlung.

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