Ich habe das Gefühl, der Verfassungsschutz hat nicht die Rechten unterwandert, sondern die Rechten den Verfassungsschutz.

Jedenfalls hat der Chef des deutschen Inlandsgeheimdienstes erreicht, worum sich die AfD auch schon seit Jahren bemüht. Beide untergraben mit ihren Vorwürfen erfolgreich die Reputation unserer Medien.

Was wir bei aller durchaus berechtigen Kritik im Blick haben müssen, ist, dass eine Demokratie ohne unabhängige Medien, ohne frei Presse nicht funktionieren kann.

Hans-Georg Maaßens unerhörte Vorwürfe richten sich unausgesprochen auch gegen die politischen Parteien, die ihm und seiner Behörde nicht gerade wohlgesonnen sind.

Maaßen mag antizipieren, was das Ergebnis weiterer Nachforschungen des erst Ende August 2018 aufgedeckten Sachverhaltes im Fall des Berliner Attentäters Anis Amri und der Verbindungen zum Verfassungsschutz für ihn bedeuten würde. Vielleicht reagiert er deshalb nach dem Motto: „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert“.

Mit seiner „Aktion“ unterstützt er die infamen Absichten der Demokratiefeinde in Deutschland, die aufgekommene Politikverdrossenheit und vor allem natürlich die kritische Distanz zu allen Medien im Land.

Die Wirkung war ihm bewusst, er hat das Interview mit BILD in kalkulierter Absicht geführt. Die Öffentlichkeit hat – was sonst? – sein Spiel gespielt.

Menschen wie Maaßen kennen die Spielregeln und wissen sie in einer offenen Mediengesellschaft für sich zu nutzen.

Dass wir alle auf sowas hereinfallen ist nicht gerade schmeichelhaft.

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Irgendwann Anfang der 2000er Jahre habe ich mit dem Bloggen angefangen. Es ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo.horstschulte.com · bedburgisches.de · blogmemo.de

6 Kommentare

  1. Ich bin überzeugt, dass Herr Maaßen mit dem Werkzeug seines Dienstes tatsächlich eine politische Agenda hat bzw. verfolgt, dass er als politischer Wegbereiter für rechtsextreme Kräfte im informationellen Hintergrund fungiert. Spätestens seit den in ihrer Gesamtheit obskuren Vorgängen rund um den „NSU“ hat sich dieser anfangs noch ominöse Verdacht für mich Fall für Fall bekräftigt.

    Man könnte auch beobachten, dass er um so offensiver im Vordergrund auftritt, je etablierter sich rechtsextreme Protagonisten (der AFD) in der offiziellen politischen Sphäre eingenistet haben und ihre Agenda aus Rassismus, Hass, Lügen und Zersetzung betreiben.

    Er wirkt auf mich wie jemand, der jetzt seine Zeit kommen sieht…

  2. Zustimmung! Stell dir vor, Maaßen müsste zurücktreten. Eigentlich wäre dann auch Seehofer fällig, weil er sich als sein direkter Vorgesetzter vor ihn gestellt hat.

    Die Lage könnte schon bald virulent werden, also vor den bayerischen Landtagswahlen. Würde Merkel Seehofer rauswerfen, könnte die Union endgültig zerbrechen. Das aber wird weder Merkel wollen, noch die Bayern. In Berlin würde dadurch nur die AfD gewinnen, in Bayern wären die Auswirkungen vielleicht nicht einmal so schlimm (die CSU liegt ohnehin bei nur noch 36%).

    Spannende Zeiten und beängstigend allemal.

    • Na ja, Menschen wie Hort Seehofer (und leider fast alle anderen Berufspolitiker auch) sind völlig rücktrittsresistent. Die drehen sich Wahrheit und Ereignisse einfach immer so hin, dass sie selbst immer ‚aus dem Schneider‘ sind. Darüberhinaus sind sie totale Opportunisten.

      Was Maaßen angeht, passiert das, was ich vermutet habe:

      Er stellt es einfach so dar, als sei er missverstanden worden. Schuldlos natürlich, die Medien sind fraglos für das Missverständnis verantwortlich.

      Das ist die übliche billige Masche – Täterlogik – und absolut durchschaubar. Schade, dass es auch diesmal wieder funktionieren wird – es ist eben eine verschworene Clique, die sich da gefunden hat: Parlam. Kontrollgremium, Bundesinnenminister…

      M.a.W. den Medien wird indirekt noch mehr Verlogenheit unterstellt.

  3. Ja, es wirkt alles für die „andere Seite“, die dunkle Seite. Ich habe mir diese gespenstigen Auftritt der Rechten in einem unkommentierten Video am gleichen Abend reingezogen. Es ist unheimlich und wenn man in den sozialen Netzwerken oder auch in den Kommentarspalten großer Online-Angebote unterwegs ist, kann einem schon angst und bange werden. Hoffentlich täuscht mein Eindruck und ich bin nicht selbst einer Opfer selektiver Wahrnehmung. Ein Wunder wäre das nicht.

    • Eben lese ich gerade auf der Tagesschauseite:
      „Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen hat seine Äußerungen im Zusammenhang mit fremdenfeindlichen Vorgängen in Chemnitz mit der Sorge vor einer Desinformationskampagne begründet.“

      Das ist ja total unlogisch, oder?

      Die einzige Desinformationskampagne rund um Chemnitz stammt von ihm!

      Wie will er denn aus Sorge vor seiner eigenen, selbst angestoßenen Desinformationskampagne dieser mit seinen eigenen Äußerungen begegnet sein?

  4. Er hat selbst Desinformation im Interesse der rechtsextremen AfD und der „Mitspieler“ in diesem politischen Milieu betrieben. Dafür gibt es nur eine Konsequenz. Der Mann muss entlassen werden. Sein Chef gleich mit. Der hat dieses Vorgehen nämlich – aus Gründen – unterstützt. Bei Sprengsatz habe ich gelesen, dies sei der 3. Versuch gewesen, Merkel loszuwerden. Ich bin kein Fan von Verschwörungstheorien. Aber ich glaube, da könnte was dran sein.

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