Nicht, dass ich persönlich den öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ORR) für überholt halte oder der Ansicht wäre, er solle abgeschafft werden. Ich trete immer wieder für den ÖRR ein. Anlass dafür gibt es gerade in den sozialen Medien genug.

Die Lobeshymnen, die von Mitarbeitern wie Sonja Mikisch oder Tom Burhow in diesen Tagen gesungen wurden, kann ich aber nur bedingt teilen.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von Facebook nachzuladen.
Inhalt laden

CjxkaXYgY2xhc3M9IndwZXgtb2VtYmVkLXdyYXAgd3BleC1jbHIiPgo8ZGl2IGlkPSJmYi1yb290Ij48L2Rpdj4KPHA+PHNjcmlwdD4oZnVuY3Rpb24oZCwgcywgaWQpIHsgIHZhciBqcywgZmpzID0gZC5nZXRFbGVtZW50c0J5VGFnTmFtZShzKVswXTsgIGlmIChkLmdldEVsZW1lbnRCeUlkKGlkKSkgcmV0dXJuOyAganMgPSBkLmNyZWF0ZUVsZW1lbnQocyk7IGpzLmlkID0gaWQ7ICBqcy5zcmMgPSAnaHR0cHM6Ly9jb25uZWN0LmZhY2Vib29rLm5ldC9kZV9ERS9zZGsuanMjeGZibWw9MSZ2ZXJzaW9uPXYyLjEyJzsgIGZqcy5wYXJlbnROb2RlLmluc2VydEJlZm9yZShqcywgZmpzKTt9KGRvY3VtZW50LCAnc2NyaXB0JywgJ2ZhY2Vib29rLWpzc2RrJykpOzwvc2NyaXB0PjwvcD4KPGRpdiBjbGFzcz0iZmItdmlkZW8iIGRhdGEtaHJlZj0iaHR0cHM6Ly93d3cuZmFjZWJvb2suY29tL3RhZ2Vzc2NoYXUvdmlkZW9zLzEwMTU2MzM5MjQ0NjM0NDA3LyIgZGF0YS13aWR0aD0iOTgwIj4KPGJsb2NrcXVvdGUgY2l0ZT0iaHR0cHM6Ly93d3cuZmFjZWJvb2suY29tL3RhZ2Vzc2NoYXUvdmlkZW9zLzEwMTU2MzM5MjQ0NjM0NDA3LyIgY2xhc3M9ImZiLXhmYm1sLXBhcnNlLWlnbm9yZSI+PHA+PGEgaHJlZj0iaHR0cHM6Ly93d3cuZmFjZWJvb2suY29tL3RhZ2Vzc2NoYXUvdmlkZW9zLzEwMTU2MzM5MjQ0NjM0NDA3LyI+S29tbWVudGFyIHp1ciBEZWJhdHRlIMO8YmVyIMOWZmZlbnRsaWNoLVJlY2h0bGljaGU8L2E+PC9wPgo8cD4mcXVvdDtXaXIgw5ZmZmVudGxpY2gtUmVjaHRsaWNoZW4gc2luZCBEaWVuZXIgZWluZXIgR2VzZWxsc2NoYWZ0LCBkaWUgaW5mb3JtaWVydCwgdW50ZXJoYWx0ZW4gdW5kIGF1Zmdla2zDpHJ0IGJsZWliZW4gd2lsbC4gV2VpbCBkaWUgR2VzZWxsc2NoYWZ0IGFiZXIgaW1tZXIgbWVociB6ZXJicsO2c2VsdCwgaW4gaW1tZXIga2xlaW5lcmUgR3J1cHBlbiwgaXN0IGVpbmUgZ2VtZWluc2FtZSDDlmZmZW50bGljaGtlaXQgc28gd2ljaHRpZyZxdW90OyAmIzgyMTE7IFNvbmlhIE1pa2ljaCBrb21tZW50aWVydC48L3A+CjxwPlBvc3RlZCBieSA8YSBocmVmPSJodHRwczovL3d3dy5mYWNlYm9vay5jb20vdGFnZXNzY2hhdS8iPnRhZ2Vzc2NoYXU8L2E+IG9uIE1pdHR3b2NoLCAyOC4gRmVicnVhciAyMDE4PC9wPjwvYmxvY2txdW90ZT4KPC9kaXY+CjwvZGl2Pgo=
[symple_spacing size=“30″]

Die Adjektive, die mir einfallen, wenn ich an den ÖRR denke, sind heute nicht mehr nur positiv. Es gibt eine Menge an diesem viel zu großen System auszusetzen.

Davon abgesehen hat sich eben viel verändert. Dazu gehört nur am Rande, dass der ÖRR in vielen Ländern Europas von rechts-nationalistischen Parteien voller Argwohn betrachtet wird. Die Redakteure/innen haben demnach überwiegend eine linksliberale Gesinnung (Der „Staatsfunk“ ist demnach link-grün-versifft, um die politisch unkorrekte Beschreibung der Pegida und AfD zu nennen). Dass gerade die, die sich über Einschränkungen bei der Meinungsfreiheit am lautesten beklagen, politische Gegner mit solchen Mitteln kaltstellen, ist schon besonders.

Pis, Fidesz, FPÖ, SVP, AfD sind massiv auftretende Gegner der Öffentlich-Rechtlichen. Die Argumente und die Vorgehensweise gegen den ÖRR mag man richtig finden. Die Motive, die diese rechte Phalanx eint, haben mit Demokratie so direkt allerdings wenig zu tun. Diese Rechten wollen politische Gegner loswerden. Der ÖRR verfügt trotz der stark veränderten Marktsituation über ein Riesenpublikum. Genau das ist das Hauptmotiv der Rechtspopulisten.

Ein wiederkehrender Kritikpunkt ist die fehlende Neutralität und Objektivität. Der Vorwurf kommt nicht etwa von allen Oppositionsparteien, sondern interessanterweise von den Rechtspopulisten!

Es gibt sogar einen Journalisten, der die vermisste Objektivität bei ARD und ZDF dafür verantwortlich macht, dass die polnische Regierungspartei PiS die Redaktionsstuben des Landes ausgemistet hat.

Bei Alexander Wallasch, Tichys Einblick, klingt das so:

Maischberger, ARD und Weltspiegel wollen also sagen: Der ÖRR in Deutschland ist wichtig, weil wir den kritischen Blick auf die Regierung garantieren? Das eben genau nicht zu tun, ist hierzulande allerdings der Hauptkritikpunkt der Gegner des ÖRR und ihrer Zwangsgebühren. So betrachtet wäre also der ÖRR in Deutschland sogar Vorbild für das polnische Fernsehen gewesen. Was für ein Eigentor gleich zu Beginn.

Nicht nur die politische Korrektheit ist „auf dem Müllhaufen der Geschichte“ gelandet.

Wenn die Arbeiten von Journalisten oder Regisseuren (Tatort, Soko Leipzig) eine politisch-korrekte Haltung zur Migration zeigen, ist das für viele pure Einflussnahme. Ich habe für diese „Feinheiten“ erst durch Hinweise von außen ein Ohr entwickelt. Ich würde trotzdem keinen Manipulationsversuch unterstellen. Ich weiß, dass es Menschen gibt, die für ihre Überzeugungen nicht nur sonntags in Reden einstehen. Diese gern als Gutmenschen verhohnepipelten Leute scheinen für die echten Durchblicker, die harten Jungs, die genau wissen, wo der Hammer hängt und wie man mit Migranten umzugehen hat, kaum zu ertragen zu sein. Ich sag: Scheiß auf die!

Für was steht der ÖRR?

Da gibt es zunächst einmal die Kostenseite. Einnahmen von ca. 8 Mrd. stehen hohe Personalkosten und Pensionsrückstellungen gegenüber. 2015 sollen 41 % des WDR-Etats in Personal- und Pensionszahlungen geflossen sein. Die Höhe der Gehälter einiger Vertreter des ÖRR wird von Kritikern als unangemessen herausgestellt.

66 Rundfunksender (2017) – 1987 waren es es nur 36! und

ca. 20 TV-Sender.

Vergleich

Werfen wir einen Blick auf den Landeshaushalt NRW von 2017. Demnach gab das Bundesland für den Bereich Bildung und Wissenschaft 8,7 Mrd. Euro aus. Das entspricht etwa 12% des Gesamthaushalts des größten deutschen Bundeslandes. Wofür das Geld ausgegeben wird, kann man in dieser Detailliste nachlesen.

Eigendarstellung und Widerspruch

Die Diskussion um den ÖRR ist nicht neu. Mächtige Institutionen wissen sich in der Öffentlichkeit zu verkaufen. Es gibt im Internet zahlreiche Angebote von ARD und ZDF, die die Leistungen der Sender und ihrer MitarbeiterInnen detailliert darstellen.

Die Seite „Rundfunkbeitrag“ hält für den Leser eine interessant Auflistung mit dem Titel: „10 Gründe für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk“ bereit:

1. Unabhängig

Genau diese Unabhängigkeit ist es aber doch, die nach Ansicht meinungsstarker Kritiker nicht gegeben ist.

2. Aktuell und kritisch

Ich fühle mich persönlich sehr gut informiert. Wenn ich allerdings an die Kölner Silvesternacht denke, wird mir schlagartig klar, dass viele das anders sehen. Auch die Berichterstattung über den Konflikt Ukraine / Russland hat Fragen aufgeworfen.

3. Vielfältig

Die Vielfalt von Sendern ist wohl eher weniger gemeint als die Programmvielfalt an sich. Vergleiche ich das Angebot des ÖRR mit dem des Privaten Fernsehens ist das der Fall

4. Kindgerecht

Mit den Kindernsendern kenne ich mich nicht aus. Aber natürlich werde ich gleich an den Beitrag erinnert, der zuletzt von der deutschen Rechten hart wurde. KIKA hatte sich erlaubt, über die Liebe zwischen einem syrischen Geflüchteten und einer deutschen 16jährigen zu berichten. Die Instrumentalisierung des brutalen Mordes, den ein afghanischer Geflüchteter an seiner 15Jahre alten ehemaligen Freundin in Kandel begangen hatte, hat die Rechten inspiriert. Seither werden gewisse Leute ihren Kindern verbieten, das Sandmännchen zu schauen. Das läuft schließlich auch (immer noch) im ÖRR.

5. Sport

Wahrscheinlich würden ein paar Leute in Deutschland austicken, wenn ihnen die Bundesliga und andere Sportevents vorenthalten würden. Angeboten würden sie vielleicht schon. Aber der Rundfunkbeitrag dürfte zum einen geringer sein als die etwaigen Nutzungsgebühren privater Sender und zum anderen wäre nicht sichergestellt, ob die umfangreichen Sportangebote von ARD und ZDF noch nutzbar wären. Was sich nämlich finanziell nicht lohnt, wird von privaten Anbieten gnadenlos gestrichen. Für mich persönlich könnte das Sportangebot ruhig etwas kleiner sein 🙂

6.Weltweit präsent

Das ist auch eine Sache über die man vielleicht erst nachdenkt, wenn auffällt, dass es keine oder kaum noch Berichterstattung durch Reporter vor Ort gibt. Ich vermute, dass nicht nur mir der Weltspiegel und aktuelle Berichte aus allen möglichen Regionen der Welt fehlen.

7. Online dabei

Wenn ich es richtig sehe, werden die Online-Angebote der ÖRR stark frequentiert. Und damit meine ich nicht etwa nur die Mediatheken. Konkurrenten finden die Ausbreitung der Online-Angebote bekanntlich nicht so toll. Angesichts der Wettbewerbssituation kann ich das gut nachvollziehen.

8. Barrierefrei

Das finde ich sehr gut. Vielleicht könnte man diese Angebote noch verstärken

9. Seinen Preis wert

Vergleiche ist den Rundfunkbeitrag mit denen, die z.B. in der Schweiz oder in Norwegen üblich sind, liegen wir mit unseren Kosten auf akzeptablen Niveau. Vielleicht müsste man mehr Ausnahmen zulassen?

10. Demokratisch

Entgegen anderslautenden Behauptungen empfinde ich die Finanzierung und Gestaltung der Programme des ÖRR durchaus als demokratisch.

 

Für mich sind diese Punkte von untergeordneter Bedeutung. Auch die Tatsache, dass die deutsche Rechte versucht, den ÖRR mit allerlei dubiosen Vorbehalten aus dem Weg zu räumen, ist mir bei meiner Haltung zum Angebot der ÖRR nicht so wichtig.

Wie ist mein Fernsehverhalten?

Mit 64 Jahren hat sich mein TV-Konsum in den letzten Jahren verändert. Private TV-Sender sehe ich schon seit Jahren fast gar nicht mehr. Bei einem guten Film mache ich widerwillig eine Ausnahme und denke immer gleich mit Schrecken an die vielen Werbeunterbrechungen. ARD, ZDF, die Dritten (namentlich den WDR mit seinen lokalen Berichten), 3Sat und vor allem Phoenix bevorzuge ich. Aber ich sehe weniger fern als früher. Heute ziehe ich es vor, bestimmte Sendungen aufzunehmen (YouTv) und mir diese dann anzuschauen, wenn ich Zeit und Lust habe. Wenn es um Filme, Serien oder Dokus geht, ziehe ich Amazon Prime, manchmal AppleTV, dem ÖRR vor. Es ist viel praktischer, Angebote gezielt dann anzuschauen, wenn man es will und nicht, wenn sie live um 20:15 Uhr über den TV-Bildschirm flimmern. Radio höre ich in letzter Zeit weniger. Ich ziehe es vor, Musik zu streamen. Den Algorithmen sei Dank kriege ich fast nur Musik auf die Ohren, die ich leiden mag. Das ist auch nichts anderes als Filterblase. Die allerdings finde ich angenehm.

Fernsehen im Wandel der Zeit

Es steht fest, der ÖRR wird vergehen. Der Prozess, der längst im Gange ist, wird noch eine Zeit brauchen. Wohl auch deshalb, weil die Menschen insbesondere von größeren Veränderungen nicht gern etwas wissen wollen. Die Beeinflussungsmacht des ÖRR wird dazu beitragen, dass der Prozess nur langsam vorankommt. Aber jeder weiß – auch Tom Buhrow und Pina Atalay -, dass der Wandel, also die Transformation unserer Nutzungsgewohnheiten, vor allem durch das Internet bzw. die neu entstandenen Angebote unaufhaltsam ist.

Als Diener der Gesellschaft verstehen sich die Damen und Herren im ÖRR in Wahrheit wohl nicht. Wir werden es spätestens dann erkennen, wenn der Prozess an dem Punkt angelangt ist, an dem erkennbar wird, dass viele Menschen ihre Arbeit verlieren und alternative Arbeitsplätze rarer sind als diese sich es heute vorstellen können.

Pensionen

Noch ein Wort zu den hohen Pensionsrückstellungen. Es ist etwas unanständig, wenn auf der Höhe von Renten/Pensionsrückstellungen zum Beispiel beim WDR herumgeritten wird. Unanständig finde ich das deshalb, weil ähnliche Probleme in vielen – sagen wir mal – älteren Unternehmen bestehen, die mit ihren MitarbeiterInnen Vereinbarungen über Betriebsrenten hatten. Da stöhnen die Finanzvorstände (nicht ganz zu Unrecht) darüber, wie viel Rentner das Unternehmen kosten würden für die immer noch Rückstellungen gebildet werden müssten. Der Staat kann davon übrigens ein Lied in einer noch ganz anderen Größenordnung singen…

 

Irgendwann Anfang der 2000er Jahre habe ich mit dem Bloggen angefangen. Es ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo.

horstschulte.com · bedburgisches.de · blogmemo.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.