Autor Paetow schreibt bei Tichys Einblick über Friederike Sittler, die die Berliner Tafel zuletzt bei „Maybrit Illner“ vertrat:

Als Theologin und Religionsredakteurin beim rbb darf man sie wohl als den Idealtypus des noch herrschenden Zeitgeistes sehen.

„…des noch herrschenden Zeitgeistes…“!? Wie Tichys Leute zum Zeitgeist (diesem so genannten links-grün-versifften) stehen, muss an dieser Stelle nicht Thema sein. Dieser „noch herrschende Zeitgeist“, den Paetow mit spitzen Fingern als Feindbild anführt, sind bekanntlich auch Basis der Kritik am Chef der Essener Tafel.

Die Leute von Tichys Einblicke geben ihr bestens, damit eine andere, ein neues Denken entsteht. Wenn es bald endlich soweit ist – dann, liebe Freude des offenen Wortes, ist der „noch herrschende (linke) Zeitgeist“ Geschichte. So die feuchten Träume dieser Leute.

Bei Maybrit Illner

Bei „Maybrit Illner“ gings um die Entscheidung der Essener Tafel, vorerst keine Geflüchteten mehr zuzulassen, sondern nur noch „Einheimische“. Darüber diskutiert die Republik ja schon länger. Als Gegenmeinung wurden Vertreter anderer Tafeln eingeladen. Der Chef der Essener Tafel, Sartor, hatten seine Teilnahme an der Sendung abgesagt.

Die schon erwähnte Frau Sittler arbeitet ehrenamtlich für die Tafeln in Berlin. In meinen Augen hat sie ihre Meinung sehr gut und in angemessenem Ton vertreten (siehe Video). Ihre Äußerungen fanden allerdings bei Paetow keine Zustimmung. Er machte sich lustig über Frau Sittler, in dem er ihr attestierte, den Idealtypus des immer noch aktuellen Zeitgeistes zu repräsentieren.

Ein Leser von Tichys Einblick hat Hinweise dafür gegeben, wie bei der Berliner Tafel mit Geldern umgegangen wird. 50% des Etats von einer Million Euro würden demnach für Gehälter ausgegeben. Es gehört bei der politischen Rechten zum „guten Ton“, auch das Finanzgebahren karitativer Einrichtungen in Zweifel zu ziehen. Das mag manchmal schon berechtigt sein aber für mich wirkt es oft so, als sei dies lediglich ein Bestandteil einer ideologischen Kriegsführung. Schließlich stehen all diejenigen, die sich zum Beispiel für Geflüchtete einsetzen, grundsätzlich einmal auf der falschen Seite.

Finanzdaten – Berliner Tafel Quelle

Finanzierung der Tafeln

Paetow sah offenbar in den Finanzierungsmodellen der beiden Tafeln (Essen / Berlin) eine willkommene Möglichkeit, die Aussagen von Frau Sittler abzuwerten, in dem er suggeriert, in einer Auseinandersetzung der TafelmitarbeiterInnen ginge es um David (Essen) gegen Goliath (z.B. Berlin). Gut, die Stiftung in Berlin ist mit 2000 MitarbeiterInnen ein wenig größer als die Tafel in Essen (120 MitarbeiterInnen). Die strukturellen und organisatorischen Voraussetzungen in beiden Städten sind sehr unterschiedlich. So ist vielleicht zu erklären, dass in den letzten Jahren ca. 50% des Berliner Budgets für Gehälter (für welche war nicht zu erfahren) eingesetzt wurden. Dass Paetow diesen Unterschied in durchsichtiger Art und Weise einsetzt, um Voreingenommenheit zu erzeugen, war eigentlich unnötig. Schließlich weiß er zu gut, für wen er schreibt.

Denken wir positiv! – solche Leute wie Paetow glauben fest daran, sie hätten den Auftrag mit solchen Methoden das Land von einem links-grün-versifften Ungeist zu befreien.

Paetow hat einige Zeit investiert, um die von zahlreichen Politikern kritisierte Tafel (Essen) gegen eine andere (Berlin) auszuspielen. Dazu kommt es ihm zu pass, dass Berlin anders strukturiert ist, was sich halt auch in der Verwendung von Finanzmitteln darstellt. Damit lässt sich Stimmung machen.

Ausgegraben

Wie immer wird es unter den Kommentatoren dieses Artikels wohl nur Bestätigungen für Paetows „Ausgrabung“ geben. Schließlich wird hier scharf gegen Links geschossen. Wenn man mit solchen „Kritiken“ sozusagen in Serie Leute treffen kann, die unter den Befürwortern der merkelschen Flüchtlingspolitik verortet werden, kommt das immer gelegen.  Für etwaige Einwände solcher Methoden gibts dort ja die Kommentarsperre.

Das Paetow am Ende seines Artikels anmerkt, dass er damit die MitarbeiterInnen der Tafel Berlin nicht diskrinieren wollte, ist eine Farce. Ich glaube, nichts anderes hat der Mann mit seinem Beitrag im Sinn gehabt. Er wollte Frau Sittler treffen und hat bei dieser Gelegenheit den gutmenschlichen Helfern einen mitgeben.

Welche Rolle rechte Blogs und Websites spielen, kann man diesem Artikel entnehmen: Erfolg rechter Medienarbeit | DKP Cottbus Quelle

2 KOMMENTARE

  1. Ich finde das mit diesem „links-grün versifften“ Zeitgeist immer so putzig. Das gibt es eine Reihe Polit-Esoteriker vom rechten Rand (du erwähnst sie ja wieder im Artikel), die mit beeindruckender Permanenz (und Impertinenz) unbedingt die bedrohliche Herrschaft eines linken, grünen Zeitgeistes anprangern wollen. Immerhin eine reine Fantasievorstellung, um nicht Wahnvorstellung zu sagen, die sie da in ihrer Echoblase engagiert bejagen.

    Es gibt schlicht keinen linken Zeitgeist, keinen 68er-Zeitgeist und auch keinen grünen Zeitgeist, der irgendwo herrscht. Schon gar nicht in Deutschland. Wenn überhaupt, ist der herrschende Zeitgeist seit Kohl neoliberal-rechtskonservativ mit klaren Neigungen zu Sozialdarwinismus.

    Die Demokratie- und Grundgesetzfeinde, mit denen du so gerne streitest – von den leidlich bekannten Publizisten mit rechtsnationaler Agenda bis hin zur – immerhin wesensgleichen – AFD benötigen aber offensichtlich diese blödsinnige Kampf-Agenda, um ihre persönlichen politischen Provokationsschauspielchen durchziehen zu können.

    Ich finde diese hassverseuchten Gestalten bedauernswert und armselig. Traurige Sektierer und Verschwörungsesoteriker, mit denen sich eine ernsthafte politische Diskussion gar nicht lohnt.
    😉

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