Abscheuliche, von Migranten verübte Verbrechen sind zum probaten Mittel geworden, um die öffentliche Meinung noch mehr zu beeinflussen, als AfD und ihre Zuträger es allein mit ihrer dominanten Präsenz im Internet vermögen. Wenn solche Dinge von Journalisten instrumentalisiert werden, finde ich das besonders krass.

Bei „Welt Online“ las ich heute einen Beitrag der Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen über die Verhandlung gegen eine besonders schlimme Tat, von der die meisten im Land längst  Kenntnis erhalten haben. Friedrichsens Beitrag ist mit politischen Wertungen gespickt.

Es geht um den Fall Hussein K., der voriges Jahr in Freiburg eine junge Frau brutal vergewaltigt und getötet haben soll. Morgen soll das Urteil über den Mann gesprochen werden.

Frau Friedrichsen leitet ihre nicht gerade zurückhaltende Berichterstattung mit diesen Worten ein: „Der Freiburger Mordprozess zeigt wie unter dem Brennglas die Folgen der unkontrollierten Zuwanderung von tatsächlichen oder angeblichen Flüchtlingen. Von einer Willkommenskultur, die dem Missbrauch Tür und Tor öffnet.“

Diese Wertung sagt schon alles. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, wie die Kommentare zu ihrem Text ausfallen. Sie wird für ihren „gut recherchierten“ Artikel gelobt. Im Grund geht es um ihre Wertungen und Urteile über Migranten und über die Protagonisten der von ihr kritisierten Willkommenskultur.

Neben einigen wertenden Schoten, die Leser ihrer Artikel vielleicht erwarten, macht Friedrichsen Politik für die Rechten und klagt „die anderen“ an:

Doch K. steht in Freiburg vor Gericht, einer überwiegend grün orientierten Stadt, in der eine Tat wie die an Maria L. zunächst als „lokales Ereignis“ heruntergespielt wurde, ehe sich ihre wahre Dimension nicht mehr vertuschen ließ. LINK
Der Fall Hussein K.: Lügen, Rücksicht, guter Glaube – WELT

Es ist schier unglaublich, welche systemischen und individuellen Fehler der Fall offenbart.

Friedrichsen schreibt, dass allein die Kosten für die notwendige Altersfeststellung des mutmaßlichen Täters etwa 2 Millionen Euro betragen haben sollen.

Zwei Millionen Euro sollen allein die Untersuchungen zur Feststellung von K.s ungefährem Alter gekostet haben. Denn Baden-Württemberg lehnt das Röntgen von Handwurzelknochen zur Altersfeststellung ab, wie es heißt, wegen der Menschenwürde der Asylsuchenden. Dafür wurden die Jahresringe eines gezogenen Zahns, den K. aufbewahrt hatte, in einem höchst aufwendigen, dafür aber umso zuverlässigeren Verfahren analysiert. Demnach ist er zwischen 22 und 26 Jahre alt. LINK

Friedrichsen lässt es sich nicht nehmen, ihrer Erklärung der angeblichen Kosten dieser Untersuchung die passende Wertung mitzugeben. Dass es bundesweit übereinstimmende Vorbehalte von neutralen Ärzten gibt, die das Röntgen von Handwurzelknochen betreffen, verschweigt Friedrichsen. Sie vermittelt mit ihrer Wortwahl den Eindruck, es liege an der grün/schwarzen Landesregierung Baden – Württembergs, dass die andere, weitaus teurere Untersuchungsvariante vorgezogen wurde.

Die Frage der Altersfeststellung ist in der Öffentlichkeit im Zusammenhang mit weiteren ähnlichen Fällen behandelt worden. Deshalb war es nicht schwer, Alternativmethode im Internet zu finden. Bei „Bento“ wird eine mehrteilige Prüfung beschrieben, die unter anderem auch die Untersuchung von Zähnen anhand von „Jahresringen“ enthält.

Der gesamte Alterscheck besteht aus mehreren Teilen und kostet insgesamt 1.500 Euro. Wie aus diesen 1.500 Euro 2 Millionen werden konnten, werde ich vermutlich nicht aufklären können. Aber Friedrichsen schrieb ja auch von „haben sollen„, nicht wahr?

In einem „Spiegel“ – Artikel vom November letztes Jahres ist über das Verfahren der Zahnmessung berichtet worden. Demnach soll es „aufwendig“ sein und nur bei etwaigen Gerichtsverfahren zum Einsatz kommen. Die Altersbestimmung in Freiburg war offenbar Gegenstand eines Gutachtens. Ob die Erstellung des Gutachtens so teuer gewesen ist und weniger die eingesetzte Technik?

Dass Friedrichsen mit solchen Details in ihrem Artikel einen weiteren Mosaikstein für die Leute beisteuerte, die sich nur zu gern auf solche „Fakten“ berufen und damit in den Internet – Foren im Sinne ihrer politischen Gesinnung hausieren gehen, halte ich nicht für einen Zufall. Der Artikel enthalt dafür zu viele politische Aussagen. Friedrichsen verfolgt in meinen Augen ein Ziel. Sie macht Stimmung und verwendet dafür einen Artikel, der uns eigentlich nur Details über eine Gerichtsverhandlung liefern sollte. Die Keifer von rechts sagen doch immer, Journalismus sollte weniger wertend sein und dafür mehr Information liefern. Aber Friedrichsen wird für ihre Wertungen durchweg gelobt!

Um es sicherheitshalber klar zu sagen: Ich finde das Verbrechen abscheulich und hoffe, dass der Täter, wenn das Gericht ihn überführt sieht, entsprechend bestraft wird. Jede der Taten, die Migranten zuzuschreiben ist, ist zu verurteilen und muss Konsequenzen nach sich ziehen – auch politische.

Friedrichsen beschreibt die Ereignisse, aber sie füttert damit auch die Wölfe. Sie befördert elende Vorbehalte für all diejenigen, für die jedes von Migranten begangene Verbrechen nur einen weiteren Beweis für die allgemeine Gewaltbereitschaft und Schlechtigkeit muslimischer Täter darstellt. Ganz nach dem etwas simplen aber sehr durchsetzungsfähigen Motto: Wären die Migranten nicht illegal in unser Land gekommen, gäbe es die Toten nicht. Das ist logisch wohl nicht zu widerlegen. Für mies und falsch halte ich es trotzdem.

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