Eine einfache Frage hat mich schon oft beschäftigt: Wie mag dieser oder jener Mensch wohl privat sein?

Benimmt sie/er sich ebenso wie gerade jetzt in dieser Situation, in dem ich ihr/ihm buchstäblich die Pest an den Hals wünsche? 

Anders herum frage ich mich häufig auch: wie die- bzw. derjenige über mich denken könnte, wenn sie / er mich denn privat kennen würde?

Ein langjähriger Kollege, mit dem ich schon einige Jahre keinen Kontakt mehr hatte, rief mich mal an und erzählte, dass er meinen Blog häufig besuchen würde. Dabei sei ihm aufgefallen, dass er meine Geschichten und Aussagen hier im Blog nicht zusammenbrächte mit der Person, die er vor Jahren persönlich gut kennengelernt hätte. Das hat mich natürlich nachdenklich gemacht.

Es kommt vor, dass wir mit Menschen zusammenkommen, die uns unsympathisch sind und mit denen wir uns einen persönlicheren Umgang schwer oder vielleicht gar nicht vorstellen möchten. Wenn man noch jung ist, fällt es IMHO leichter, unvoreingenommen auf Menschen zuzugehen. Die Vorbehalte, die Voreingenommenheit ist gewachsen. Vielleicht hat das etwas mit Lebenserfahrung zu tun. Mir wäre es, ehrlich gesagt, anders lieber. 

Begegnungen

Mich beschäftigt das. Auch dann, wenn ich eine dieser vielen unangenehmen „Begegnungen“ mit Menschen in den sozialen Netzwerken hatte.

Ist die Frau oder der Mann im realen, im persönlichen Leben auch so drauf, will sie/er provozieren, mich vielleicht auch nur veräppeln oder ist er tatsächlich immer so? 


Eine/r fährt durch eine Straße. Gar nicht schnell, eher in einem Bereich von Stundenkilometern, der vielleicht an gleicher Stelle von anderen Verkehrsteilnehmern hundertfach jeden Tag überschritten wird. Sie/er aber haben das Pech, ein Kind anzufahren.

Der pure Horror für alle Menschen Autofahrer/innen.

Danach kommt das, was kommen muss: Es hagelt Vorwürfe und Anschuldigungen.

Keiner will so etwas erleben und zum Glück bleibt es den meisten von uns erspart. Aber nicht, weil wir so umsichtig und gut Auto fahren würden. Wir haben einfach nur Glück.

Beispiel

Einem Freund ist das vor langer Zeit passiert. Er erzählte, er sei beinahe gelyncht worden. Vielleicht trug dazu bei, dass er damals einen Porsche fuhr. Solche „Insignien“ befördern unser Urteilsbildung ungemein.

Ein Junge war zwischen zwei Autos seinem Fußball hinterhergejagt. Die meisten werden sich die Situation plastisch vorstellen können. Der Wagen war wie er mir erzählt, keine 30 Stundenkilometer schnell, und er brachte ihn sofort zum Stehen. Der Junge war unverletzt. Es gab unversehen einen Menschenauflauf. Es wurde viel geschrien, handgreiflich wurde zum Glück niemand. Jeder von uns kann sich vorstellen, wie sie/er sich in dieser Lage fühlen würde.

Wir ziehen Schlüsse aus unseren Wahrnehmungen und reagieren. Vor allem, wenn wir diese mit anderen teilen. Es macht nichts, wenn wir wenig bis gar nichts über den Menschen wissen, der plötzlich zum „Täter/in“ wird.

Vielleicht war sie/er ein/e umsichtige/r Fahrer/in und hat es wahrscheinlich selbst kaum für möglich gehalten, je in so etwas verwickelt zu werden?

Warum spielt all das plötzlich keine Rolle mehr?

Wir, die Gesellschaft, stehen sofort mit unseren Vorwürfen und unserer Empörung parat.

Im Internet sind die Reaktionen aufgrund der Anonymität deutlich härter als im realen Leben, manchmal sogar regelrecht brutal. Jeder wird entsprechende Beispiele kennen, vor allem wer sie/er sich in den Sozialen Netzwerken „auskennt“.

Andererseits haben wir wohl nicht zu unrecht das Gefühl, dass das Leid der Opfer in der Öffentlichkeit häufig zu kurz kommt.

Warum sollte man also Mitleid mit den Tätern/innen haben?

In vielen Fällen wäre es möglich, weil nichts Schlimmes passiert ist. Aber was, wenn das Opfer tot ist oder bleibende Schäden die Folge des Unfalles wären? Die- oder derjenige hat große Schuld auf sich geladen, die nicht wiedergutzumachen ist.

Legitimiert uns das dazu, dem Täter unsere Vorbehalte in zigfachen Varianten entgegenzuschleudern? 

Jesus sagte

Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie. 

Was sagt uns heute das Wort Jesu? Die meisten haben den Satz vielleicht sogar noch nie gehört oder können ihn nicht richtig zuordnen. Würden wir doch ein bisschen mehr nach diesen klugen Worten leben, wäre vieles besser.

Wir folgen lieber unserem Bauchgefühl oder dem, was wir den „gesunden Menschenverstand“ nennen. 

Irgendwann Anfang der 2000er Jahre habe ich mit dem Bloggen angefangen. Es ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo.

horstschulte.com · bedburgisches.de · blogmemo.de

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Jesu und sein Daddy werfen auch keine Steine Richtung Menschheit. Die sind sich der Suende ihrer Kreation bewusst. ……. »gesunden Menschenverstand« 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.