500 Euro mehr und die Probleme wären immer noch die gleichen

Bernd Riexinger, Die Linke, fand für viele (Rechte und Linke) die „richtigen“ Worte, als er gestern im „Heute Journal“ Jens Spahns Reise nach Mexiko saftig kritisierte. Er sprach davon, dass es besser wäre, Flüchtlingen – auch mit wackligem Aufenthaltsstatus – eine Chance zu geben, als diese Menschen in einer ungewissen Zukunft zu halten. Das klingt ja so nett, nicht wahr?

Nur scheint mir diese Vorstellung mit der Wirklichkeit kaum vereinbar. Im Beitrag zeigte sich nämlich, dass unter Flüchtlingen keine sehr ausgeprägte Bereitschaft zu existieren scheint, diesen schweren Job zu machen. Auch die Kritik des TV-Magazins „Monitor“ geht an den wirklichen Dimensionen des Problems aus offensichtlich ideologischen Gründen vorbei.

Ob die von Riexinger kürzlich vorgeschlagenen 500 Euro mehr Gehalt viel am Pflegenotstand ändern würden? Geben wir den Menschen in der Pflege doch einfach ein anständiges Gehalt, von mir aus diese 500 Euro mehr, dazu die Arbeitsbedingungen noch ein bisschen verbessern und — schwupp hätten wir ein großes Problem weniger auf unserer Agenda! Alles so easy! Gell, Herr Riexinger?

Bürokratie und fehlender Wille

Es gibt Beispiele dafür, wie fatal die deutsche Bürokratie wirken kann. Da werden in der Krankenpflege ausgebildete Menschen in ihre Heimatländer zurückgeschickt, weil sie aus dem Kosovo (sicheres Herkunftsland schnell noch als solches erklärt) stammen und ihre Asylanträge deshalb abschlägig beschieden wurden. Keine Ahnung, wie oft ich schon von diesen Beispielen gehört habe. Oder ob es immer dieses eine Beispiel war, über das die Zeitungen und TV-Sender berichtet haben? Im Monitor – Beitrag kommt das Beispiel jedenfalls auch wieder auf die Tapete. Dazu wird ein junger Mann gezeigt, der sich scheinbar gut integriert hat, gern in der Altenpflege arbeitet und der nun trotzdem abgeschoben werden soll. Er stammt aus Afrika, sein Antrag auf Asyl wurde negativ entschieden. Das sind die Fälle, die auch Riexinger angesprochen hat. Sollte man solche Menschen, die wir hier dringend gebrauchen können, einfach nach Hause schicken? Nur, weil das Verfahren am Ende abschlägig entschieden wurde und die Vorschriften bekanntlich vor allem in Deutschland eben Vorschriften sind?

Fachkräftezuwanderungsgesetz

Wir haben ein Fachkräftezuwanderungsgesetz. Dieses sperrige Wortungetüm soll klären, dass nur diejenigen Menschen aus dem Ausland nach Deutschland kommen, die auch Aussichten darauf haben, hier eine dauerhafte Anstellung zu finden. Sinnvollerweise soll das Gesetz dafür sorgen, dass überhaupt nur diejenigen nach Deutschland kommen, die hier gebraucht werden. Das klingt nach einem ökonomischen Imperativ, wenn man das so aufschreibt. Aber mein Gott, die anderen machen das ja auch so. Mit einfachen Prioritäten solcher Art arbeiten halt Einwanderungsländer schon seit Jahren erfolgreich.

Wenn wir wissen, dass ungefähr 3/4 aller Syrer, die in Deutschland leben, Hartz IV beziehen, kann das alles mögliche bedeuten. Unter anderem auch, dass sich diese Menschen nicht für Pflegeberufe eignen. Vielleicht liegt es daran, dass die Ausbildung nicht passt oder die Arbeitsplatzsuche an anderen Dingen scheitert. Vielleicht befinden sich diese vielen (vor allem vermutlich ja junge Männer) in einer Weiterbildung, die es ihnen nicht ermöglicht, solche Jobs zu übernehmen?

Dreiviertel aller Syrer erhalten Hartz IV

Ich frage mich, ob es den Verantwortlichen entgangen ist, dass dieses nicht kleine Heer potenzieller Arbeitnehmer Gewehr bei Fuß steht? Von den ca. 800.000 Menschen aus Syrien, die wir im Land haben, erhalten nach dieser neuen Information von der BA also etwa 600.000 Menschen Hartz IV. Lässt sich so ein Potenzial heben oder müssen wir uns auf eine dauerhafte Alimentierung dieser Leute einstellen? Schließlich leben die meisten dieser Leute schon seit 2015/2016 in Deutschland. Die Asylverfahren wurden im Vergleich schnell abgeschlossen.

Keine Ahnung, wie viele Kinder, Jugendliche oder alte Menschen in der Zahl enthalten sind, sie können natürlich keiner Arbeit nachgehen. Aber es sollen ja vorwiegend junge Männer gewesen sein, die hierher kamen. Womit beschäftigen sie sich? Welcher Tätigkeit gehen diese Menschen nach? Wie werden ihre Aussichten sein, wenn die Konjunktur wirklich einbricht und einfache Jobs noch schwerer zu finden sein werden, als das bisher schon der Fall war?

Die zweitgrößte Gruppe von Hartz IV – Empfängern sind mit großem Abstand übrigens Türken.

Deckung durch nationale Anstrengungen?

Wenn wir derzeit einen Bedarf von ca. 90.000 Kranken- und Altenpflegern mit stark zunehmender Tendenz in Deutschland haben und die Institutionen sich verzweifelt an die Politik wenden, haben Riexinger und Restle die Lösung bei der Hand.

Nehmt doch einfach die schon ausgebildeten Kranken- und AltenpflegerInnen, die sich unter den Geflüchteten befinden, damit Jens Spahn nicht teure Auslandsflüge machen muss. Wer weiß, was Linke im gleichen Kontext noch alles gegen Spahns Initiativen vorbringen, für mich klingt das nach vollkommenem Blödsinn. Unfair gegenüber dem Gesundheitsminister ist es ohnehin.

Allerdings ist es wahr, dass jede Stelle in diesem kritischen Bereich, die durch weniger Bürokratie und mit etwas gutem Willen, besetzt werden könnte, wertvoll wäre.

Demografie

Es bleibt dennoch richtig, was Jens Spahn sagt. Selbst dann, wenn wir all die nationalen Schritte machen, wir haben im Land zu wenig Fachkräfte (Demografie) und brauchen deshalb dringend Personal aus dem Ausland. Nicht nur für die Pflege übrigens!

Da fällt mir gerade noch ein: Ob sich AfD-Leute, wenn sie sehr alt werden und ums Altenheim nicht herumkommen, eigentlich weigern, sich von einem Afrikaner, Mexikaner oder Vietnamesen den Popo abwaschen zu lassen?

Jedenfalls können wir uns auch nicht darauf verlassen, dass 500 Euro mehr im Monat so viele Menschen für die Pflege begeistern können, wie Riexinger und die Linken es sich (aus Gründen) vorstellen.

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