Niesen

Vor mehr als 10 Jahren an einer Bäckerei im schönen Bergdörfchen Sigriswil, BE: Ein warmer, nichtsdestoweniger heftiger Platzregen ging nieder. Es gab keinen freien Parkplatz, weshalb ich direkt vor der Bäckerei anhielt und meine Frau schnell die Brötchen kaufen ging. Sowas machen wir eigentlich nicht. Wir gehören nicht zu denen, die mit dem „Auto ins Geschäft“ fahren.

Die Bäckerei – das konnten wir sehen – war fast leer. Weil das Parken auf diesem Teil der Dorfstraße nicht erlaubt war, ließ ich den Motor laufen. Ich wollte sofort Platz wegfahren, falls es nötig gewesen wäre. Das Ganze dauerte nur wenige Minuten.

Ich hatte das Fenster offen und guckte in Richtung Bäckerei.

Eine ältere Schweizerin klopfte auf mein Autodach und widmete mir ein paar unfreundliche Sätze. Ich verstand nicht alles, allerdings doch soviel, dass ich gefälligst den Motor ausschalten sollte. Recht hatte sie! Was bin ich doch für ein Blödmann, dachte ich. Beleidigt war ich trotzdem. Deshalb habe ich diese Geschichte wohl auch nicht vergessen.

Die Lehre aus diesem kleinen Erlebnis (übrigens nicht erst seit dem Dieselskandal): Suche in Ruhe nach einem Parkplatz, nimm in Kauf, dass du ein paar Schritte mehr zum Zielgeschäft brauchst, führe immer einen Regenschirm mit und vor allem, lass den Motor nicht unnötig laufen!

So gesehen hat die kleine Ansprache der Schweizerin einen pädagogischen Zweck erfüllt.


Diskussionen über derartige „Einmischungen“ erleben wir in diesen Tagen nicht zu knapp. Bei vielen löst es seltsamerweise Empörung aus, wenn ihr Verhalten kritisiert wird und sie auf die durch ihr Verhalten mitverursachten und für die Umwelt schädlichen Wirkungen angesprochen werden. Dabei ist doch bekannt, wie großartig Menschen mit Kritik umgehen, wenn sie direkt an sie gerichtet ist.

Ob die harschen Reaktionen immer gleich mit mangelnder Kritikfähigkeit zu tun hat oder mit den hohen Temperaturen unter denen viele in diesen Zeiten leiden – keine Ahnung.

Mir scheinen die Kontroversen eher die Folge einer Art von Gegenbewegung zu sein. Die Diskussionen über unser Verhalten im Klimawandel nehmen unbestreitbar hysterische Züge an.

Ich sehe es so, dass die Grünen, die zahlreich in diesem Sektor tätigen NGO’s und nicht zuletzt die Altklugen der „FFF“ – Bewegung an der Radikalisierung der Debatte die Hauptschuld tragen. Sie versichern sich alle miteinander gegenseitig der einzig richtigen und alternativlosen Sichtweise und provozieren mit ihrer Haltung immer größere Bevölkerungsschichten. Dabei besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass der Klimawandel eine der vorrangigen Herausforderungen für unsere Gesellschaften darstellen.

Es ist deshalb aus meiner Sicht ganz richtig, wenn manche Publizisten die stark polarisierenden Diskussionen um den Klimawandel in dieser Hinsicht in eine Reihe mit der Migrationskrise stellen. Dabei sollte aber einmal festgehalten werden, dass die während des Streit in der Migrationskrise „gelungene Aufteilung“ in schwarz / weiß, rechts / links, gut und böse in der Klimadebatte nicht mehr funktioniert.

0

Tagged:
About the Author

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 65 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

2 Kommentare

  1. Gott Horst, wat bist du umständlich – so geht dat:

    – Frau vor´m Geschäft abladen
    – wacker wegfahren
    – nach Kauf abholen

    Wenn sie ein bißchen warten muß, ißt sie schon ein Brötchen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.