Barack Obama genießt große Sympathie

Barack Obama war da. Sein Besuch fand in den Medien große Beachtung. Er ist bei vielen Deutschen sehr beliebt. Weil er sympathisch ist. Im Gegensatz zum Kollegen Donni Trumpski, der seine fehlende Beliebtheit in Deutschland der ungerechtfertigten Intervention der „Lügenpresse“ verdanken soll. So meinen die AfD und ihr Fußvolk. Dabei sind, wenn es nach der AfD geht, Trumpskis Leistungen als President of the United States doch einfach nur wundervoll. Und außerdem, sagen die, sei er doch ein freigewählter Präsident. Zwar schon. Trotzdem ist und bleibt er Donni Trumpski.

Seit ein paar Tagen wissen wir mit relativer Bestimmtheit, dass das Personal der AfD seine Präferenzen vielleicht gar nicht mal nur nur Kraft eigener Wasserbrühe erlangte. Ich glaube, es ist naheliegend, die spezielle Feinfühligkeit eines Partei-Funktionärs für die Interessen von Putins Russland auf die ganze Partei zu übertragen.

Die AfD will schließlich erklärterweise die Ablösung des bestehenden Systems. Kurz, sie wollen die Demokratie durch eine neue Herrschaft ersetzen. Wodurch diese sich genau auszeichnet, können wir angesichts der überaus plakativen völkisch-nationalistischen Bekundungen der Funktionäre des Flügels gut ausmalen. Die feuchten Träume dieser Leute decken sich mit Putins Absichten insofern, als auch diese europäische Demokratien destabilisieren sollen. Die Ergebnisse bei der im Mai stattfindenden Europawahlen könnten den Nationalisten in die Hände spielen. Ob das wirklich im Interesse Putins wäre?

Die Gegner Obamas führen ewig wiedergekäute Argumente an. Manchmal ist die Kritik berechtigt, manchmal ist es dumpfe Stimmungsmache. Manche sagen, Barack Obama sei nur in Deutschland beliebt und verweisen – wie immer bei dieser Gelegenheit – auf die „Arbeit der Lügenpresse“.

Barack Obama Sympathie
Datenquelle: Gallup – Visuelle Umsetzung: Horst Schulte, Bedburg
Unter den Namen stehen die %-Anteile der 5 führenden Persönlichkeiten.

Obama Soll und Haben

Dass sich die USA verhältnismäßig schnell von der Wirtschaftskrise erholt haben, ist Obama zu verdanken. Davon profitiert Trumpski heute auch, nicht bloß von den ach so segensreichen Wirkungen der großen Trumpski Steuerreform. Trotz des gigantischen Widerstands Trumpskis und seiner Vasallen gegen Obamacare sind heute 9 % statt vorher 16 % der Amerikaner krankenversichert. Barack Obama sorgte dafür, dass sich die Beziehungen zu Kuba erheblich verbessert haben. Leider führten seine großen Reden, die er während der ersten zwei Jahre seiner achtjährigen Präsidentschaft gehalten hat, nicht zu positiven Veränderungen.

„Wir sind alle nur für einen kurzen Augenblick gemeinsam auf dieser Welt. Die Frage ist: Verbringen wir unsere Zeit mit dem, was uns auseinander treibt? Oder bemühen wir uns, Gemeinsamkeiten zu finden? Konzentrieren wir uns auf die Zukunft, die wir für unsere Kinder wollen? Und respektieren wir die Würde eines jeden Menschen?“

Barack Obama 2009 in Kairo

Die negativen Seiten von Obamas Präsidentschaft sind ebenso nicht zu übersehen. Dass die Gegner Barack Obamas allerdings als erstes mit der Story vom „unverdienten“ Friedensnobelpreis kommen, sagt mehr über diese aus als über Barack Obama. Schließlich hat er sich diesen Preis nicht selbst verliehen. Vielleicht wäre er gut beraten gewesen, den Preis damals abzulehnen.

Allein, ihm daraus einen Strick zu drehen, um negative Aspekte seiner Präsidentschaft einzuleiten und zu betonen, also das eigene Narrativ zu speisen, ist sowieso typisch für Obamas Gegner. Für die moralischen Mängel der aktuellen Literaturnobelpreis-Funktionäre kann man ihn auch nicht verantwortlich machen. Auch das hat man versucht, obwohl es um das zuständige Komitee für den Friedensnobelpreis gar nicht ging. Aber Feinheiten sind in dieser Art Debatte eher hinderlich. Man bedient sich Fake News. Wie der Herr so’s Gescherr! Schließlich ist auch der Friedensnobelpreis längst nicht mehr unumstritten.

Michelle Obama
Datenquelle: Gallup – Visuelle Umsetzung: Horst Schulte, Bedburg
Unter den Namen stehen die %-Anteile der 5 führenden Persönlichkeiten.

Der nicht vorbereitete Abzug, nichtsdestotrotz aber damals im Westen zunächst positiv bewertete Abzug aus dem Irak, leitete einen furchtbaren Bürgerkrieg ein. Der IS existierte zwar bereits seit 1999, seine Schlagkraft und der so genannte Islamische Staat konnte allerdings vor allem deshalb in diesem historischen Umfang entstehen, weil Ex-Militärs des früheren Irak-Machthabers Saddam-Hussein gewonnen wurden. Sie bildeten zu einem großen Teil die neue Führungsspitze des IS.

Die von Obama mehrfach gezogenen und versetzten roten Linien im Syrien – Krieg haben wir noch in Erinnerung?! 2013 erfolgte ein erster Giftgasangriff für den angeblich das Assad-Regime verantwortlich gewesen sein soll. 2017 hat sich dies während der Amtszeit von Trumpski wiederholt. Für einigen Wirbel sorgte einmal mehr ein verwirrter Tweet Trumpskis, in dem er kurzerhand Obama die Schuld für diesen Angriff zuwies.

Der Drohnenkrieg bzw. seine Ausweitung ist unmittelbar mit Barack Obamas Amtszeit verbunden. Ich denke zwar, dass dies mehr mit der militärisch-technologischen Entwicklung zu tun hatte als mit der „Bösartigkeit“ des Präsidenten. Nichtsdestotrotz ist auch das ein Punkt, der Obama in vielen Statements vorgehalten wird.

Während George W. Bushs Amtszeit wurden 70.000 Bomben abgeworfen, unter Obama waren es 100.000 und im ersten Jahr von Trumpskis Amtszeit sind es schon 44.000 (Quelle). Wenn er vier Jahre bleibt, ergibt der Jahreswert die beachtliche Menge von 176.000 Bomben, die Trumpski rein rechnerisch abwerfen lässt. Übrigens ohne, dass sich die USA überhaupt im Krieg mit einem anderen Land befinden. Als der Friedensbringer wird Trumpski also auch nicht in die Geschichte eingehen. Auch wenn manche Anhänger es gern so darstellen möchten.

In Deutschland fanden es wohl viele verständlich, vielleicht sogar richtig, dass die USA sich damals nicht in Syrien eingemischt haben. Das war logisch und folgerichtig, denn wer sich ständig darüber aufregt, dass die Amerikaner Weltpolizei spielen, muss froh darüber sein, wenn sie das irgendwann nicht mehr tun. Hoffentlich legen wir bei Trumpski die gleichen Maßstäbe an. Seine isolatorische Politik schließlich eine wenig interventionistische Neigung ausdrücklich ein.

Für mich ist Barack Obama ein großer US-Präsident, einer der cool und sympathisch und den Menschen zugeneigt war. Das Format dieses Mannes sucht man bei den meisten seiner Vorgänger vergebens, von seinem direkten Vorgänger und seinem Nachfolger einmal ganz zu schweigen.

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About the Author

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 65 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

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