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Nach welchen Kriterien entscheiden Redaktionen, welche Artikel hinter Bezahlschranken „verschwinden“?

Wenn ich die Timelines der Online-Angebote unserer großen Zeitungen durchlese, frage ich mich oft, wonach die Selektion derjenigen Artikel wohl erfolgt, die hinter Bezahlschranken „verschwinden“? Ich habe zwar eine Ahnung, aber keine Lust, mir die Zeit dafür zu nehmen, das zu recherchieren.

Ich nehme an, es geht dabei um die zu erwartenden (erhofften?) Empörungsreaktionen der geneigten Leserschaft.

Welt mit und ohne Bezahlschranke
Welt Online – mit und ohne Bezahlung lesen

Wie viele Abos brauche ich?

Meine Abos bei Welt Online und NZZ habe ich ebenso „auslaufen“ lassen, wie meine Accounts bei Facebook und Twitter. Ich schaffe es weder, den Hass zu ignorieren, noch mich selbst davor zu schützen und die rassistische Sicht zu vieler meiner lieben MitbürgerInnen zu ignorieren. Der Hass färbt außerdem ab und darauf habe ich keinen Bock.

Lieber verzichte ich auf ein paar Klicks, Likes oder Retweets, die mir die Präsenz in diesen unsozialen Netzwerken als Blogger vielleicht eingebracht haben werden.

Purer Hass

Ich las in der NZZ am Sonntag einen tollen Artikel über diese Entwicklung. Ich habe ihn für Sie verlinkt. Zum Lesen brauchen Sie kein Abo, müssen sich aber (leider) anmelden. Es lohnt sich, weil dieser Beitrag anhand des Beispieles des brutalen Kindermordes in Frankfurt, unsere Abgründe mit den Brandbeschleunigern Facebook, Twitter und neuerdings auch Instagram ganz aktuell aufdeckt.

Link: Attacke am Frankfurter Hauptbahnhof: Was bleibt, ist purer Hass (NZZ am Sonntag)

Wer glaubt, dass wir einfach so weitermachen können, der muss ne Macke haben.

Empörungswellen entfachen

Die Autoren haben sich die Mühe gemacht, die Empörungsentwicklung im Fall Frankfurter Hauptbahnhof aufzubröseln. Wahrscheinlich ist das Ergebnis ihrer Exploration auf viele andere Beispiele übertragbar.

Um zu verstehen, wie sich eine solche Empörungswelle aufbaut, zu der auch die klassischen Medien beitragen mit reisserischen Titeln und Politiker, die versuchen, aus der Tragödie am Bahnhof Profit zu schlagen, lohnt es sich, an ihren Anfang zu scrollen.

Attacke am Frankfurter Hauptbahnhof: Was bleibt, ist purer Hass

Es sind nicht nur reißerische Titel mit denen auch die klassischen Medien Erfolg suchen (Umsatz generieren). Die Entscheidungen darüber, welche Artikel hinter Bezahlschranken „verschwinden“ und welche frei zugänglich bleiben, werden Einfluss auf die Größe der Empörungswelle nehmen.

Balance verloren?

Damit ich nicht missverstanden werde: Viele Medien haben es schwer und gute Inhalte sollen ruhig Geld kosten. Wir dürfen nur nicht naiv sein. Die abgründigen Netzrituale mit ihren verheerenden Folgen für unsere Diskussionskultur und die Demokratie im Ganzen sollten meines Erachtens wenigstens von denen konterkariert werden, die den professionellen Anspruch haben, mit recherchierten Fakten für eine gewisse Balance zu sorgen.

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Von Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 65 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

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