Überraschend ist es nicht, dass der Einsatz digitaler Technologien nicht nur viel Spaß macht, sondern auch besonders viel Energie verbraucht.

»Die Digitalisierung braucht dringend einen ökologischen Ordnungsrahmen, sonst wird sie zum Klimakiller statt zum Klimaretter«

Dieter Janecek, Grüne

Vom extrem hohen Stromverbrauch durch das Streamen haben wir schon gehört, auch davon, dass die für die heutige Produktion von Rechnern und Smartphones notwendigen Rohstoffe klima- und umweltschädlich sind.

Insofern halte ich es nur für konsequent, wenn Politik das Thema aufgreift und so zunächst einmal unser Problembewusstsein schärft. Aber tut sie das wirklich?

Komplette Ablehnung

Wie die Dinge in manchen wirtschaftsaffinen Kreisen gesehen werden, zeigt dieser Tweet:

Screenshot

Wachstum bleibt eine Größe

Dabei spielt Digitalisierung selbstverständlich eine wichtige Rolle bei der künftigen Ressourcengewinnung. Das heißt aber nicht, dass im Interesse irgendeiner Agenda (Kohleausstieg, erneuerbare Energien) neuen Wachstumsträumereien stattgegeben werden dürfte. Hier kann man interessante Aussagen zum Thema lesen. Politische Rahmenbedingungen (oder eben ökologische Ordnungsrahmen) sind vielleicht vonnöten?

Grafik von Horst Schulte

Leider zeigen Unternehmen und Verbraucher an vielen Stellen nicht kein ökologisches Bewusstsein. Hier braucht es sehr wohl einen politischen (ökologischen) Ordnungsrahmen, obwohl bei derlei Gelegenheiten leider auch schon genügend negative Beispiele angesammelt wurden. Das schlimme Bild, das Deutschland mit seiner Energiewende in die Welt geschickt hat, ist eines davon.

Spannungsfelder

Die Frage, die sich in diesem Spannungsfeld also stellt, ist die, ob technologischer Fortschritt, Nachfragemechanismen des Marktes Gewinnstreben und ökologische Zielsetzungen tatsächlich in Einklang zu bringen sind. Waren sie es jemals?

Einmal mehr konzentriert sich diese Frage auf die Bewohner Nordamerikas und Westeuropas. Dort ist die Nutzung digitaler Geräte am stärksten.

Einsparungen

Nordamerikaner und Westeuropäer führen das moderne, privilegierte Leben, das sich weltweit immer mehr Menschen ebenfalls wünschen. Das Fernsehen und das Internet erlaubt ihnen längst eine sehr klare Vorstellung der Vorzüge unseres Lebens. Nun glauben wir allerdings, es ihnen mithilfe der Klimawandelfolgen ausreden zu können.

Das Problem dürfte nicht leicht zu lösen sein, weil auch positive Faktoren negative Wirkungen entfalten können:

Das Problem dabei: Das Wachstum war in der Vergangenheit größer als die Effizienzsteigerung, sagt Ralph Hintermann vom Borderstep Institut. Ein klassischer Rebound-Effekt. Prozessoren und Smartphones erbringen zwar immer mehr Rechenleistung bei kleinerem Energieverbrauch und werden damit theoretisch ökologischer. Gleichzeitig nutzen nun immer mehr Menschen immer mehr energieintensive Dienste.

Stromverbrauch von Streamingdiensten: Der Weg zur Streamscham – taz.de

Das stimmt nicht besonders optimistisch. Den Effekt, dass Effizienzsteigerungen oder neue Technologien nicht zwangsläufig zu geringeren Verbräuchen führen, kennen wir auch aus anderen Bereichen.

Wer wird solchen weltfremden Empfehlungen wohl folgen?

„Beim Wasserhahn sehen wir, was wir verbrauchen, beim Streaming nicht, zumal ich die Stromkosten des Rechenzentrums nicht auf meiner eigenen Stromrechnung sehe“, sagt Rohde. Er plädiert dafür, Streamingdienste sparsamer zu nutzen: Einen hochauflösenden Kaminfeuer-Stream laufen zu lassen, hält er für wenig sinnvoll. Besser sei es, auf dem Smartphone zu schauen, als auf dem großen Bildschirm.

Stromverbrauch von Streamingdiensten: Der Weg zur Streamscham – taz.de

Eine Steuerungswirkung entsteht eigentlich vor allem dann, wenn das Produkt sich stark verteuert (s. Debatte zur CO2 – Bepreisung). Aber selbst der hiesige im Vergleich sehr hohe Strompreis hat nicht dazu geführt, dass die Nachfrage zurückgegangen wäre. Ich mag Filme oder Serien jedenfalls nicht auf meinem vergleichsweise winzigen Smartphonedisplay anschauen. Dafür verzichte ich allerdings gänzlich auf Kaminfeuerstreams. Vielleicht auch, weil ich nicht mal wusste, dass es so einen Blödsinn überhaupt gibt.


Energieverbrauch für Videostreams

Die bereits jetzt jährlich benötigte Energie könnte sämtliche Privathaushalte in Deutschland, Italien und Polen zusammen für ein Jahr versorgen. Wir reden von 200 Milliarden Kilowattstunden (kWh) pro Jahr – mit steigender Tendenz.

Die gewaltigen Daten- und auch Energiemengen ergeben sich zum einen durch die immer höhere Auflösung der Filme und Serien in HD und 4K, zum anderen durch die immer größere Menge an Videos. Allein Youtube wächst um rund 400 bis 500 Stunden Bewegtbild pro Minute. Mit Disney, Warner und Apple bereiten zudem weitere Anbieter ihren Einstieg in das Streaming-Geschäft vor, die die Datenmenge und damit auch den Stromverbrauch weiter ansteigen lassen.

So viel Strom verbraucht Streaming weltweit

Übrigens existiert ein bemerkenswerter Satz im Grundsatzprogramm des Ludwigshafener CDU – Parteitages von 1978:

„Wo Wachstum zu einer unvertretbaren Beeinträchtigung der natürlichen Umwelt führt, muss notfalls auf solches Wachstum und damit verbundene Einkommensmehrung verzichtet werden.“

Schwarz-grünes Buchprojekt: Der Versuch, die Ökonomie mit der Ökologie zu versöhnen – Politik – Tagesspiegel

Aufgabe von Wachstum zugunsten einer natürlichen Umwelt? Für die heutige CDU wäre das kaum vorstellbar. Ich finde, das steht – wie fast nichts anderes in der Gegenwart – für einen guten konservativen Wert.

About the Author

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


Es werden keine IP-Adressen gespeichert! Sie können, falls Sie dies möchten, auch anonym kommentieren.