Solange wir jeden unbequemen Gedanken nicht nur wegen Verstoßes gegen die political correctness beiseite räumen, sondern diejenigen, die ihn aussprechen, als Rassisten beschimpfen (Tönnies, Herrmann, Linnemann, Palmer) bleiben wir von der Aufhebung der allseits beklagten Polarisierung der Gesellschaft weit entfernt.

Solange die Medien Aussagen von Politikern (egal, von welcher Partei) unzulässig verkürzen oder falsch zitieren, bleiben sie Teil des Problems. Im Fall Linnemann war es sogar „dpa“, die für einen echten Skandal gesorgt hat. Der Titel enthielt eine glatte Lüge. Dafür hat „dpa“ sich entschuldigt. Die Rassismusvorwürfe gegen Linnemann stehen im Raum.


Ich stelle mal ein paar Gedanken in den Raum, die wohl auch keine Einzelmeinung darstellen (im Zweifel hilft Google). Jeder, der heute etwas sagt oder schreibt, das dem so genannten (links-grünen) Mainstream entgegensteht, ganz egal, um welche Selbstverständlichkeiten es sich auch handelt, kann ein Desaster erleben. Sachlichen Widerspruch meine ich nicht, der ist unbedingt erwünscht.

Tönnies

1.) Es gibt mehr als 7,7 Milliarden Menschen auf der Welt. Warum ist das Wachstum in Afrika am höchsten? ( Link: Weltbevölkerung: Mehr als 7,7 Milliarden Menschen auf der Welt | Wissen | Themen | BR.de, Link: Bevölkerungswachstum : 2050 muss Afrika zwei Milliarden ernähren – WELT ) Tönnies Bemerkung war rassistisch. Allerdings fußt seine Aussage auf einem echten Problem. Dieses ist genauso wenig zu lösen, in dem man das auf diesem Kontinent vorherrschenden Frauenbild oder fehlender Familienpolitik verweist. Tönnies hat sich für seine Aussage entschuldigt. Damit sollte es genug sein. Aber die aufrechten und immer nur rechtschaffenen Linken wollen genau das nicht. Nach ihrer Ansicht muss so einer weg. Sein Rücktritt löst nur kein Problem.

Herrmann

2.) Die Aussage, dass Kulturen Menschen prägen gilt vermutlich nicht nur in Deutschland. Blöd freilich, dass uns kaum einig darüber werden, was unsere Kultur eigentlich so ausmacht.

Natürlich stimmt es, dass Morde und Vergewaltigungen von Frauen in keiner Kultur der Welt erlaubt sind. Überall lernen die Mädchen und Jungens von ihren Eltern, was richtig und falsch ist.

Allerdings kommen viele der Menschen, die in Deutschland gelandet sind, aus Regionen, in denen Kriege oder schweres Unrecht das Leben geprägt haben. Diese Erfahrungen streift man nicht an der Grenze in eine neue Heimat ab. Neben schwerwiegenden Traumatisierung dürfte die Einstellung zur Gewalt durch Lebenserfahrungen anders aussehen als bei uns eingeborenen Deutschen. Wir haben zum Glück unter anderen Voraussetzungen leben dürfen. Die Einstellung zur Gewalt, das dürfte wohl unumstritten sein, wird durch persönliche Lebenserfahrungen geprägt. Wer ständig in einem gewalttätigen Umfeld lebt, der wird im Zweifel nicht auf das Gewaltmonopol des Staates setzen. Das ist ein schwerwiegendes Problem, das wir an vielen Stellen im Land erfahren müssen.

Herrmanns Aussage ist nicht automatisch deshalb falsch, weil sie an Sarrazin erinnert.

Linnemann

3.) Wenn Kinder nicht vernünftig lernen, weil ein großer Teil von ihnen in einer Klasse den Lehrplan außer Kraft setzen, kann das wohl nicht im Sinne der Gesellschaft sein. Kein Deutsch zu sprechen, darin besteht wohl Einigkeit, ist vielleicht das größte Integrationshindernis überhaupt. Und wie reagieren wir, wenn wir mit Aussagen konfrontiert werden, die sogar vom Lehrerverband weitgehend bestätigt werden? Wir halten demjenigen, der das Thema auf die Agenda setzt, Rassismus vor.

Wir sind doch noch einig darin, dass in einem Land wie dem unseren, ohne Ressourcen, eine überdurchschnittliche Bildung von überragender Bedeutung ist? Wie können wir dann die Zustände einreißen lassen, die uns ständig (und zwar glaubwürdig) präsentiert werden? Sind wir so abgestumpft wie viele Politiker und fallen über die wenigen her, die die Gründe für offensichtliche Missstände aussprechen?

Ich empfehle die Stelle im Interview mit Gabor Steingart zu beachten, in der Linnemann vom künftigen Verhalten unserer gewählten Abgeordneten redet, wenn Medien und Öffentlichkeit so weitermachen werden. Wundern würde mich eine solche Einsicht nicht. Und welche Konsequenzen das hätte…

Palmer

4.) Die AfD und ihren Anhängern scheint es ein Bedürfnis zu sein, jeden einzelnen Fall, in dem Ausländer Verbrechen begangenen haben, zu dokumentieren und mit ihren stereotypen Hasstiraden gegen alle „Fremden“ zu verbreiten. Sie profitieren von dieser Art „Öffentlichkeitsarbeit„.

Wie reagieren die Menschen darauf, die die Hetze der AfD anstößig finden? Sie versuchen (noch) dagegenzuhalten. Das ist gut und so dringend nötig! Aber wir kommen im Kampf gegen die AfD und die virtuellen Hass-Brigaden der Partei nicht voran, wenn wir kriminelle Taten von Geflüchteten entweder ganz leugnen oder herunterspielen. Das spielt den Spaltern im Land in die Hände.

5

Tagged:
About the Author

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 65 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

4 Kommentare

  1. Mir war die Tönnies-Aussage einen eigenen kurzen Blogartikel wert, weil ich auf etwas hinweisen will, das uns am Ende alle angeht. Wir alle (wahrscheinlich, vielleicht nicht ausnahmslos jeder Einzelne) haben diese Art Rassismus von Früh an sozusagen „mit Löffeln eingeflößt“ bekommen. Und wir haben das im Grunde nie wirklich reflektiert.

    Natürlich ist die betreffende Aussage rassistisch, und die Grundhaltung dahinter ist es auch, es ist schlicht eine böse Diffamierung und kulturelle, ja biologistische Abwertung einer ganzen Populationsgruppe unserer Art.

    Daran ändert eine dreimonatige „Auszeit“ vom Dienst (bezahlt natürlich, wie ich annehme) und eine verbale Entschuldigung gar nichts. Die im Kopf schon immer vorhandene Be- und Abwertung einer Populationsgruppe verändert sich dadurch nicht.

    Glaub‘ bloß nicht, dass ich selbst nicht auch solche Ressentiments (und Be -und Abwertungen) im Kopf habe, ja, die treten immer wieder hervor. Nicht nur gegenüber Afrikanern…

    Aber ich bin mir im Laufe meines Erwachsenenlebens irgendwann dessen bewusst geworden, ich reflektiere das (immer wieder einmal) und deswegen schreibe ich:

    Man sagt so etwas, denn man hat es vorher (bewusst oder nicht) gedacht, und zwar, weil es im Kopf, in den Grundüberzeugungen ist. Und das kann man nicht leugnen, nur erkennen und reflektieren.

    Leider kommt das in der Tönnies-Angelegenheit (wie üblich in solchen Fällen) überhaupt nicht zum Tragen, da wird schlicht so getan, als hätte er nur einfach etwas höchst Unpassendes gesagt. Ohne dass das irgendeinen Ursprung hätte, es ist halt einfach so konkretisierbare Ursache „rausgerutscht“. Es wird so getan, als hätte sich der Mund mal eben vom Mensch abgelöst und irgendetwas eigenmächtig gesagt. Und dafür gibt’s dann die Entschuldigung und eine bloß scheinbare kleine Buße und alles ist gut.

    Nein, das ist es leider nicht. Es ist immer noch unreflektiert im Kopf…

  2. Ich kenne Tönnies nur dem Namen nach. Ich stimme dir zu, seine Aussagen waren rassistisch. Er hat sich dafür entschuldigt und macht jetzt 3 Monate Pause. Mir ist dieser Teil des Eklats damit abgeschlossen. Es ist prima, dass du einräumst, selbst Opfer von Ressentiments zu sein. Die meisten werden das weit von sich weisen, glaube ich. Mir passiert das leider auch und meine Frau zügelt mich ggf. In der Öffentlichkeit passiert das aber nicht, weil ich zu denen gehöre, die jede Kleinigkeit von rechten Hetzern aufspießen und attackieren. Ich mach mich öffentlich ungern angreifbar. Wer will schon selbst so kritisiert werden, wie ich es manchmal mit anderen mache? Vorausgesetzt natürlich, sind sind Rächtz. Irgendwo las ich die Aussage eines Weggefährten von Tönnies. Er fand, Tönnies sei auf keinen Fall ein Rassist. Ich kann das nicht beurteilen. Schon gar nicht aufgrund einer Bemerkung. Aber grundsätzlich wird vielleicht was dran sein, wenn du sagst, dass das im Nachhinein als Fauxpas Verkaufte einiges über das Innere eines Menschen offenbaren.
    Ich erinnere mich bei solchen Gelegenheit immer an eine Äußerung von Ralph Giordano. Er sagte, dass auch er nicht frei sei von Vorurteilen und schon einmal die Straßeseite gewechselt hätte, weil ihm „ein paar dunkle Gestalten“ entgegengekommen wären. Mich hat das getröstet. Jeder hat mit seinen Dämonen zu ringen. Man muss sie halt im Zaum halten. Tönnies ist es hier einmal nicht gelungen. Etwas Nachsicht dürfen wir üben. 🙂

  3. Hallo Horst, wäre es jetzt eine aktuelle Themenumfrage, würde ich schreiben:

    1. Tönnies. Medien-Rummel-Muster ist klar. Mein Aufmerksamkeitsfaktor: 0

    2. Hermann. „Jetzt kommen unübersehbar Menschen aus anderen Kulturkreisen zu uns, in deren Heimat die Gewaltlosigkeit, wie wir sie pflegen, noch nicht so selbstverständlich ist.“ Das ist Fakt und hätte eigentlich auch meinen Medien-Rummel-Aufmerksamkeitsfaktor von „0“ erhalten sollen. Die schwierige Antwort, wie damit umzugehen ist, steht allseits offen.

    3. Linnemann. Richtige Feststellung, wenn auch mit kleinen Fehlern in den Zahlen. Geschenkt. Diskussion ist wohl mehr dem Sommerloch geschuldet.

    4. Palmer. Die AfD hat eine Strategie. Palmer auch. Und ich denke über meine zukünftige noch nach.

  4. @Menachem:

    Mich interessiert Schalke auch nicht besonders 🙂 Wenn immer alle auf einem rumhacken, ruft mich das auf den Plan.

    Herrmann und Linnemann werden jetzt als Rassisten verdammt. Geht ganz fix. Bei Herrmann war es weniger überraschend als bei Linnemann. Der war diesbezüglich bisher unauffällig.

    Palmer macht sich in seiner Partei Feinde. Ob das eine Strategie ist? Oder besetzt er nur die Rechtsaußen-Position nach dem Vorbild anderer Parteien? Wohl kaum, denn Rächtz gibts in Grün nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.