Alljährliches Bashing der polizeilichen Kriminalstatistik

Die polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) bietet jedes Jahr Anlass für allerlei „Klugscheißerei“. Ich kann mich gar nicht daran erinnern, wann Experten sich nicht pünktlich zum Erscheinen dazu – aufgefordert oder nicht – geäußert hätten. Ob rechte Blogs wie PP (Gottfried Curio hat einen gelassen!), der pseudoliberale Blog „Tichys Einblick“ oder viele andere – nicht nur rechte Autoren – alle reiben sich an der gestern von Horst Seehofer vorgestellten Kriminalstatistik.

Im Bundestag nehmen die Oppositionsparteien kritisch Stellung und überschütten Bundesinnenminister Seehofer mit Vorwürfen. Jede Partei, jede Gruppe, kocht ihr Süppchen. Natürlich – auch die AfD (Curio bei PP) stänkert gegen die Aussagekraft der Statistik und bietet letztlich ihre tollste Lösung zum eintausendsten Mal an: Schließung der Grenzen. Vielen Bürgern wird der Einfallsreichtum der Nationalisten genauso am Hals heraushängen wie mir. Andere fahren auf die Schlichtzeit solcher Rezepte ab. Das haben die Engländer auch getan.

Die Kriminalität sinkt wieder – wie auch schon im Vorjahr. Allerdings: Deutschland importiert Gewaltkriminalität. Asylbewerber begehen mehr als 180-mal so häufig Gewaltverbrechen wie der Rest der Bevölkerung.

schreibt Jochen Renz bei Tichys Einblick

Auch Insider Sebastian Fiedler, der bei diesen Anlässen stets gern gesehener Interview-Partner ist, kritisiert die Statistik des Innenministers. Aber es kommt auch von ihm wenig, was als konstruktiv bewertet werden kann.

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Ab Min. 3.22

Er erklärt, dass es Dunkelfelder vor allem in bestimmten Kriminalitätsbereichen gäbe, die bei über 90% liegen. Wow! Er nennt als erstes den Bereich der Auslandskriminalität. Ja, echt komisch, dass unser Innenminister sich so wenig mit Auslandskriminalität befasst hat. Außerdem sind die Dunkelfelder bei Cyberkriminalität, Korruption, Wirtschaftskriminalität und organisierter Kriminalität besonders hoch, eben um oder über 90%.

Zurück zu den in der PKS wiedergegebenen Daten: Gabor Steingart fällt im Interview mit Fiedler das überraschend schlichte Urteil, dass Häufungen von Vergehen einer Gruppen unter den Zuwanderern den Durchschnitt der Aussagen für die Gesamtheit aller Zuwanderer versauen würden. Genau, Herr Gabor. Es herrscht der Simplizissimus auf den die Rechten mit Erfolg setzen.

Fiedler würde alles anders anpacken:

  1. Die Themenfelder offensiv bearbeiten

  2. Messer- und Stichwaffen als Problemfeld besonders beobachten

  3. Die Rauschgiftschwemme mal zur Kenntnis nehmen

Außer heißer Luft (Sorry, Herr Fiedler) kommt von ihm nicht viel. Er äußert gern Kritik, die natürlich ihre Berechtigung und -hoffentlich- auch ihre Wirkung hat. Das haben Funktionäre mit bestimmten Aufgaben wohl alle gemeinsam. Dass Fiedler ansonsten gern mehr Personal für die Polizei fordert, überrascht angesichts seines Aufgabenprofils ja nicht wirklich.

Wir kämpfen hierbei zuvorderst für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen kriminalpolizeilicher Arbeit sowie für eine gerechte und angemessene Entlohnung bzw. Besoldung und Versorgung. Darüber hinaus engagieren wir uns kriminalpolitisch. Wir sehen uns in unserer Eigenschaft als „Stimme der Kriminalitätsbekämpfung“ in gesamtgesellschaftlicher Verantwortung, um der Politik Handlungsnotwendigkeiten aufzuzeigen.

Quelle
https://twitter.com/DreieieiBenny/status/1112991536051113984

Wenn wir irgendwann soviel Polizei im Land haben, dass Herr Fiedler und seine Kollegen zufrieden sind – was nie geschehen wird – trifft vielleicht das ein, was der ehemalige Bundesrichter, Thomas Fischer, in diesem Video so launisch beschrieben hat. Seehofer wäre erwartungsgemäß weniger selbstzufrieden bei seinem Vortrag zur PKS. Aber ob die Leute von PP oder Tichys Einblick und der Opposition damit zufriedengestellt wären?

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2 Gedanken zu “Alljährliches Bashing der polizeilichen Kriminalstatistik”

  1. Wenn mich die Kriminalstatistik wirklich interessieren würde, würde ich mir das Material verschaffen und mir selbst ein Bild davon machen.

    Das Parteien und politisch interessierte Kreise – je rechter, desto mehr – daraus in ihrem Sinne und für ihre hörige Klientel irgendwelche vorgeblichen Erkenntnisse zusammen- und zurechtlügen, ist mir inzwischen völlig wurscht. Ich höre mir dazu auch keinerlei Kommentare in den Medien mehr an, weil ich meine Zeit nicht mehr mit diesem Unfug und den armseligen aufmerksamkeitsgeilen Hanswursten (die du ja erwähnst), die ihn wie Teig breittreten, vergeuden will.

    Ich habe deinen Artikel dazu gelesen und für gut und passend befunden und mit diesem Kommentar lasse ich es bewenden.

    Das hebt die Laune und erfreut das Gemüt 😉

  2. Jedenfalls zeigt das, wie einfach es ist, Fake News zu produzieren. Sie zu entlarven fällt allerdings echt schwer. Leider sind ganz viele gar nicht bereit, sich fachlich damit näher auseinanderzusetzen. Es würde allerdings auch zu nichts führen – in postfaktischen Zeiten wie diesen.

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