Der Präsident des Deutschen Naturschutzringes, Kai Niebert, bedankte sich bei den „progressiven Kommissionsmitgliedern“ und kritisiert massiv die wiederholte Einmischung der Bundesregierung in die Arbeit der Kommission.

Hambach soll bleiben, Neurath und Niederaußem werden als erste Kohlekraftwerke vom Netz genommen und umziehen muss auch keiner mehr. Die Umsiedlungsprojekte im Rahmen von Garzweiler sollen gestoppt werden.

In einer Nachrichtensendung von gestern kam eine junge Frau (<= 20 Jahre) zu Wort. Sie erklärte, dass der Kohleausstieg nun endlich stattfinden müsse, weil dies die letzte Chance für das Weltklima sei.

Wie viele Arbeitsplätze sind es doch gleich, die weltweit von der Kohle abhängig sind? Es ist nicht lange her, da titelte das Handelsblatt: Weltweit boomt die Kohle. Das war im Oktober vergangenen Jahres. Aber was schert uns das? Wir sind schließlich Deutschland. Atomausstieg, Kohleausstieg. Flughäfen können wir auch nicht. Die Konjunktur hat ihren Zenit überschritten. Alles läuft bestens!

Vor allem von China und Indien gibt es interessantes Zahlenmaterial. Die Chinesen und Inder wollen zwar dem Klima zuliebe gegensteuern, die Realität sieht allerdings noch anders aus. Es kommt auch immer ein wenig darauf an, wen man fragt. Ich habe das Gefühl, dass wir von einer Seite schamlos angelogen werden. Oder doch von beiden?

Deutschland fördert zwar weltweit die meiste Braunkohle, bezieht man aber die Steinkohle mit ein, erhält man ganz anderes Bild. Steinkohle belastet die Umwelt zwar mit knapp 30% je Kilowattstunde weniger als Braunkohle. Allerdings stimmt auch in diesem Fall, dass es die Menge macht. Vergleicht die Daten!

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In Indien arbeiten Millionen von Menschen für die Kohlegewinnung. Und die Zahl wird nach bestimmten Informationen wohl eher noch steigen. Nebenbei bemerkt: Indien verfügt über die größten Kohlereserven der Welt.

Solche Passagen lassen sich in ein- und demselben Artikel finden:

Bis 2020 soll die Kohleförderung auf 1,5 Milliarden Tonnen pro Jahr verdoppelt werden. Der Ausstoß von Kohlendioxid wird sich im nächsten Jahrzehnt vervielfachen, weil Indien ungehemmt wachsen will. Indiens Umweltminister Prakash Javadekar vertraut beim Klimaschutz vor allem auf den technischen Fortschritt. […]

Ab 2030 will Indien 40 Prozent seiner Energie ohne Kohle und Öl produzieren.


Quelle

Was sind das für Journalisten, die in einem Absatz von der Verdopplung der Kohleförderung bis 2020 schreiben und ein paar Sätze später, dass nach nur 10 Jahren die Reduzierung von fossilen Brennstoffen um 40% erfolgen soll? Das Return of Investment würde mich brennend interessieren – bei diesen Zinsen.

In China sollen es rund 1 Million Arbeitsplätze sein, die durch den Vormarsch alternativer Energiequellen gefährdet sind. Aber dieses Regime könnte sowas wohl verhältnismäßig einfach umsetzen, sofern es denn wollen würde. Aber werden die Chinesen so dumm sein? Reden ist etwas anderes als Handeln.

Rund 300.000 Einwohner hat der Stadtkern von Yangquan. Und auch wenn die Zentralregierung in Peking seit einigen Jahren auf den Ausbau der Erneuerbaren setzt: Hier dreht sich immer noch alles um die Kohle. Schätzungsweise 80 Prozent der Menschen in Yangquan leben direkt oder indirekt von der Kohleindustrie. Allein im Zentrum gibt es drei staatliche Minen mit jeweils tausenden Arbeitern und Angestellten. Die Minen heißen kommunistisch-bürokratisch schlicht „Nummer 1“, „Nummer 2“ und „Nummer 3“.


Quelle

In Deutschland denken wir, dass unser leuchtendes energiepolitisches Vorbild andere Völker überzeugen müsste! Darauf setzen nicht nur junge Menschen, weil sie die Hantiererei unserer Politiker mit unserer Zukunft satt haben, sondern auch die Umweltaktivisten und die sie tragenden grünen Ideologen. Die einen verstehe ich, die anderen handeln vielleicht unverantwortlich? Ich bin auch für Klimaschutz. Aber die Voraussetzungen müssen klar sein. Und das sind sie nicht! Allem Gequatsche zum Trotz.

Wenn ich mir allerdings vorstelle, welche Emotionen der Verlust von 70 bis 80.000 direkt betroffenen Arbeitsplätzen in unserer heimischen Kohleindustrie ausgelöst hat, möchte ich mir nicht ausmalen, was in Indien und China passieren würde, wenn der kurzfristige „Ausstieg“ von den dortigen Regierungen ernsthaft ernsthaft gefasst würde. Ich glaube nämlich nicht daran, dass es – trotz vereinzelter anderslautender Meldungen – ernsthafte Vorhaben in diese Richtung gibt. Wie sollen in diesen und übrigens auch anderen Ländern die verlorenen Arbeitsplätze kompensiert werden? Angeblich soll der Switch in Deutschland saldiert ja sogar viele Arbeitsplätze gebracht haben. Aber welche Prozesse und Strukturen sind anderswo nötig, um vor dem Hintergrund dieser gewaltigen Anzahl von gefährdeten Arbeitsplätzen, erfolgreich zu wirken?

Dass die Mitglieder der Umweltverbände bei der Bundespressekonferenz bereits jetzt sagen, dass sie das Enddatum für die Umsetzung des Kompromisses nicht mittragen, ist höchst bemerkenswert. Schließlich waren alle dabei und die Verabschiedung dieses Kompromisses liegt nur wenige Stunden zurück. Es ist besonders wichtig, wie sich die lauten Demonstranten für einen schnellen Kohleausstieg ihren Vertretern gegenüber verhalten werden. Ich persönlich erwarte von diesen Leuten keine überragende Kompromissfähigkeit, sondern das Gegenteil. Die Preiskompensation für die Industrie soll es demnach nicht geben, weil diese angeblich nicht nötig sei. Aus Sicht der Umweltfunktionäre ist das wohl deshalb der Fall, weil der Verbraucher die höheren Energiepreise ja bisher auch klaglos hingenommen hat.

An keiner Stelle kommt diese Regierung voran. Nur Stückwerk, nur Murks, nur Ärger und Frust! Und immer mehr Menschen werden von dieser Unfähigkeit auch persönlich getroffen. Manchmal wundert es mich fast, dass die AfD in den Umfragen auf der Stelle tritt.

Ganz meine Meinung:

Download: Abschlussbericht Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“

DIE saßen übrigens mit am Tisch:

Update: 28.01.2019

Hier ein sehr aufschlussreicher Artikel der NZZ über den Leichtsinn, den die deutsche Regierung hinsichtlich der Energieversorgung unseres Landes an den Tag legt:


Am Donnerstag, just bevor die Kommission zu ihren letzten Verhandlungen zusammentrat, zeigte die Witterung, auf was für ein gewagtes Experiment sich Deutschland einlässt: Wind und Sonne fielen an jenem Tag für die Produktion von Strom beinahe aus. Man spricht in so einer Lage von einer «Dunkelflaute». Die konventionellen Kraftwerke mit Kohle und Kernkraft liefen an jenem Tag auf Hochtouren. Zusätzlich wurde ein kleiner Teil des Stromverbrauchs importiert. Deutschland foutiert sich um eine effiziente Klimapolitik | NZZ


Weltweit ist der deutsche Kohleausstieg eher ein Unikum. Global befinden sich aktuell 491 Großkohlekraftwerke im Bau, 790 weitere sind in Planung. Und mit Polen hat sich gerade erst ein direkter Nachbar der Bundesrepublik für die Kohleförderung ausgesprochen. Präsident Andrzej Duda sagte auf dem UN-Klimagipfel im Dezember in Kattowitz: „Solange ich Präsident bin, lasse ich nicht zu, dass irgendjemand den polnischen Bergbau ermordet.
Quelle: Steingarts Morning Briefing vom 28.01.2019

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare
  1. Was ist denn nun aber wichtiger? Der Erhalt möglichst vieler fossiler „Arbeitsplätze“ oder die Reduzierung klimaschädlicher Emissionen, damit unser Planet auch noch für die Kindeskinder lebenswert bleibt?

    Und: Sollen wir uns daran ausrichten, was wir für richtig und angesichts der Problematik schwer angesagt halten – oder danach, dass „all die anderen sowieso nicht ausreichend mitmachen“ – wir also schön blöd wären, zu eigenen Lasten das Richtige zu tun?

    1. Es geht nicht (nur) um den Erhalt von Arbeitsplätzen, es geht um die Art und Weise, wie wir mit den Aufgaben umgehen, die wir dringend lösen müssen. Die Frage der Relevanz von Maßnahmen wäre für mich besonders wichtig und auch wie glaubwürdig und konsistent argumentiert wird. Die Argumente liegen auf dem Tisch. Jeder muss für sich entscheiden, sofern er die Fakten halbwegs verstanden und richtig einordnen konnte, was er richtig oder falsch findet. Mir ist klar, dass viele allein von dieser Aufgabe schon überfordert sind.

      Ich denke an meine Nichte und ihre Kinder. Die Verantwortung wiegt schwer und mir ist schon sehr lange bewusst, dass wir so nicht weitermachen dürfen. Trotz dieser Einsicht bleibt aber die Erkenntnis, dass es nicht gut gehen wird, nur in eine Richtung zu denken und zu arbeiten. Leider wird das in Deutschland aber gemacht. Die Treiber dafür sind die Grünen, die ihnen nahestehenden NGO’s und auch die vom grünen Zeitgeist beherrschten Medien. Das „bewundere“ ich überall in unserem Land. Es wundert mich deshalb nicht, dass eine Art von Gegenbewegung entstanden ist. Das freut mich nicht, sondern es macht die gesellschaftlichen Verhandlungen nur noch schwieriger als sie es ohnehin sind.

      Wir haben uns vor nicht einmal 10 Jahren von der Atomenergie verabschiedet. Dass deshalb der Co2 – Ausstoß erhöht würde, war eigentlich bei dieser Entscheidung so etwas von klar. Aber jetzt ist halt die Kohle dran. Dabei macht sie in Deutschland, wenn ich richtig informiert bin, 2% der weltweiten Emissionen aus. Was sollen unsere Einsparungen bringen? Glauben wir wirklich, dass unser Handeln Vorbild für andere Länder wäre oder geht es darum, dass wir auf Biegen und Brechen unsere Verpflichtungen einhalten, an die andere sich aus meiner Sicht nicht gefunden fühlen? Welche Länder in Europa machen das auch nur annähernd so wie wir in Deutschland? Nun, die Fragen dazu habe ich im Artikel gestellt. Ich bin mehr als skeptisch. Hoffentlich verspielen wir nicht unsere Zukunft – nur auf andere Art und Weise, wie viele sich das heute denken.

      Ich habe gestern Abend Anne Will gesehen. Dort waren zwei renommierte Wissenschaftler, die sich gegenseitig die Kompetenz abgesprochen haben. Die Sichtweisen beider Herren waren so gegensätzlich wie die Einstellung in der Bevölkerung auch zu anderen Themen. Wie sollen wir unter solchen Voraussetzungen die richtigen Entscheidungen treffen?

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