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Macht Arbeitslose zu Fachkräften und bezahlt endlich fair

Manche glauben, dass faire Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen unser Problem mit dem Fachkräftemangel beheben könnte.

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Der Fachkräftemangel steht mal wieder an der Top – Position der Medien – und Politik – Agenda. Immer mehr Berufe beklagen einen heftigen Fachkräftemangel. Wie da nur kommt, wo die Zahl der Arbeitslosen doch so klein nicht ist.

Die AfD beklagt sich auf ihre Art: «Wir riefen Gastarbeiter und bekamen Gesindel». Vielleicht liegt es an diesen Tönen, dass so viele Fachkräfte nicht nach Deutschland kommen? Wenn sie hören, dass ihr künftiges Unternehmen in Ost-Deutschland liegt, umso mehr. Sie werden sich nämlich über die Region erkundigen, in der sie ihre Zelte aufschlagen möchten.

Es ist wahr, dass die Bäume für Arbeitnehmer hier nun wahrlich nicht in den Himmel wachsen. Die deutschen Nettoeinkommen wachsen nicht wie in den Ländern, die mit uns um internationale Arbeitskräfte konkurrieren. Die Bedingungen sind insgesamt nicht so, wie in anderen Ländern.

Aber es besteht im Land ja nicht einmal Konsens darüber, dass wir überhaupt auf ausländische Fachkräfte zurückgreifen müssen. Dass dies unter Zuhilfenahme wenig überzeugender Argumente passiert, ist etwas, womit man sich wohl abfinden muss.

Arbeitslosenquote Nov.
Arbeitslosenentwicklung – Quote

Die Arbeitslosenquote beträgt zurzeit 4,8 %. Hinter dieser Zahl stehen 2,2 Millionen Menschen. Manche streiten gern über die Korrektheit dieser Zahlen, die angeblich doch viel höher ist. Dass man diese «alternativen Fakten» bei Interesse selbst korrigieren könnte, spielt in solchen Diskussionen keine Rolle. Jedenfalls gibt die Bundesagentur für Arbeit jedem die Möglichkeit an die Hand.

Wir dürfen klagen, denn Deutschland erlaubt sich den größten Niedriglohnsektor Europas. Wir wissen, dass diese Tatsache mit dazu beiträgt, dass viele Menschen in der Zukunft spätestens mit ihrem Renteneintritt wirklich arm werden. Das mag viele umtreiben, auch Politiker. Nur – es ändert sich nichts. Die Zahl der tariflich geregelten Arbeitsverhältnisse nimmt weiter ab – vor allem in Ost-Deutschland. Lange bestehende tarifgebundene Beschäftigungsverhältnisse haben an dieser Entwicklung nichts zu ändern vermocht. Die Politik könnte stärker eingreifen. So wie Andrea Nahles (SPD) es einmal angekündigt hatte. Aber dafür kann sich die Union nicht erwärmen.

40% der Menschen in Deutschland besitzen kein Vermögen, verfügen also über keinerlei finanzielle Reserven. Gleichzeitig wundern wir uns darüber, dass die eigenverantwortliche Altersvorsorge nicht funktioniert. Wie auch, wenn das Geld dafür gar nicht vorhanden ist?

Nur haben diese Faktoren, so wahr sie leider sind, mit dem Fachkräftemangel meines Erachtens wenig bis nichts zu tun.

Es gibt zu wenig junge Menschen im Land. Die Folgen der demografischen Entwicklung zeigen sich immer deutlicher. Ich behaupte, dass selbst dann, wenn wir die Gehälter der Menschen in der Pflege von heute auf morgen verdoppeln würden, das Personaldefizit nicht ausgeglichen würde. Es gibt zu wenig Menschen, die diese Berufe ausüben würden. Und zwar nicht nur, weil die Bedingungen hart sind, sondern weil es sie schlicht gar nicht mehr gibt.

Nach Medienberichten brauchen wir fast eine halbe Million Fachkräfte aus dem Ausland. Das regt die Nationalisten auf, die Rassisten sowieso. Auf Sicht wird das Problem stark zunehmen. Allein in Baden-Württemberg soll perspektivisch (bis 2030) ein zusätzlicher Personalbedarf an Fachkräften von 500k Menschen bestehen. Wie gesagt, nur in Baden Württemberg! Klingt die Vorstellung nicht extrem utopisch, die Menschen, die in der Autoindustrie (Elektromobilität) ihre Jobs verlieren könnten, in anderen Jobs einsetzen könnte?

Ebenso wenig werden wir die heutigen Arbeitslosen irgendwo einsetzen können. Dass man das überhaupt erwähnen muss, macht deutlich, mit welchen Vorstellungen wir es hier von bestimmter Seite zu tun haben.





Artikelautor Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

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