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Robert Habecks Einsichten

Wer viel redet (und schreibt) provoziert Reaktion. Wer missverständlich formuliert und gar fehlerhaft, der kann in diesen Zeiten schnell einen Shitstorm auslösen. Auch der immer noch hochverehrte Helmut Schmidt hat (nicht nur in späten Lebensjahren) ab und an mal Blödsinn verzapft. Ohne Social Media blieb dies ohne Tragweite.

In unserer Facebook/Twitter – Gegenwart kann es für Personen, die eine hohe Bekanntheit, sprich Reichweite haben, verhängnisvoll sein, fehlerhaft oder missverständlich zu formulieren. Robert Habeck gehört zu den wenigen Politikern, die zur Selbstreflexion fähig sind und dies öffentlich unter Beweis stellen; nicht erst durch sein aktuelles Statement, das für Rechte und andere politische Gegner in seinen Details schon wieder Anlass für neuen Spott und Häme bietet.

Seine zahlreichen Feinde im rechten politischen Spektrum haben ein neues Lieblingsziel ausgemacht. Der Höhenflug der Grünen in den letzten Monaten ließ nichts anderes erwarten.

Ich finde es schade, dass Robert Habeck sich aus Facebook und Twitter und von seinem Blog (sic?) zurückzieht, weil er einer der wenigen Politiker ist, die etwas zu sagen haben und denen ich gern zuhöre – auch wenn ich politisch oft nicht mit ihm übereinstimme.

In der Hauptsache begründet Habeck seine Entscheidung mit dem Datenleak. Er ist eine der Personen, die besonders stark betroffen sind und seine Familie mit ihm.


Der Angriff auf die privatesten Daten meiner Familien“ und „ein Fehler meinerseits“ seien die Gründe

Robert Habeck

Der zeitliche Zusammenhang von Habecks Bemerkung über das Bundesland Thüringen und den geleakten Daten legt nahe, dass Habecks Löschvorhaben eher auf die kritikwürdige Formulierung und die heftigen Angriffe zurückzuführen sind als auf die geleakten Daten. Habecks Maßnahmen sind zu respektieren. Ich sehe nicht, dass dieser „Verzicht“ negative Auswirkungen auf seine hohe Popularität im Land haben wird. Jedenfalls wird er sich deutlich weniger ärgern müssen. Ich möchte lieber nicht wissen, wie beispielsweise Karl Lauterbach, SPD, mit all den Nettigkeiten seiner politischen Feinde klarkommt, die er bei Twitter zu lesen bekommt. Jeder wird seine Methode im Umgang mit all diesem Dreck entwickeln müssen. Damit kein Missverständnis entsteht: Wir sind alle dafür mitverantwortlich. Jedenfalls diejenigen, einen Social-Media-Account besitzen und ihn ab und zu für ein zwei hässliche Sätze benutzt haben.


„Wir versuchen, alles zu machen, damit Thüringen ein offenes, freies, liberales, demokratisches Land wird.“ 

Robert habeck

Habecks zunächst im Privatblog veröffentlichter Beitrag „Bye, bye, Twitter und Facebook“ wurde heute auf der Website der Grünen veröffentlicht. Der Privat-Blog ist (wie gesagt) momentan ebenfalls offline.

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Robert Habecks Beitrag ist schon deshalb lesenswert, weil solche Einsichten leider höchst selten sind. Von anderen Politikern jedenfalls. Dabei ist als gegeben anzunehmen, dass sich seine „rechten Freunde“ davon nicht beeindruckt zeigen werden.

Sie legen prompt nach und pumpen sich gegenseitig weiter mit Hass und Hetze auf. Ein besonders gehässiges Exemplar merkte zu Habecks Rückzug aus den sozialen Medien ironisch an, dass er seine Wahrheiten weiterhin bei ARD und ZDF unterbringen könne. Das ist der Stand der Diskussion zwischen den Staatsfeinden und den Demokraten im Land.

Dem in Berlin lebende Korrespondent der NZZ Marc Felix Serrao und seiner Blase hat der Wochenanfang jedenfalls ein Thema ganz nach seinem Geschmack beschert.

Allein die Tatsache, dass die Grünen in Thüringen seit vier Jahren mitregieren, könnte ein Grund zum Innehalten sein. Für die jedenfalls, die Habecks verunglückten Satz wirklich einordnen möchten. Aber daran sind nur Habeck-Fans interessiert. Unter „schlaflosen Nächten“ leiden viele nicht. Sonst würden sie nicht systematisch diese Menge an Schmutz über politisch Andersdenkende raushauen.

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Die „schlaflose Nacht“ Habecks fordert insbesondere diejenigen heraus, die ihre ganz spezielle Sicht auf die Grünen haben. Aber selbst freundlich gesonnene Stimmen kritisieren Habecks Reaktion als vorschnell und unüberlegt. Zurückhaltung ist nicht unsere Sache. Wofür gibts schließlich Facebook und Twitter?

Wer solche Ratschläge ein bisschen verfolgt, was angesichts ihrer schieren Zahl nicht ganz einfach ist, der wird wohl ab und an daran erinnert, wie einfach wir Privatleute es haben, etwaige Fehler auszubügeln. Ich zum Beispiel habe meine diversen Accounts gleich mehrfach gelöscht und mich später wieder angemeldet. Bis auf ein bisschen Häme und Spott waren die Aktionen folgenlos. Dabei war mein Motiv womöglich gar nicht so viel anders als das von Robert Habeck.

Ich kann mich nicht mit Habeck vergleichen. Aber ich kenne das zwiespältige Gefühl, einen dummen, blöden Fehler gemacht zu haben und möglichst schnell danach durch das Löschen der Accounts „der Welt“ zeigen zu müssen, dass sie nach den fiesen Reaktionen einfach ohne mich auskommen muss.

Bei Habeck steht allerdings im Raum, dass er von den Datenleaks besonders betroffen ist. Warum soll sich nicht auch ein Politiker, der stark auf seine öffentliche Wirkung (und damit auch auf die sozialen Medien) angewiesen ist, gegen die grässlichen Anfeindungen im Internet wehren, in dem er sich ganz zurückzieht.

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Bei Habeck steht allerdings im Raum, dass er von den Datenleaks besonders betroffen ist. Warum soll sich nicht auch ein Politiker, der stark auf seine öffentliche Wirkung (und damit auch auf die sozialen Medien) angewiesen ist, gegen die grässlichen Anfeindungen im Internet wehren, in dem er sich ganz zurückzieht. Wenigstens vorübergehend auszusteigen, ist schließlich auch eine Option. Die Welt wird davon nicht besser. Aber dem eigenen Selbstwertgefühl kann es helfen.

Ich werde Robert Habecks Beiträge (im Blog, auf Facebook und bei Twitter) vermissen. Vielleicht kommt er zurück?

Bei Habeck steht allerdings im Raum, dass er von den Datenleaks besonders betroffen ist. Warum soll sich nicht auch ein Politiker, der stark auf seine öffentliche Wirkung (und damit auch auf die sozialen Medien) angewiesen ist, gegen die grässlichen Anfeindungen im Internet wehren, in dem er sich ganz zurückzieht. Wenigstens vorübergehend auszusteigen, ist schließlich auch eine Option. Die Welt wird davon nicht besser. Aber dem eigenen Selbstwertgefühl kann es helfen.

Ich werde Robert Habecks Beiträge (im Blog, auf Facebook und bei Twitter) vermissen. Vielleicht kommt er zurück?

Nur vorübergehend auszusteigen ist schließlich auch eine Option. Die Welt wird davon nicht besser. Aber dem eigenen Selbstwertgefühl kann es helfen.

Ich werde Robert Habecks Beiträge (im Blog, auf Facebook und bei Twitter) vermissen. Vielleicht kommt er zurück?

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HorstSchulte
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